Mit „Flatout" erzielte Entwickler Interactive Bugbear Ende 2004 einen Überraschungserfolg, kein Wunder, wurde doch das Nischendasein des Actionrennspiel-Genres im PC-Bereich genutzt (Burnout gab es schließlich nur auf Konsolen). Im Sommer 2006 folgte mit „Flatout 2“ der Nachfolger. Aufgrund der erneut hohen Qualität des Rennspieles, verkaufte sich der zweite Teil mit über eine Million Kopien obendrein besser als der Vorgänger, der mit knapp 600.000 verkauften Einheiten zu Buche schlug. Indes wurde im Mai dieses Jahres „Burnout Paradise“ für den PC angekündigt, womit ein potenzieller Konkurrent der „Flatout“-Reihe in den Startlöchern steht. Bevor es soweit ist, bringt Bugbear Interactive dessen ungeachtet mit „Flatout: Ultimate Carnage“ einen optimierten „Flatout 2“-Nachfolger auf den Markt, der über den Status "Flatout 2.5" allerdings nicht hinaus kommt. Welche Neuerungen und Detailverbesserungen „Flatout: Ultimate Carnage“ mit sich bringt, erfahrt ihr im Folgenden.
Unangetastete Rennklassen
„Flatout: Ultimate Carnage“ stellt sich eher als eine optimierte Version von "Flatout 2", denn als ein komplett neuer Teil heraus. Neue Rennwagen, neue Strecken und neue Mini-Spiele sucht man vergeblich. Wie im Vorgänger stehen die gleichen drei Rennklassen zur Auswahl. Die erste spielt sich noch verhältnismäßig lahm ab, sind die Fahrzeuge doch weniger protzig als in den darauffolgenden Klassen, die euch immer schnellere und exotischere Autos bescheren. Anfänglich dürft ihr euch auf Schotterpisten in Waldgebieten wagen, später rast ihr durch Wohnsiedlungen samt Abwasserkanälen sowie Wüstengegenden und zum Abschluss geht es auf waschechte Rennstrecken mit PS-starken Nobelkisten. Die Vehikel unterscheiden sich in jeder Rennklasse dabei individuell voneinander. Mit robusten Geländewagen pflügt ihr Kontrahenten einfach so aus dem Weg, seid aber weniger schnell unterwegs als beispielsweise mit Musclecars, die hingegen wieder anfälliger auf Rempeleien reagieren. Demnach entscheidet jeder für sich selbst, welches Fahrzeug ihm diesbezüglich und in Sachen Fahrverhalten eher zuspricht.
Alt bekannte Renmodi
Die aus "Flatout 2" bekannten Spielmodi findet man auch in "Ultimate Carnage" wieder. Als reinrassiger Karrieremodus dient der Flatout-Modus, in dem ihr Rennturniere gegen nunmehr 12 Konkurrenten (dazu später mehr) bestreitet oder nach erfolgreichem Abschließen eines Turniers an spaßigen Crash-Derbys oder kniffligen Zeitrennen teilnehmt. Fernab vom Rennalltag besteht die Möglichkeit, sich am Carnage-Modus zu probieren. In dem könnt ihr euch in insgesamt 36 launigen Wettbewerben wie Stunts (unter anderem Dummy-Bowling, Dummy-Hochsprung, Dummy-Weitsprung), Time Trials (Rennen gegen die Zeit mit einer Bombe im Gepäck), Zerstörungsrennen oder Deathmatch-Derbys beweisen. Zudem enthält das Spiel einen Partymodus, in dem ihr gegen Freunde im Stuntmodus antreten dürft.
