Erkundigt man sich in Print-Medien nach dem besten Ego-Shooter der letzten Jahre, so lautet die einhellige Meinung „Half-Life 2“. Nur wenigen gefiel dieses Spiel nicht, schließlich hatte es alles, was ein Ego-Shooter braucht: Action, ein paar Rätsel und eine Grafik, die Standards setzte. „Half-Life 2“ erschien 2004. Das ist mittlerweile drei Jahre her. Add-Ons halten das Spiel seither am Leben. Erst “Episode 1” und jetzt “Episode 2”. Ob das hohe Niveau gehalten werden kann, erfahrt Ihr hier im Test. Außerdem beleuchten wir die Spiele “Portal” und “Team Fortress 2”, die neben “Episode 2” in der sogenannten “Orange Box” enthalten sind.
Lesefaule Zocker hingegen greifen zu unseren
kommentierten Test-Videos der einzelnen Bestandteile der "Orange Box". Für HL²-Neulige empfiehlt sich das
»Video-Review des Hauptspiels. Wer das erste Addon verpasst hat, sollte sich das
»Test-Video von Episode 1 zu Gemüte führen. Brandneu ist unser
»kommentiertes Video zu Episode 2 und Portal. Darin bekommt ihr einen guten Überblick über die aktuelle Lage in City 17 und könnt euch mit der grundlegenden Mechanik von "Portal" vertraut machen.Im
»Test-Video von Team Fortress 2 werfen wir einen Blick in die bewegte Vergangenheit des Mehrspieler-Shooters und zeigen euch, ob das Ergebnis zufriedenstellen kann.
Die orangene Büchse der Pandora
Einer der wenigen Kritikpunkte an „Half-Life 2“ war damals der Vertrieb über die Plattform „Steam“. Kunden, die sich den Titel im Laden kauften, erhielten nur das Spiel und einen billigen Einlegzettel. Vorgesehen war ganz klar, dass man sich das Spiel über Valves konzerneigene Vertriebsplattform lädt. Deswegen war eine Internetverbindung nötig, um das Spiel freizuschalten, selbst wenn man es im Laden erwarb. Das sorgte für viel Aufruhe unter den Fans, gerade unter denen, die keinen andauernden Zugriff auf das Internet hatten. An Valves umstrittener Vertriebsmethode hat sich nicht viel geändert. Die sogenannte „Orange Box“, das Spielepaket in dem auch der Nachfolger “Episode 2” enthalten ist, kostet 50€ und muss ebenfalls per Internet aktiviert werden. Dafür bekommt man die drei neuen Spiele „Episode 2“, „Portal“ und „Team Fortress 2“. Leider sind aber auch „Half-Life 2“ und „Episode 1“ enthalten, und das führte zu Ärger bei den Spielern, die das Grundspiel schon besaßen. Zusätzlich ist es unrentabel, die Spiele einzeln zu kaufen, da man einzeln 20-30€ für jedes Einzelteil bezahlen müsste. Nichtsdestotrotz ist die Orange Box gut. Verdammt gut sogar. Da es sich um drei verschiedene Spiele handelt, sind auch drei unterschiedliche Betrachtungen von Nöten.
Portal
Anfangen möchte ich dabei mit meinem Lieblingsspiel aus der “Orange Box” und einem absoluten Top-Titel der letzten Jahre: „Portal“. Das Setting ist einfach erklärt: Ihr seid in einem Forschungskomplex eingeschlossen und müsst raus. Eure einzige „Waffe“: Die sogennante ASHPD, „Aperture Science Handeld Portal Gun“. Diese öffnet auf ebener Fläche entweder ein orangenes oder ein blaues Portal, durch das Ihr hindurchtreten könnt. Damit lassen sich allerlei Physikspielereien veranstalten und Rätsel lösen. Doch auch “Portal” bleibt nicht ohne Antagonisten. Die etwas verquere KI GLaDOS, die anscheinend für das Labor verantwortlich ist, instruiert euch durch die Versuchsanordnungen und sorgt später noch für andere Unannehmlichkeiten. Am Ende des Tests wartet ein leckerer Kuchen auf euch. Aber bis Ihr den erreicht, braucht es ein bisschen. Ich habe nach ungefähr einer Stunde den Abspann gesehen. Wie, nach nur einer Stunde Spielzeit?! Ja, leider. Das ist der einzige Makel an Portal. Es ist zu leicht und zu schnell durchgespielt. Zum Glück integrierten die Entwickler eine Funktion, die die einfache Einbindung von selbstgemachten Rätseln erleichtert. Das Beschriebene mag jetzt trivial klingen, aber es steckt wesentlich mehr in „Portal“, als man erwarten würde.
Einzelwertung:
Ausgezeichnet
Episode 2
“Episode 2” setzt die Story um Gordon Freeman und Alyx Vance fort, die sich in “Episode 1” ihren Weg aus City 17 gekämpft hatten. Das Spiel macht nahtlos da weiter, wo “Episode 1” aufhörte: In einem Zug. Nur ist dieser mittlerweile durch die Explosion von Dr. Breens Zitadelle verunglückt. Das hält die Helden allerdings nicht davon ab, sich gleich wieder in die Action zu stürzen. Die Zerstörung der Zitadelle nutzten die Gegner, die sogennanten Combine gleich, um ein Portal zu öffnen, das mehr von ihrer Art auf die Erde bringen soll. Da das für das Fortbestehen der Menschheit natürlich eher nachteilig wäre, machen sich Gordon und Alyx daran, das Portal zu schließen. Allerdings nicht, ohne auf erbitterten Widerstand der Combine zu stoßen.
