Nach der langen Zeit des Wartens halten wir ihn nun endlich in den Händen, den vierten Teil der GTA-Serie: Vice City. In Deutschland ist es zwar nur eine entschärfte Version ohne Blut, zwei fehlenden Missionen und auch ohne Killerwahn, doch diese Tatsachen vermindern in keinem Falle den hohen Spaßfaktor des Spiels. Denn Vice City ist ein Retro–Trip der Extraklasse, der euch in die 80er Jahre entführt. Auch wenn ihr nicht auf Don Johnson und Freizeitanzüge steht, kann das dennoch überaus unterhaltsam sein. Aber lest selbst.
Minimale Systemvoraussetzungen:
- 800 MHz Pentium III oder 800 MHz AMD Athlon
- 128 MB RAM
- GeForce 2 MX mit 32 MB, bei TNT 2 zusätzlich 635 MB für konvertierte Texturen
- 915 MB freier Festplattenspeicher
- Soundkarte mit DirectX 9.0 kompatiblen Treibern
- 8-fach CD-ROM Laufwerk
Empfohlene Systemvoraussetzungen:
- 1,2 MHz Pentium IV oder 1,2 MHz AMD Athlon
- 512 MB RAM
- GeForce 3 mit 64 MB
- 1,5 GB freier Festplattenspeicher
- DirectX 9 kompatible Soundkarte mit EAX Advanced HD-Unterstützung
- 16-fach CD-ROM Laufwerk
Die Story:
Die Integration von ehemaligen Sträflingen in das heutige Gemeinschaftsleben ist mitunter recht problematisch. Oft werden die Straftäter rückfällig und alles war umsonst. Dies schien in den 80ern anders zu sein und so hatte unser Held Tommy Vercetti auch kein Problem nach seiner langen Gefängnisstrafe wieder einen Job zu finden. Ein alter Freund bot ihm eine Stelle als Betäubungsmittelvertreter an, doch leider missglückte schon das erste Geschäft. Und so bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich in Vice City durchzuschlagen und neue „Geschäftsideen“ zu verwirklichen. Aber keine Angst GTA Vice City ist keine Wirtschaftssimulation, ganz im Gegenteil.
Die Stadt:
Vice City ist ein digitales Abbild vom Miami der 80er Jahre. Freizeitanzüge, Hawaiihemden und protzige Sportwagen á la Miami Vice sieht man an jeder der belebten Straßenecken. Die Stadt besteht aus zwei Inseln, die ca. 6 km auseinander liegen. Hier haben Dealer und Millionäre das Sagen und teure Anzüge, schicke Autos und schöne Frauen gehören zur Etikette. Das 4,25 km2 große Vice City ist ein regelrechtes Wespennest, in dem sich Drogenbarone einen Krieg um den Schwarzmarkt liefern. Eine weitere Einnahmequelle ist natürlich der Tourismus. Viele der 1,8 Mio. Einwohner kommen aus dem Ausland und ein großer Bevölkerungsanteil besteht aus Kubanern und Haitianern, wodurch die einzelnen Stadtteile sehr geprägt sind, z.B. Little Haiti.
Gameplay:
Im Punkto Gameplay steht der, nun schon vierte Teil der GTA-Reihe, seinen Vorgängern in nichts nach. Ein solcher Abwechslungsreichtum bleibt immer noch unerreicht, auch unter anderen Spielen des Genres. In Vice City erwarten euch ganze 21 Hauptmissionen und 35 Nebenmissionen, wie z.B. Pizza oder Taxi fahren. Anfangs müsst ihr herauszufinden, wer eigentlich für den fiesen Hinterhalt während der Drogenübergabe, also folglich für eure missliche Lage, verantwortlich ist. Wie in GTA 3 laufen die Missionen nach demselben Schema ab. Tommy holt sich den Auftrag ab, führt ihn aus und anschließend bekommt ihr die Möglichkeit, den Spielstand abzuspeichern. Im Spielverlauf trefft ihr dann immer wieder auf neue Auftraggeber, die durch Mund-zu-Mund-Propaganda von Tommys Künsten erfahren haben. Nach 10 Hauptmissionen öffnet sich dann die Zufahrt zur zweiten Insel. Eine Neuerung gegenüber dem beliebten Vorgänger ist die Möglichkeit, auch Häuser zu kaufen. Insgesamt stehen 15 Gebäude in verschiedenen Preisklassen zur Verfügung, in denen man den Spielstand speichern und Autos unterbringen kann. Und sie verdienen sogar noch Geld. Kauft man z.B. den Sunshine Club, kann man an sechs Straßenrennen teilnehmen und bekommt dafür Geld oder Bonusautos. Im Verlauf des Spiels müssen mindestens sieben dieser Gebäude euch gehören, damit ihr weiter kommt. Wie gewohnt gibt es auch wieder sechs verschiedene Fahndungslevel. Je nachdem wie negativ ihr aufgefallen seid, sind euch dann Polizei, das FBI oder die Armee auf den Fersen. Um diese Unannehmlichkeiten wieder los zu werden, könnt ihr euer Auto umlackieren, Polizeisterne einsammeln oder die Kleidung wechseln. Eine weitere Neuerung: Tommy kann sich jetzt für die verschiedenen Aufträge immer gleich das passende Outfit besorgen. Auch seine Steuerung ist einfacher geworden, denn jetzt kann er sich sogar ducken. Die verschiedenen Missionen in GTA Vice City lassen keine Langeweile aufkommen, neben gelegentlichen Schießeinlagen wurde der Schwerpunkt wieder auf halsbrecherische Verfolgungsjagden gelegt.