Detailverbesserungen und alte Tugenden
Die fundamentalste Neuerung des Rennspiels fällt auf, sobald ihr das erste Rennen bestreitet. Denn in "Flatout: Ultimate Carnage" nehmen nicht mehr 8, sondern insgesamt 12 Mitstreiter teil. Die Folge: weitaus mehr Blechschäden als man es aus "Flatout 2" gewohnt war. Gleichzeitig gestaltet sich das Rennerlebnis jedoch ebenso kniffliger, da mehr Konkurrenten auch mehr Arbeit bedeuten. Neben dieser Neuheit, verfeinerte Bugbear das Streckendesign. Zwar wurden die bekannten Kurse nicht grundlegend verändert, aber mit deutlich mehr zerstörbaren Objekten, neuen Schleichwegen und einer dichteren Vegetation ausstaffiert. Wie gewohnt geht es direkt nach Spielbeginn ordentlich zur Sache. Bereits nach wenigen hundert Metern fliegen einem Absperrungen, Pfeiler oder andere Gegenstände um die Ohren. Gewiefte Fahrer missbrauchen die Umgebung, um nachfolgende Autos aufzuhalten und legen den Gegnern so sprichwörtlich Steine in den Weg.
Auf bestimmten Strecken findet ihr nun zudem Wasserlachen vor, durch die die Gestaltung der Level noch authentischer ausfällt. Die Erweiterung der Teilnehmer kombiniert mit dem überarbeiteten Leveldesign ergibt ein noch packenderes Rennvergnügen, welches die Vorgänger locker in den Schatten stellt. Dank des physikalisch korrekten Schadensmodells zerbersten Fensterscheiben im Sekundentakt, die Karosserie verformt sich bei heftigen Unfällen dynamisch und nicht niet- und nagelfeste Streckenteile geben bei Berühigung realistisch nach. Um ein Rennen für euch zu entscheiden, müsst ihr Gebrauch von Nitro machen, das ihr euch durch waghalsige Stunts und Rammattacken verdient.
Das Fahrverhalten blieb von den Entwicklern unangetastet und ist somit immer noch erstklassig. Während schnelle Sportflitzer umgehend auf Lenkbewegungen reagieren, benötigen sperrige Trucks einen kräftigeren Anschlag. Im Vergleich zur "Burnout-Reihe" geht "Flatout: Ultimate Carnage" nicht so leicht von der Hand und spielt sich deutlich anspruchsvoller. In Kurven ist ein gezielter Gebrauch der Handbremse vonnöten, andernfalls liegt ihr alsbald im nächsten Graben. Die Kontrahenten agieren weitaus aggressiver als noch im zweiten Teil, verursachen meist nachvollziehbare Fahrfehler und setzen auf Geraden taktisch klug Lachgas ein. Auffallend häufig verkeilt man sich allerdings mit gegnerischen Fahrzeugen - bedingt nervig.
Auf Dauer wiederholen sich die 39 verschiedenen Strecken häufig, weshalb das Rennspiel zum Ende hin etwas an Fahrt(wind) verliert. Da die Rennen jedoch jedes Mal anders verlaufen, lässt sich darüber hinwegsehen. Die Spieler, die bereits alle Strecken des Vorgängers auswendig kennen, werden hingegen etwas gelangweilt.
Bei Stunt-Events ganz amüsant, während der Rennen auf die Atmosphäre drückend: die Dummys. Wieder einmal mussten echte Menschen den Testpuppen weichen. Soweit kein Problem, nur enthalten die ausländischen Versionen menschliche Konterfeis mit Namen, unterschiedlichen Outfits und Charakterbeschreibung. Blöd nur, dass die deutsche Version gleich aussehende Dummys auftischt, in den Menüs aber die eigentlichen Rennfahrer veranschaulicht, die ja eigentlich gar nicht existieren.
"Pimp my Rostlaube!"
Erreicht ihr im Flatout-Modus einen der ersten drei Plätze, winkt ein Preisgeld, welches je nach Platzierung und Turnier unterschiedlich hoch ausfällt. Dieses lässt sich im Tuningshop gegen allerlei neue Teile eintauschen, die euer Gefährt in den Bereichen Beschleunigung, Maximalgeschwindigkeit, Stärke, Fahrverhalten oder in anderen Kategorien verbessern. Die durchgeführten Veränderung wirken sich auf das Fahrverhalten merklich aus, wodurch die leistungsschwache Klapperkiste, das nötige Kleingeld vorausgesetzt, mit anderen Boliden fortan locker mithalten kann. Wer sein Auto gänzlich vernachlässigt, bekommt spätestens nach den ersten Turnieren Probleme, da die Konkurrenz von Mal zu Mal besser und einem davon fahren wird. Ergo sollten vereinzelte Boxenstopps nicht ausbleiben.
