Seit der Privatsender VOX die amerikanische Erfolgsserie CSI: Tatort Las Vegas nach Deutschland gebracht hat, fiebern Millionen von Zuschauern mit, wenn das Team um William Petersen a'la Gil Grissom in der glitzernden Spielermetropole spannende Mordfälle löst. Die weltweit erfolgreiche Serie, die übrigens von Hollywood's Produzent Nummer eins Jerry Bruckheimer finanziert wird, bekommt mit "Mord in Drei Dimensionen" bereits ihren dritten virtuellen Ableger. Mit fünf Mordfällen, einer frischen 3D-Optik und einem schier unerschöpflichen Repertoir an coolen Ermittlungstools wirbt Ubisoft ein weiteres mal um die Gunst der Videospieler - mit Erfolg?
Nimm Fünf
Das Spiel beginnt serientypisch mit einer Leiche: Weiblich, übel zugerichtet, in einer Kunstgallerie aufgefunden. Gut, dass mit den Galleriebesitzer unser potentiell erster Zeuge (und sogleich Verdächtiger) gefunden ist - nach einigen kritischen Fragen verwickelt sich dieser nämlich bereits in einige unstimmige Aussagen. Doch wie in der Serie üblich, ist natürlich nichts so wie es scheint, neue Zeugen tauchen auf, überraschende Wendungen bringen neue Verdächtige hervor.
Der brutale Mord in der Kunstgallerie ist aber nur einer von insgesamt fünf Mordfällen, die uns "Mord in drei Dimensionen" zu bieten hat. So gilt es auch einer vermissten Frau auf die Spur zu kommen und gar einen Mord im Videospielermilleau aufzuklären. Trotz der fünf Fälle hat die Story, und somit das Spiel ein Problem: Die Geschichte präsentiert sich recht abwechslungsarm. So kommen wir zwar ein wenig herum in Las Vegas, merken dennoch recht schnell, dass sich die Fälle oft nach dem immergleichen Prinzip lösen lassen. Jeweils drei bis fünf Verdächtige gilt es auszuquetschen, allzu offentsichtliche Hinweise zu finden und diese im Labor untersuchen zu lassen. Zwar weiß der Spieler zu Anfang nicht, wer letzendlich der Täter ist, durch zahlreiche "Standardformulierungen" in den recht eintönigen Befragungen kommt man dem Täter meist schneller auf die Spur, als einem lieb ist.
Tool Time
Die TV Serie zeichnet sich besonders durch eines aus: Realismus. Diesen finden wir in der klischeehaften Story zwar eher weniger, dafür um so mehr durch die zahlreichen Ermittlungstools. So übernehmen wir nicht nur standardmäsiges Tatortfotografieren, sondern kümmern uns um Blut- und Haarproben, suchen nach Hinweisen und Fingerabdrücken am Tatort und quetschen Zeugen wie Verdächtige aus. Das Gameplay erinnert allerdings ein wenig an die deutsche Krimi-Ikone Derrick, als an die moderne Machart der US-Serie. So sind die meisten Hinweise zu offensichtlich plaziert und meist auf das jeweilge Tool zugeschnitten. Wissen wir trotzdem einmal nicht mehr weiter, können wir übrigens unsere Kollegen nach Hinweisen fragen. Diese haben keine nützlichen Tipps, sondern knallen uns die Komplettlösung des jeweiligen Levels auf den Bildschirm. Dies wäre aufgrund des unterfordernden Schwierigkeitsgrades gar nicht nötig gewesen.
Ähnlich träge geht es bei den zahlreichen Gesprächen zur Sache: Diese arten eher in Arbeit aus, als die Spannung der Geschichte(n) wirklich zu fördern. So müssen wir nicht abwägen, welche Frage zu stellen ist, sondern klicken uns durch den kompletten Dialogkatalog, bis sich unser Gegenüber endlich zu einem Hinweis oder Sachverhalt geäußert hat.
Stefan, hol' mal den 3D Wagen
Auch wenn's schmerzt:, Derrick´like wirkt auch die Grafik des Spiels, die sich am besten als zweckmäßig und angestaubt beschreiben lässt. So gibt's trotz groß angekündigter 3D Optik keine wirklich Augen verwöhnende Optik, vorallem da wir uns wieder nur in Renderadventuremanier durch die Level zoomen, schauen und klicken können. Immerhin wurden die Originalcharaktere mit ordentlichem Wiedererkennungswert integriert, wenn auch nicht mit emotionalen Gesichtsanimationen eines Fahrenheit oder Dreamfall. Mitteprächtig ist ebenfalls der Sound: So lässt die recht biedere Soundkulisse den Pfiff der TV Serie vermissen, die (englischen) Stimmen entsprechen maximal gehobenem Mittelmaß. Lobenswert sind allerdings die CSI typischen Kameraflüge über Las Vegas sowie die spannenden Tathergangsclips - wer wollte nicht schon immer mal in die Lungenflügel eines Opfers hineinschauen.
Stefan links, Harry rechts!
Es gibt zwei Spielertypen: Zum einen die erfahrenen Hardcorerätsler, denen seit Monkey Island kein Adventure mehr zu knackig ist, zum anderen die Gelegenheitstüftler, die sich das Spiel eher wegen der Lizenz anschaffen. Für zweitere ist der Titel durchaus empfehlenswert, kann man schließlich selbst Gill Grissom und Co unter die arme greifen. Jene Spieler stören sich auch nicht an der altbackenen Umsetzung und dem recht eintönigen Gameplay - verspricht der Titel doch schließlich "CSI zum Mitspielen". Die andere Riege sollte "Mord in Drei Dimensionen" trotz des fairen Preises im Regal stehen lassen: Wer bereits Erfahrungen mit Adventures hat, ist mit dem Titel schlichtweg unterfordert. Da es auf dem Markt außerdem deutlich bessere Titel gibt, die auch noch hübschere Optik, besseren Sound und eine spannendere Story bieten, greift man als CSI Fan lieber zur DVD Box.