Grafik:
Grafisch hat sich im Gegensatz zu GTA 3 nicht viel verändert, da die selbe Engine noch einmal benutzt wurde, andernfalls hätten wir wahrscheinlich noch länger auf GTA Vice City warten müssen. Der etwas angestaubte Look ist dennoch für ein Spiel dieses Genres zeitgemäß. Wettereffekte wie Gewitter, Regenbögen, Nebel, sowie der flüssige Übergang von Tag und Nacht sind gut in Szene gesetzt. Im Gegensatz zur Konsolen-Version bekommt man beim PC eine wesentlich höhere Weitsicht geboten. Weiterhin wurden auch bessere Texturen verwendet, zum Beispiel bei den Autos und Gebäuden. Besser eingesetzte Lichteffekte, wie die blendenden Scheinwerfer oder Straßenlampen runden das Ganze ab. Kritikpunkt sind aber immer noch Büsche und Bäume, welche nur 2D sind, ebenso kleine Grafik-Buggs in den Zwischensequenzen. Aber dank des Render-Ware Systems kommt das Spiel fast ohne Ladezeiten aus und das ist ein Luxus, den man heute nur noch selten findet.
Sound:
Was den Sound angeht sind die GTA-Macher noch immer unschlagbar. Während der Auto- oder Motorradfahrten hat man die Auswahl zwischen acht verschiedenen Radiosendern, welche die beste Musik der 80er spielen. Ganze 102 Originalsongs bieten sieben Stunden Musik für jeden Geschmack. Der Piratensender „Wildstyle“ spielt Hip Hop, auf „Flash“ findet man Pop, auf „Fever 105“ wird Soul geboten, „VRock“ widmet sich dem Glam Rock, bei „Esperantoso“ erklingen heiße Samba-Rhythmen, auf „Emotion 98.3“ hört man schnulzige Liebessongs und bei „Wave 103“ gibt es das Beste der New Wave Bewegung. „K-Chat“ darf natürlich auch nicht fehlen, hier könnt ihr wieder, ähnlich wie bei Domian, den Problemen anderer Leute lauschen und euch dabei vor lachen krümmen. Serviert wird das Ganze noch mit unglaublich amerikanischen Werbespots und ins Klischee passenden Moderatoren. Der komplette Soundtrack ist übrigens auch im Box-Set mit sieben CDs erhältlich. Neben erstklassiger Musik bietet das Spiel auch eine gute Sprachausgabe. Die ist zwar Englisch, aber in Deutsch hätte man sie wohl nie so gut hinbekommen. Über 20 Hollywood-Stars haben den Charakteren ihre Stimme geliehen, darunter Dennis Hopper als Steve Scott oder Burt Reynolds als Avery Carrington. Des Weiteren ist auch das Abspielen eigener MP 3 Dateien ermöglicht, so könnt ihr euch einen eigenen Soundtrack zusammenstellen, wenn ihr mit den 80ern nichts anfangen könnt.
Fuhrpark:
Ein weiteres Glanzlicht stellt wohl auch der überaus große Fuhrpark dar. Ganze 74 Fahrzeuge warten nur darauf, von euch zu Schrott gefahren zu werden. Darunter findet man protzige Sportwagen, riesige Straßenkreuzer, PickUps und Familienkutschen. Hinzu kommen auch noch fünf verschiedene Motorräder, wie eine Enduro, eine Chopper, eine Harley Davidson und sogar eine Vespa. Damit könnt ihr auch Tricks machen, wie zum Beispiel auf dem Hinterrad fahren. Des Weiteren stehen euch auch wieder neun verschiedene Boote, fünf Helikopter und ein Wasserflugzeug zur Verfügung. Aber was wäre schon ein so großer Fuhrpark ohne ein gutes Schadensmodell. Und auch das bietet GTA Vice City: zersplitternde Windschutzscheiben, zerschossene Reifen, sowie fliegende Stoßstangen und Türen vermindern die Haltbarkeit der Autos erheblich.
Waffen:
Was wäre ein Gangster schon ohne Waffen? Das haben sich die Entwickler von Rockstar-Games wohl auch gedacht, denn in GTA Vice City gibt es noch mehr Waffen als im Vorgänger, ganze 31 Stück. Darunter diverse Schlag- und Stichwaffen wie Schraubenzieher, Golfschläger, Fleischerbeile und Samurai-Schwerter, oder auch jede Menge Schusswaffen wie Schrotflinten, Sturm- und Snipergewehre und natürlich auch Spezialwaffen wie Flammenwerfer und Raketenwerfer. Als besonderes Extra ist sogar noch eine Kettensäge dazugekommen. Die diversen Waffen könnt ihr wie gewohnt bei AmmuNation käuflich erwerben, ihr findet sie aber ebenso bei euren Feinden oder an entlegenen Stellen in der Stadt.
Locations:
Genau so abwechslungsreich wie die Waffen, der Fuhrpark und der Soundtrack sind auch die Locations der Stadt. In Vice City findet man endlose Strände, ein riesiges Hafengebiet, einen Flughafen, sowie eine atemberaubende Skyline. Ein besonderes Highlight ist dabei der Ocean Drive mit seinen Neonlichtern, Hotels, Bars und Strip-Lokalen. Doch auch der Golfplatz oder das große Memorial Stadion sind einen Besuch wert. Die vielen ausländischen Einflüsse der Bevölkerung spiegeln sich auch in den verschiedenen Stadtteilen wie Little Haiti oder Little Havana wieder. Im Gegensatz zu GTA 3 gibt es nun auch 50 begehbare Gebäude, zum Beispiel das Einkaufscenter oder das Hotel Ocean View.