Geht es um Flugsimulationen, denkt der Spielefan natürlich gleich an Microsofts traditionsreiche "Flight Simulator"-Reihe. Doch es gibt auch ernstzunehmende Konkurrenten, etwa die ultrarealistische "X-Plane"-Serie, die in den Jahren ebenfalls viele Anhänger gefunden hat. Während der Redmonder Softwareriese mit dem neuen "Flight Simulator X" mehr auf die Einsteiger zugeht, richtet sich auch “X-Plane 9” weiterhin ausschließlich an Profis. Ob wir mehr hinbekommen haben, als unschöne Bruchlandungen, lest ihr in unserem Test.
Realismusbrett für Profis
Ich gebe es zu: Ich bin als Autor dieses Artikels bereits vorbelastet. Ich gebe mich bereits seit nunmehr drei “X-Plane”-Versionen der Faszination des Fliegens hin, habe aber natürlich auch Microsofts Pendants und deutlich weniger realistische Titel wie “Ace Combat” oder “Blazing Angels” in meinen Regalen stehen. Ich bin damit also bereits eingearbeitet, und dürfte nicht, wie ein Großteil der Neueinsteiger, an der schieren Komplexität des Titels verzweifeln. Alleine die Steuerung, die sich – vom Autopiloten einmal abgesehen – nicht vereinfachen lässt, schreckt jedes lernunwillige Greenhorn ab. Jedes Hebelchen des virtuellen Cockpits lässt sich umlegen, jede Kleinigkeit – etwa das Wetter und die Luftverhältnisse – werden vom Spiel berücksichtigt. Das geht soweit, dass das zugrundeliegende System sogar sämtliche Kräfte berechnet, die auf die verschiedenen Komponenten des Flugzeuges einwirken. Es bedarf also schon einer gewissen Kenntnis, um den Vogel überhaupt in die Luft zu bringen – Tutorials gibt es nicht, ebensowenig wie ein umfangreiches Handbuch in Druckform.
Belohnt werden Hobbypiloten dafür mit einem Produkt, das dem realen Fliegen näher kommt, als jeder im Handel erhältliche Titel zuvor. Da verwundert es auch nicht, dass das Programm sogar in der professionellen Pilotenausbildung Verwendung findet. Es ist die schiere Masse an Möglichkeiten, die fasziniert: Das Spiel scheffelt auf Wunsch die komplett mitgelieferte Global Scenery – nahzu sämtliche Flecken unseres Planeten – auf die Festplatte. Wer mal eben keine 70 GB Platz hat, kann die Abschnitten aber auch von den sechs mitgelieferten DVDs laden lassen. Mehr als 18.000 Flughäfen und 30 Gefährte stehen zu Verfügung – darunter bekannte Modelle wie etwa die Piaggio P180 Avanti II und die Cessna 172, aber auch abgedrehte Fantasieflugzeuge, Hubschrauber und das Nasa Space Shuttle. Wer möchte, kann mit letzterem in der Atmosphäre ein paar Runden drehen. Oder auf dem Mars, denn auch der karge Wüstenplanet lässt sich befliegen. Wahnsinn! Neu sind kleinere Szenarien, die an die Aufgaben des “Flight Simulator” erinnern, deren Klasse aber leider nicht erreichen: So müsst ihr etwa mit einem Hubschrauber auf einer Bohrinsel landen, oder mit einer Propellermaschine Waldbrände löschen. Ganz nett.
Ein optisches Feuerwerk sollte man von “X-Plane 9”, schon wegen der Masse an Landschaftsdaten, aber nicht erwarten. Die Flugzeuge sind hübsch modelliert, die Cockpits zweckmässig – gerade in Bodennähe lässt der Wiedererkennungswert einzelner Städte und Gebiete aber zu wünschen übrig. Anders sieht es in ein paar tausend Metern Höhe aus – hier lassen sich Landstriche, Flußläufe und Gebiete meist sehr gut wiedererkennen. Wer es auf dem Boden etwas realistischer mag, sollte zu den kostenpflichtigen Erweiterungen – etwa den Deutschland-Szenerien – greifen. Hier lassen sich dann auch markante Merkmale von Städten wie etwa München, Berlin oder Hamburg erkennen.
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