Endlich ist es soweit: Das lang erwartete Unreal Tournament 3 steht in den Läden und kämpft um den Multiplayer-Thron. Kann sich der neue Teil der beliebten Reihe gegen Call of Duty 4 und Crysis behaupten? Wir sagen es euch in unserem großen Test.
Neue Inhalte?
Lang, lang hat es gedauert, bis Unreal Tournament 2004 nun endlich einen Nachfolger spendiert bekommen hat. Zuerst unter dem Namen UT 2007 bekannt, entschloss man sich noch in diesem Jahr die >2007< „über Bord fallen zu lassen“ und stattdessen eine 3 anzuhängen.
Die Frage, die sich uns nun stellt, ist folgende: Was bietet der aktuelle Teil im Vergleich zum Vorgänger an neuen Inhalten? Nun, die größte Neuerung dürfte wohl das Hover-Board sein. Dieses wirkt wie aus dem Film „Zurück in die Zukunft 2“ entnommen und gibt dem Spieler die Möglichkeit, sich auch ohne Fahrzeuge schnell über die teilweise großen Karten zu bewegen. Das Gefährt steht allerdings nicht in allen Spielmodi zu Verfügung. Auf kleinen Deathmatch-Karten muss man auf dieses Fortbewegungsmittel verzichten, was aber auch durchaus Sinn macht.
Das Hover-Board wirkt sich also positiv auf den Spielfluss aus. Noch dazu bietet es einen tollen Kniff: Hole ich das Gerät hervor und nutze den Geschwindigkeits-Bonus, verzichte dafür aber auf jegliche Art der Verteidigung und mache ich sehr verwundbar, oder laufe ich einfach über die Maps, bin langsamer, kann aber jederzeit mich mit meinen Waffen gegen feindliche Spieler wehren? Dadurch ist das Hover-Board nicht nur eine nette Neuerung, die nicht so sehr ins Gewicht fällt. Es ist fast das beste, was sich Entwickler Epic als neues Spielelement hätte einfallen lassen können.
Dafür gibt es bei den Spielmodi nichts Neues. Mit Deathmatch, Team-Deathmatch und Capture the Flag, mit und ohne Fahrzeuge, sind die altbekannten und eigentlich schon traditionellen Modi mit dabei. Der komplexeste Modus heißt Warfare und wurde als große Neuerung angekündigt. Letztlich handelt es sich hierbei nur um eine leicht verbesserte Version des aus UT 2004 bekannten Onslaught-Modus. Ziel ist es, den Power-Kern des gegnerischen Teams zu zerstören. Dazu müssen vorher jedoch Powerknoten, die über die Map verteilt sind, eingenommen werden um dann letztendlich den gegnerischen Kern angreifen zu können. Wie auch bei Vehicle Capture the Flag stehen euch dabei allerlei Fahrzeuge zur Verfügung. Dabei haben beide Seiten unterschiedliche Gefährte. Während die einen mit Jeep und Panzer kämpfen, sprich den bekannten Vehikeln aus UT 04, haben die anderen einen riesigen Walker, der schon aus so mancher Messe-Präsentation und der spielbaren Demo-Version bekannt ist. Insgesamt bietet das Spiel 15 Fahrzeuge, eine ganze Reihe davon sind komplett neu, wie eben der große Walker. Der einzig „neue“ Spielmodus ist Duell, im Grunde handelt es sich dabei um ein Deathmatch 1-gegen-1 auf kleinen Karten ist. Spielerisch bietet sich euch hier also auch nichts neues.
Dafür kommt UT 3 immerhin auf sechs Spielmodi, was doch eine ganze Menge ist. Gerade im Vergleich mit einem Battlefield oder anderen Multiplayer-Shootern. Nimmt man jedoch Unreal Tournament 2004 als Vergleich, macht sich schnell Ernüchterung breit. Denn Epic hat so einige Modi wie Double Domination, Assault, Mutant oder Bombing Run nicht wieder mit eingebaut. Die beliebtesten Spielarten sind zwar im neuen Teil drin, aber man hätte dennoch alle Spielmodi aus dem Vorgänger übernehmen können. Dafür bietet das neue UT eine sehr große Anzahl an Maps für jeden Spielmodus. Insgesamt dürft ihr euch auf über 40 Karten gegenseitig abschießen. Das ist auf jeden Fall eine Hausnummer, die sich sehen lassen kann. Noch dazu sind die Maps grafisch sehr unterschiedlich. Eine der vielen Deathmatch-Karten besteht zum Beispiel aus drei Ebenen: Einer Schnee-Ebene, einer etwas grüneren Region und einem sehr metallischen Teil. Alle diese Ebenen sind durch Teleporter miteinander verbunden. Man könnte fast meinen, hier drei Maps in einer zu spielen. Das ist großartig!