Der große Vorteil, den “Episode 2” gegenüber “Half-Life 2” hat, ist die Art und Weise, wie es seine Story erzählt. In “Half-Life 2” wurde praktisch nichts über die Hintergrundgeschichte verraten. Man stand vor einem riesigen Fragezeichen. Hier hilft “Episode 2” jetzt mit entsprechenden Sequenzen und ausführlichen Dialogen weiter. Nun, wohl eher mit Monologen, da Gordon Freeman ein stummer Protagonist war, ist und bleibt. Auch die Stärken von “Half-Life 2” wurden exzessiv ausgebaut. Actionreiche Gefechte, interessante Rätsel und komische Charaktere sorgen für gefesselte vier Stunden Spielzeit.
Einzelwertung:
Sehr gut
Team Fortress 2
Zwei Teams, neun klassen, sechs Maps und drei Spielmodi: Das Spielprinzip von "Team Fortress 2" unterscheidet sich kaum von dem des Vorgängers. Beginnen wir mit den Klassen, die in drei Gruppen unterteilt sind: Angriff, Verteidigung und Support. Der Scout ist der schnellste Charakter im Spiel, und kann somit am besten das Terrain erkunden, ohne gleich von Kugeln durchsiebt zu werden. Allerdings teilt er im Kampf selbst äußerst wenig aus und steckt zu allem Übel auch wenige Kugeln ein - nur am Nahkampf mit dem Baseballschläger hat er eine wirkliche Chance. Der Soldier ist mit einem Raketenwerfer ausgerüstet und kann somit äußerst durchschlagende Argumente vorweisen - außerdem katapultiert er sich, wenn er mit der Rakete auf den Boden schießt, in die Lüfte. Der Pyro zeichnet sich durch seinen Flammenwerfer aus, der ihn im Nahkampf nahezu unschlagbar macht. Richtig krachen lässts der Demo-Man, der nicht nur einen Granatwerfer, sondern auch Dynamitstangen und Haftbomben im Petto hat. Der Heavy Weapon Guy lebt von seiner monströsen Wumme, die zwar alle Gegner in Kleinholz verwandelt, ihn dafür aber recht langsam agieren und schnell zur Zielscheibe werden lässt. Hat man jedoch einen Medic als Unterstützung, ist dieses "Dream-Team" kaum zu schlagen. Wo wir auch schon beim Doktor wären: Der schickt seine Gegner nicht nur mit einer Girfspritze in die ewigen Jagdgründe, sondern kann auch Kamerade heilen. Die Klasse des Snipers benötigt kaum eine Erklärung, genauso wie die des Enginers, der Geschütze, Portaltore und Munitionspender basteln kann. Richtig gefallen hat uns der Spion - der ist zwar relativ schlecht bewaffnet, kann sich dafür jedoch für einige Sekunden unsichtbar machen, oder sich in einen gegnerischen Spieler verwandeln, wobei er nur dessen Aussehen, und nicht dessen Bewaffnung inne hat.
Anfangs mit Skepsis betrachtet, stellt sich der quietschbunte Comiclook sowie der ulkige Humor des Spiels als wahrer Segen heraus. Die innovative Optik, gepaart mit dem tollen Balancing, den Teamaspekten und dem geschickten Leveldesign, macht "Team Fortress 2" zu einem der aktuell gelungensten Teamshooter im Mehrspielerbereich. Auch der, der sich nur für den Multiplayershooter interessiert, kann zur preislich sehr moderaten Orange Box greifen. Alternativ lässt sich das Spiel via Steam auch einzeln kaufen. Zwar fehlt es "Team Fortress 2" aktuell noch ein wenig an Umfang, dies dürfte sich in Zukunft seitens Content von Valve, aber auch dank der großen Community schnell ändern.
Einzelwertung:
Ausgezeichnet
1+1+1 = x?
An der Technik wurde nochmals kräftig geschraubt. Der massive Einsatz von HDR und die Erweiterung der Physikengine mit Effekten für einstürzende Gebäude tun ihr übriges, um die ohnehin schon gute Grafik von “Half-Life 2” noch zu verbessern.
Der Sound ist auch ohne Makel, wobei ich mir eine bessere Verwendung des Soundtracks gewünscht hätte. Der ist nämlich sehr dezent und kommt nur in wirklich wichtigen Momenten zum Einsatz.
Das Spiel, das grafisch eigentlich am interessantesten ist, ist Team Fortress 2. Die Entwickler wollten den comichaften Charakter von Team Fortress-Matches unterstreichen und entschieden sich, bunte Comicgrafik und übertriebene Charaktere zu benutzen. Durch die bunten Texturen fällt auch nicht auf, dass diese nicht so detailliert sind. Das spart Rechenkraft in Online-Matches.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