Grafisch auf einer neuen Stufe
Bereits der Vorgänger präsentierte sich mit einer makellosen Optik, allerdings wurde diesmal wirklich alles aus der Grafikengine herausgeholt. Verfeinerte Partikeleffekte, bessere Beleuchtung, schärfere Texturen und deutlich hübschere Wasser- und Objektspiegelung sorgen dafür, dass "Flatout: Ultimate Carnage" bis auf ein paar eckige Streckenobjekte wie aus einem Guss erscheint. Lobenswert ist außerdem, dass Bugs (zum Beispiel in der Luft hängen gebliebene Kisten) eine Seltenheit darstellen, das Spiel wirkt wahrlich sehr rund und fertig. Verbesserte Optik, bedeutet auch meistens gestiegene Hardwareanforderungen, was in diesem Falle zutrifft. Demnach sollte für den optimalen Spielgenuss ein Dual Core-Prozessor, eine Grafikkarte vom Schlage einer GeForce 8800 GT/GTS und mindestens 1 Gigabyte Arbeitsspeicher gegeben sein. Aber keine Angst: mit reduzierten Details sieht "Flatout: Ultimate Carnage" immer noch schick aus. Auf unserem Testsystem (Q6600 @ 3,2 Ghz, GF 8800 GTS, 4 GB RAM) lief das Rennspiel auf der höchsten Detailstufe konstant flüssig.
"Let´s rock!"
Neben der generalüberholten Grafik wartet "Flatout: Ultimate Carnage" erneut mit einem brillanten Soundtrack auf, der ausschließlich fetzige Rockstücke enthält. Bestand der Flatout 2-Soundtrack noch aus Titeln von sehr bekannten Künstlern wie Rob Zombie oder Audioslave, dürften diesmal lediglich echte Rockfans die Interpreten wiedererkennen. Nichtsdestotrotz begleiten die Musikstücke die Rennen wunderbar passend im Hintergrund und lassen sich auf Wunsch sogar jederzeit (auch während der Rennen) weiter schalten. Übrigens: die komplette Songauswahl findet ihr als OGG-Dateien im Flatout-Verzeichnis. Mit einem geeigneten Programm könnt ihr den gesamten Soundtrack also auch auf euren MP3-Player überspielen und unterwegs hören. Im Übrigen überzeugen auch die sonstigen Soundeffekte auf ganzer Linie.
Komfort-Einstellungen
Steuerungstechnisch erlaubt sich "Flatout: Ultimate Carnage" keine Schnitzer und unterstützt alle möglichen Joysticks, die ganz problemlos im Optionsmenü konfiguriert werden. Nutzer eines XBox 360-Gamepads freuen sich über eine bereits verfügbare Voreinstellung. Egal mit welchem Gamepad ihr in die Rennen einsteigt, das Fahrgefühl und die Steuerung sind gleichermaßen mustergültig.
Windows Live-Einbindung statt GameSpy
Die sicherlich größte Enttäuschung vorweg: der neue Flatout-Teil verzichtet unverständlicherweise auf einen LAN-Modus. Dafür integrierte man den Games for Windows Live-Dienst, der es euch ermöglicht, mit Spielern aus aller Welt im Internet gegeneinander anzutreten. Bevor ihr die lagfreien Multiplayer-Rennen starten könnt, müsst ihr euch erst einmal bei dem Service anmelden, was mehr oder weniger schnell vonstatten geht. Nach der Freischaltung via E-Mail könnt ihr euch im Hauptmenü des Rennspiels im eingebetteten Windows-Programm einloggen und sogleich loslegen. Neben Onlinepartien umfasst die "Games for Windows Live"-Unterstützung zahlreiche Achievements, die ihr im Laufe des Spiels freischalten und online mit anderen Spielern vergleichen könnt. Ein wirklich motivierendes Feature!
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:


