"Come and live a love supreme" singt Schnulzenonkel Robbie Williams in einem seiner zahlreichen Megahits. Mit THQ's "Supreme Commander" hätte der Godfather of Mainstream allerdings so seine Probleme: Spieltiefe weitab des Durchschnitts, trockene Präsentation, keine Massenmarkttauglichkeit inklusive minimalistischer Story. Obwohl, erzählerisch strotzen Robbies Liedchen auch nicht unbedingt mit Einfallsreichtum. Unser Test.
In einer wohl doch eher allzu fernen Zukunft
Hardcorestrategen und Fans des Entwicklergurus Chris Taylor mögen mir die etwas negative Einleitung verzeihen. Schlecht oder mittelmäßig ist "Supreme Commander" nämlich mitnichten - schließlich war bereits zu Beginn der Entwicklung klar, dass sich Taylors neustes Machwerk hauptsächlich an Genreprofis richtet. Überraschung: Trotz der unglaublichen Tiefe könnten auch Einsteiger mit dem Spiel glücklich werden. Doch ob nun Profi oder Greenhorn: Um das 60 seitige Handbuch, die ausführlichen Tutorialvideos und das typische "hineinfuchsen" kommt wohl niemand herum. Hat man allerdings erstmal den Kniff heraus, fesselt "Supreme Commander" dank seiner unglaublichen spielerischen Freiheit für Wochen.
Um was geht's eigentlich? Im Jahre 3884 herrscht, wie hätte man es anders erwarten können, mal wieder Krieg. Die Menschen sind längst in die unendlichen Weiten der Galaxie vorgedrungen, haben neue Welten und fremdes Leben entdeckt. Wirklich interessieren tut das im neuen Jahrtausend allerdings niemanden mehr, schließlich gibt's auf dem blauen Planeten genug Ärger, und wir reden hier nicht etwa von Klimakatastrophen oder contra - westlichen Terroristen. Vielmehr ist Forschern die Kombination von Mensch und Maschine gelungen - mit der Folge, dass die somit neu entstandene Rasse, die Cybrans, irgendwann mal ihre Unabhängigkeit forderten, ganz zur Missgunst der rein menschlichen Erdbewohner. Wohl nicht "Terminator 3" oder "Matrix" gesehen, liebe Forscher! Die Cybrans stellen somit die erste der drei Fraktionen in "SupCom" dar. Nach eins kommt bekanntlich zwei: die "United Earth Federation" (kurz UEF) kämpft im Namen der Erde, die Aeon (von einer ausgestorbenen außerirdischen Rasse erleuchtete Menschen und somit Fraktion Nummer drei) wollen eigentlich nur Frieden, machen aber keine Anstalten, diesen mit Waffengewalt durchzusetzen.
Kenner des Quasi - Vorgängers "Total Annihilation" ahnen es bereits: Zwar unterscheiden sich die drei Fraktionen in Sachen Design etwas voneinander, im Großen und Ganzen spielen sie sich aber etwa gleich. Nicht schlimm, schließlich bietet eine Fraktion für sich bereits so viele Einheiten wie manch ein Konkurrenztitel samt Addons und Nachfolger zusammen. Oder sind euch mehr als 100 individuelle Einheitentypen mit unterschiedlichen Stärken, Schwächen und Extras etwa nicht genug?
Und es kommt doch auf die Größe an!
Für alle, die es ein wenig größer wollen, ist "SupCom" genau das Richtige. Obwohl, der Begriff größer ist ehrlich gesagt noch äußert untertrieben. Während ihr in Konkurrenztiteln mit begrenzten Einheitenzahlen auf teils kleinsten Arealen taktiert, eröffnet euch THQ's Titel dank Maps, die in Sachen Umfang mal eben 2000 - 6500 Quadratkilometer groß sein können, ganz neue Möglichkeiten. So könnt ihr eure Gegner frontal, aber auch von verschiedenen Seiten aus angreifen. Die nahezu unbegrenzte Fülle an Lösungswegen bietet Gelegenheit, eine ganz eigene Strategie zu entwickeln. Hinzu kommen, wie bereits erwähnt, die über hundert verschiedenen Einheitentypen, mit denen ihr ein gewaltiges Heer, gerne auch mal bestehend aus mehreren tausend Pixelkriegern, aufbauen könnt.
Damit ihr eure Panzer, Flugzeuge, U-Boote, Atombomben und Bodentruppen nicht aus den Augen verliert, hat Gas Powered Games den Begriff "Zoom" mal eben neu definiert. So könnt ihr, ohne jegliche Ladepause und in Echzeit, mehrere Kilometer in die Karte, oder aus selbiger herauszoomen. Damit eure Untergebenen bei größerer Entfernung nicht im unübersichtlichem Pixelbrei verschwinden, werden diese als kleine Symbole dargestellt. So kommt es aber auch, dass ihr "SupCom", wenigstens bei größeren Gefechten, meist aus dieser Ansicht spielt und von der recht hübschen Optik leider wenig zu sehen bekommt.
ABC? Nö, ACU!
Egal, ob ihr nun in der Haut der Cybrans, der UEF oder der Aeon's spielt, die sogenannte Advanced Command Unit, kurz ACU, findet sich bei jeder Fraktion. Hierbei handelt es sich eine Art Riesenmech, mit dem ihr Fabriken und Gebäude bauen könnt. Diese ermöglichen euch dann, wie im Genre üblich, Einheiten zu produzieren, Upgrades freizuschalten, Masse und Energie zu gewinnen - und somit nach einiger Vorarbeit in die Schlacht zu ziehen. Wenig verwunderlich also, dass sich die Meisten eurer Aufträge um das Zerstören der feindlichen Bauwerke (oder eines ganz bestimmten) drehen. Kämpfen kann euer ACU übrigens auch. Nach und nach habt ihr außerdem die Möglichkeit, euren Kampfkoloss mit diversen Upgrades zu verbessern.
Übrigens: In Sachen Einheiten - KI gibts kaum etwas zu meckern, die Wegfindung funkioniert nahezu perfekt und das gute alte Stein-Schere-Papier-Prinzip geht vollends auf. Gut so!
Look & Feel
"SupCom" überzeugt vorallem durch seine inneren Werte, ist rein optisch gesehen aber mehr als zweckmäßig. Zwar fehlt es in den Maps an Details und Abwechlsung, dafür überzeugen die Einheiten und Effekte. Auch der Sound passt - die tollen Zwischensequenzen wurden sehr gut vertont, die Geräuschkulisse weiß zu gefallen. Etwas störend: Das klobige Interface. Alles in allem Taylors Machwerk aber nichts für Storyfetischisten: Die Rahmenhandlung ist SciFi Mainstreamkost, die Schlachtfelder wirken steril - Atmosphäre kommt leider kaum auf.
Freunde gepflegter Mehrspielerschlachten kommen übrigens auch auf ihre Kosten. Ob via Lan oder Internet - der Netcode läuft stabil, nahezu jedes Detail ist einstellbar, für frischen Nachschub aus Fankreisen ist durch die hohe Modifizierbarkeit gesorgt. "SupCom" dürfte sich in der Mehrspieler und Moddingszene als feste Größe etablieren.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
