Die Blütezeit des Manager-Genres ist vorbei. Was waren es noch für
Zeiten, in denen wir uns durch Excel-artige Softwareflicken á la "Antoss" klickten, und dabei auch noch Spaß hatten. Manager-Simulationen gibt es, in ausgedünnter Anzahl, freilich auch heute noch – als populärster Vertreter ist hier wohl der "Fußball Manager" aus der Feder des Teams rund um Gerald Köhler zu nennen. Formel 1-Fans wurden hingegen Jahr für Jahr vertröstet. Bis jetzt, schließlich schickt sich RTL Games an, mit dem "RTL Racing Team Manager" genau diese Lücke zu schließen. Mit Erfolg?
Danner Wetter
In "RTL Racing Team Manager" schlüpft Ihr in den Anzug eines Formel 1-Rennstall-Managers und versucht, mit eurem Team – unter Beachtung der Finanzen – möglichst erfolgreich zu sein. Da das Spiel auf jegliche Lizenzen verzichtet, erstellt Ihr euch zu Beginn am besten einen eigenen Rennstall samt Fahrern, denen Ihr auf Wunsch natürlich auch bekannte Namen zuweisen könnt. Wirkliches Formel 1-Feeling mag, schon wegen der entsprechenden Logos, aber nicht aufkommen. Es fehlt einfach die Möglichkeit, eigene bzw. bekannte Grafiken in das Spiel zu importieren. So könnt Ihr eure Mannschaft zwar "Team Ferrari" nennen, allerdings werden weder Wagen und Crew exakt nach dem italienischen Edelkarossenbauer aussehen.
Als Promo-Onkel konnte RTL den, Achtung,
RTL-Rennsport-Experten Christian Danner, den eifrige F1-Zuschauer aus den entsprechenden Übertragungen kennen, gewinnen. Danner leitet mit einem entsprechenden Intro-Video in das Spiel ein, in dem er euch die Grundfunktionen des Programms erklärt. Das ist nett gemacht, allerdings nervt die Tatsache, dass euch bei jedem neuen Spielstart nicht nur die Sprachauswahl, sondern auch genau dieses Video immer wieder entgegen flimmert. Danner steht euch während des Spiels zudem als Experte zur Seite und erklärt euch auf Wunsch beispielsweise die Kompenenten eures Rennflitzers. Eigentlich eine nette Idee, allerdings wurden die Audiofiles von Danner dermaßen lieblos eingesprochen, dass man auf dieses Feature schnell verzichten wird.
Fast wie früher
Die Tiefe des Spiels wirkt übersichtlich. Als Manager kümmert Ihr euch genretypisch um das Marketing, könnt euer Firmengelände ( genügend Geld vorausgesetzt) mit ein paar Gebäuden erweitern und eure Rennflitzer streckentauglich machen. Hierzu kauft Ihr zu Beginn diverse Teile ein, und rüstet eure Flitzer mit jenen aus. Später habt Ihr zusätzlich die Möglichkeit, selbst in die Forschung zu investieren und sogar eigene Produkte zu produzieren. Hierfür ist aber natürlich ein entsprechender Stab von Designern nötig, der bezahlt werden muss. Nebst den produktions- und werbetechnischen Aspekten kümmert Ihr euch außerdem um eure Schützlinge: Trainingseinheiten wollen verordnet und Fähigkeiten verbessert werden. Hört sich unterhaltsam an, und ist es für Einsteiger auch. Formel 1- und Manager-Kenner werden aber schnell an die Grenzen des Programms stossen. Gerade an ausgeklügelten, nachvollziehbaren Setup-Einstellungen – vor allem an den Rennwochenenden – fehlt es.
Übrigens: Wer zwei PC's zuhause stehen hat, kann sich via Lan auch mit einem Kumpel um die Manager-Krone duellieren.
Nichts für Grafikfetischisten
Die Menüs des Programms sind logisch aufgebaut und recht hübsch präsentiert – der Technik merkt man Ihr Alter trotzdem merklich an. Gerade bei den Rennen wurde auf hässliche, vorgerenderter 3D-Optik zurückgegriffen. Da wären uns Texttafeln lieber gewesen. Die Akustik läuft auf Sparflamme, die wenigen Soundeffekte, die euch entgegenschallen, werden meist vom nervigen Loop-Hintergrundgedudel übertönt. Mäßig.
Anmerkung d. Red.: RTL Games hat für die Woche nach Ostern einen umfangreichen Patch angekündigt, der viele der im Test genannten Mängel beseitigen soll. Die Wertung bezieht sich auf die Testversion des Spiels. Sobald das Update verfügbar ist, werden wir den Titel nochmals unter die Lupe nehmen