Heda! Haltet ein wertes Publikum und schauet, was ich euch zu zeigen hab! Ein gar ausgefuchstes Spiel aus deutschen Landen. Die Gild' wird es genannt, der Belustigung zweiter Teil. Nun lasset uns sehen, was sich tat, seit dem ersten Mal, als es uns in das Jahr 1400 entführte und uns zeigte, wie das Leben im Mittelalter aussah und aussehen konnt'!
Völlig von der Rolle
Wenden wir uns wieder neuzeitlichem Deutsch zu und betrachten "Die Gilde 2" einmal genauer. Einiges hat sich getan, seitdem uns 4Head anno dazumal mit "Die Gilde" überraschte. Und "Überraschung" ist das richtige Wort, denn "Die Gilde 1" war zu seiner Zeit recht ungewöhnlich. Statt Echtzeitstrategieartig und bierernst eine Art "Empire Earth" im Mittelalter zu zelebrieren, offenbarte sich ein rundenbasiertes Wirtschaftsspiel, das sich selbst nicht ganz so ernst nahm. Einige Beispiele dafür: das beliebte Verunglimpfen, denn wenn man einen Konkurrenten diffamieren wollte, konnte man ein Pamphlet über ihn veröffentlichen. Oder auch die verschiedensten Arten von Sabotage und Bestechung, sie sollten uns damals zeigen, dass man nicht immer ehrlich sein darf um in dieser rauen Zeit zu Ruhm zu kommen.
Trotz des genialen Spielprinzips waren damals nicht alle Spieler und Magazine davon angetan. Zu viele Längen würde sich das Spiel leisten, es sei nicht actiongeladen genug, nicht dynamisch, etc. Deshalb dachten sich die Macher von 4Head: "Wir machen das Spiel interaktiver!".
What you see is what you get!
Nach diesem Prinzip wurde das Spielprinzip von "Die Gilde" komplett überarbeitet. Die komplexe Wirtschaft und die fiesen Möglichkeiten, die den ersten Teil auszeichneten, blieben natürlich enthalten. Doch integriert wurde das ganze in ein Rollenspielsystem. Man sollte nicht mehr einfach vor dem Stadtbildschirm sitzen und sich durch alle Gebäude durchklicken. Nein, man sollte jetzt von Gebäude zu Gebäude laufen und persönlich Aktionen vornehmen. Dementsprechend wurde viel wert auf die unterschiedlichen Charaktere gelegt: differenziertes Aussehen, je nachdem, ob gerade die Völlerei oder eine Hungersnot die Stadt heimsuchen. Außerdem sind die Aktionspunkte des ersten Teils weggefallen. Wenn man jetzt jemanden oder etwas sabotieren will, muss man seine Handlanger losschicken, die natürlich eine realistische Zeit brauchen, um von Haus A nach Haus B zu gelangen. Leider Gottes offenbart sich auch dort der erste Schwachpunkt des Rollenspielsystems, denn wirklich anders als im Vorgänger ist dies nicht. Man muss nur noch extra Handlanger einstellen, die Geld kosten und die auch beachtet werden wollen. Außerdem sind jetzt die einzelnen Aktionen nicht mehr vom Haus und von den Hinterzimmern, sondern von dem Personen abhängig. Wenn man eine Kirche besitzt, klickt man jetzt nicht mehr auf einen Button "Gottesdienst vorbereiten" und wendet Aktionspunkte auf, nein, man wählt einen angestellten Prediger aus und weist diesen an, es zu tun. Um das herauszufinden brauchte ich eine Weile, denn das Handbuch ist nicht sehr hilfreich. Erst als ich das Tutorial absolviert hatte, welche man auch als Gilde 1- gewöhnter auch tunlichst machen sollte, offenbarte sich mir das neue Prinzip.
Mittelalterliche Darstellungskunst
Die Grafik ist super, schließlich basiert jene der Engine, die auch in "Gothic 3" und "Morrowind" zum Einsatz kommt. Natürlich hat sich einiges getan, was sich auch auf den Mindestanforderungen widerspiegelt:
512 MB Ram, mindestens ein Prozessor mit 1.8 GHz und eine Grafikkarte mit 128Mb Speicher. Trotzdem, auf solch einem System ruckelt das Spiel. Warum? Ganz einfach: weil die ganze Welt anfangs in den Speicher geladen und immer hin eine riesiege Grafschaft dargestellt wird. Die Devise "what you see is what you get" kostet eben ziemlich viel Rechenpower, schließlich wird fast jede Aktion genau dargestellt. Dafür ist die Sichtweite berauschend.
Konkurrenz
Der Multiplayermodus ist natürlich auch wieder mit dabei. Und wie bei "Gilde 1" ist er wesentlich spaßiger als der Hauptmodus. Man kann entweder im Coop oder auch gegeneinander spielen. Das wird aber nicht vom Modus, sondern vom Spieler selbst abhängig gemacht. Man kann zwar Teams definieren, dies ist aber nicht notwendig. Leider ist es derzeit etwas zu einfach, den Betrieb des Konkurrenten zu sabotieren. Wo wir gerade bei den Spielmodi sind: einerseits gibt es den Dynastiemodus, bei dem man einfach drauf losspielt. Außerdem kann man sich noch Ziele setzen oder auf Auslöschung der anderen Dynastien spielen.