Heutzutage noch ein gutes Adventure zu finden, ist mit Suche nach der Nadel im Heuhaufen zu vergleichen. Dass es dann aber doch kein Ding der Unmöglichkeit ist, will uns Autumn Moon mit dem klassischem Adventure "A Vampyre Story" zeigen. Ob es ihnen gelungen ist, die Herzen der Retro-Fans zu erobern und wie es sonst um "A Vampyre Story" steht, erfahrt ihr in unserem Review
Ein kaltes Herz sehnt sich nach Freiheit
Unser Spiel beginnt mit einer wahren Schönheit: Hübsches Gesicht, schmale Taille und zwei überzeugende Argumente... Aber Moment, etwas stimmt hier nicht, nur was? Rote Augen, die Blut weinen und ein bleiches Erscheinungsbild ?! Spätestens nachdem unsere Heldin Mona das erste Mal ihr Verlangen nach dem roten Lebenssaft äußert, dürfte euch klar werden, dass diese Sexbombe eine wandelnde Tote ist, um genauer zu sein ein Vampir.
Und Mona ist mit diesem Lebenszustand alles andere als zufrieden, denn sie hat sich keineswegs freiwillig dem Vampirdasein gewidmet. Früher war sie eine begnadete Opernsängerin aus Frankreich, bis zu dem schicksalhaften Tag, an dem sie Shrowdy von Kiefer kennenlernte. Der kleinwüchsige Draxsylvanier entpuppt sich nicht nur als Verehrer der schönen Mona, sondern auch als Vampir und natürlich will er seiner Angebeteten die Gabe der Unsterblichkeit nicht vorenthalten.
Verflucht auf alle Ewigkeit fristet Mona nun ihr Dasein in der Burg Warg, der Heimt von Shrowdy - einzig und allein damit beschäftigt den Klauen des Baronensohns zu entkommen. Immerhin ist sie nicht ganz allein, denn mit der Fledermaus Froderick hat sie einen treuen Freund und Begleiter gefunden, der vor allem durch seinen schwarzen Humor das kalte Herz von Mona mit Freude erfüllt.
Doch als Shrowdy eines Tages hinauszieht, um neue Blutreserven zu besorgen, wird er dabei von einem Mönch gepfählt und seine Tage als Blutsauger sind allem Anschein nach vorbei. Die perfekte Chance für Mona, um aus dem Schloss zu flüchten und den Vampirfluch ein für allemal los zu werden.
Alte Besen kehren gut
Das bei "A Vampyre Story" Klassisches ganz oben steht, merkt man schon in den ersten Spielminuten: Liebevoll handgezeichnete Hintergründe erinnern sofort an alte Spielperlen wie "Day of the Tentacle", "Monkey Island" und "Beneath a Steel Sky". Mit "Monkey Island" fiel soeben ein Name, der mit A "Vampyre Story" unverweigerlich in Verbindung steht: Bill Tiller, Ex-Mitarbeiter von LucasArts und vielen noch aus Spielen wie „The Curse of Monkey Island“ ein Begriff, ist der Chefentwickler von "A Vampyre Story".
Doch nicht nur die Grafiken orientieren sich an den Wurzeln des Genres, so ziemlich jeder Aspekt erinnert an die guten, alten Zeiten: Die leicht trashige Story, der schwarze und sehr doppeldeutige Humor und die simple Point&Click Steuerung versetzen euch in Retro-Stimmung.
Und doch wirkt "A Vampyre Story" erfrischend neu und hebt sich stark von der heutigen Standardkost ab. Wer seinen 50. Ego-Shooter durchgespielt hat und auch Rennspiele und Strategiespiele nichtmehr sehen kann, der wird verblüfft sein, wie "A Vampyre Story" ab der ersten Minute an den Rechner fesselt.
Witzig geht es dann auch bei den Rätseln zu, so begibt sich Mona gegen Anfang des Spieles in die Folterkammer der Burg, dort angekommen fällt ihr eine kleine Grube ins Blickfeld. Die Schaniere des Grubentors benötigen jedoch dringend eine Schmierung, da die zartbesaitete Mona das Tor sonst nicht hoch bekommt. Nicht nur dass allein durch das Wort Schmierung ein lustiges Gespräch zwischen Mona und Froderick entsteht, nein auch die Lösung des Rätsels sucht seinesgleichen: so schmiert ihr das erste Schanier mit etwas Körperlotion und das zweite mit Hilfe von Nüssen und einer Pressvorrichtung. Die genaue Vorgehensweise wird natürlich nicht verraten, aber eines ist klar, in diesem Spiel müsst ihr häufig um die Ecke denken. Kreative Köpfe sind gefragt.
Nichts Großartiges, aber es funktioniert
Die Steuerung bedarf keiner großartigen Erklärung, ihr steuert Mona mit einfachen Klicks auf den Bildschirm, sie wird dann versuchen, sich an diesen Platz zu begeben, es sei denn, etwas versperrt ihr den Weg. Für ein Point&Click Adventure üblich, gibt es unendlich viele Gegenstände, mit denen es zu interagieren gilt. Dies tut ihr ganz einfach mit einem Klick auf die linke Maustaste und ruft damit ein Minimenü auf. Hier könnt ihr auswählen, ob ihr zu dem Gegenstand fliegen wollt (wie für einen Vampir üblich, kann Mona sich natürlich in eine Fledermaus verwandeln), ob ihr ihn nehmen wollt, ob ihr mit dem Gegenstand sprechen ihn betrachten wollt. Gleiches gilt für Charaktere, die in den diversen Konversationen so einiges Interessantes von sich geben, dass euch auf eurer Reise helfen wird.
Zwei weitere, interessante Features: Ihr könnt Gespräche und Laufpassagen durch Betätigen der Leertaste überspringen und über die Tab-Taste sämtlichte Interaktionsmöglichkeiten auf dem Bildschirm anzeigen lassen, sehr praktisch wenn man mal den Überblick verloren haben sollte.
Ich bin nur eine Fledermaus, kein Opernexperte
Unterlegt wird das Spiel von einem angenehmen Soundtrack, der die düstere Stimmung passend wiedergibt, generell aber einen fröhlich Ton beibehält. Ebenso glänzt "A Vampire Story" mit einer sehr guten Synchronisation, bei der mir als Hörspiel- und Deutsch-Synchro-Fan einige Stimmen sehr bekannt vorgekommen sind. Leider kommt es an einigen Stellen vor, dass auf einmal die englische Synchronstimme spricht, so z.b. in der Bibliothek, nachdem man ein Tagebuch betrachtet hat. Sonst kann man jedoch nicht meckern und sich an der witzigen Atmosphäre, die in "A Vampyre Story" ununterbrochen geboten wird, erfreuen.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