Bei den Waffen bleibt eigentlich alles beim Alten. Einzig und allein die Lightning-Gun wurde aus dem Spiel entfernt. Das macht aber auch nichts, da diese Waffe in UT 2004 viel zu stark war und wer gut zielen konnte, machte damit einen Frag nach dem anderen. Sonst sind alle bekannten Geräte wieder mit dabei: Link Gun, Flak Cannon und natürlich der Rocket Launcher. Fans der Serie werden sich sofort heimisch fühlen.
Da fehlt ja noch eine Neuerung! Die Kampagne!
In UT 2004 war der Singleplayer-Teil eher ernüchternd. Dies sollte sich mit UT 3 ändern. Laut Mark Rein sollte das Spiel nicht nur einen großen Multiplayer-Teil haben, sondern auch ein vollwertiger Singleplayer-Shooter sein. Startet man die neue Story-Kampagne zum ersten mal, könnte man auch meinen, es wäre so: Dem Spieler wird eine richtig tolle und actionreiche Intro-Sequenz geboten. Danach jedoch war es das mit der Euphorie. Die Story: böse Außerirdische starten ein Invasion und es gilt, dies zu verhindern – ist nicht nur ungemein flach, sondern wirkt auch noch enorm aufgesetzt. Denn die Missionen bestehen lediglich aus den Maps und Modi des Multuplayers. Und wenn es in der Geschichte um einen Krieg geht, im Spiel dann aber nur Flaggen geklaut und dafür Punkte kassiert werden, dann passt das nicht wirklich zusammen. Unreal Tournament hatte bisher, wie der Name schon sagt, immer ein „Sport“-Turnier als Hintergrund. Und das merkt man auch immer noch. Ein Kriegsszenario ist hier nicht wirklich an der richtigen Stelle. Und wenn, dann hätte man auch schon richtige Story-Missionen mit Skript-Ereignissen kreieren müssen, wie in Call of Duty und Co. Und genau das hatten wir eigentlich auch erwartet.
Immerhin: Unreal Tournament 3 bietet im Einzelspieler deutlich mehr als andere, reinrassige Online-Shooter, bestes Beispiel Battlefield. Aber von einer wirklich guten Story-Kampagne ist es noch meilenweit entfernt. Man könnte es eher als ein hübsch aufgemachtes, langes Tutorial bezeichnen. Dafür sind die Bots sowohl in der Kampagne, als auch in den Sofort-Matches recht intelligent. Sogar mancher Solo-Shooter kann sich hiervon eine Scheibe abschneiden.
Optisch eine Genuss!
Spielerisch und in Sachen Spielmodi hat sich also nicht allzu viel getan. Bei der Grafik sieht das ganz anders aus. Unreal Tournament 3 ist der optisch derzeit beeindruckendste Titel nach Crysis. Die Spielermodelle sind unglaublich detailliert, genau so wie die Waffen, Fahrzeuge und Maps. Noch dazu bietet das Spiel tolle Shader-Effekte und scharfe Texturen. Und das bei einer unglaublich guten Performance. Auf unserm Testrechner, einem Core 2 Duo E6400 mit 2.1 GHZ, 2 GB Ram und einer Geforce 7900 GT lief das Spiel in den höchsten Einstellung wunderbar flüssig. Vielleicht sollte Crytek, Entwickler von Crysis, hier ein wenig spicken.
Dafür schneidet UT 3 in Sachen Sprachausgabe eher schlecht ab. Die Sprecher in der Kampagne sind zwar teilweise bekannte Stimmen, Charme oder Atmosphäre versprühen diese aber kaum. Und der Kommentar im Multiplayer ist mehr als nervig. Im englischen Original klingt das ganze um einiges besser. Dafür passt die Musik zum Spielgeschehen und die Waffen-Sounds gehen auch vollkommen in Ordnung.
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