Mit True Crime: New York City versucht Entwickler Luxoflux ein zweites mal Genrekönig GTA die Stirn zu bieten. Nach dem passablen "True Crime: Streets of L.A." schickt man die Spieler diesmal auf's raue New Yorker Pflaster. Schlechte Nachricht zuerst: PC Spieler können sich die 40 €, die der Titel kostet, getrost sparen. Warum? Das Spiel hat trotz zahlreicher guter Ansätze ein Problem: Es wurde nicht nur richtig mies an den PC angepasst, sondern übernimmt auch sämtliche Mängel des bereits sechs Monate alten Konsolenvertreters - ohne Ausnahme!
Resozialisierung einmal anders
Sind wir einmal ehrlich: Wenn man als Sohn eines berüchtigten Gangsterbosses in der fiesesten Ecke New York's aufwächst, steht einem nicht unbedingt die Laufbahn als Herzchirurg in Aussicht. Wäre dies nicht schon schlimm genug, muss man sich, kaum im Erwachsenenalter angekommen, auch an noch übleren Gesellen für den Mordversuch an seinem Vater rächen. Nachdem man also dutzende fieser Schergen in die ewigen Jagdgründe geschickt hat, sollte vorallem eines winken: Die bösen Willis im örtlichen Knast. Doch nicht so bei Marcus Reed, den ihr in "True Crime: New York City" verkörpert. Der als erstes am Tatort anwesende Polizist ist glücklicherweise ein Bekannter, vertuscht mal ebenso die Morde und besorgt uns sogar einen Job als Polizist - warum auch nicht! Zwei Jahre später ist es dann endlich soweit: Bisher als Knöllchenverteiler und Kaffeekocher eingesetzt, werden wir nun auf die Straßen New York's losgelassen. Kein Problem für uns, schließlich wissen wir nach welchem Prinzip wir zu handeln haben: Wer nicht hören will, muss fühlen.
Sechs Monate Urlaub!
Richtig realistisch wirkt die Story zwar nicht, spannend erzählt ist sie trotzdem. Hierzu tragen zum Beispiel die tollen Cutscenes, die dank kinoreifer Aufmachung und bekannter (englischer) Synchronsprecher einiges an Atmosphäre bieten, sowie zahlreiche kleine humorvolle Anekdoten (vorallem im Bezug auf "Erzfeind" GTA) bei. Marcus Reed wird vom bekannten Sänger "Snoop Dog" dargestellt und überzeugt als Held mitunter durch die zahlreichen coolen Sprüche. Das New York ist aufgrund seiner Größe zwar recht detailarm und ziemlich grau in grau umgesetzt, bietet durch hübsche Wettereffekte, Elemente wie herumfliegende Zeitungen sowie den ein oder anderen Shadereffekt aber durchaus Atmosphäre.
Das gelungene "Äußere" von True Crime kann allerdings bei weitem nicht über eines hinwegtäuschen: Die miese Konvertierung. Zwar erscheint die PC Fassung knapp ein halbes Jahr nach der Konsolenvariante, Verbesserungen gegenüber den PS2 und XBox Ablegern sind allerdings kaum bis gar nicht zu finden. So stechen vorallem der Grafikhunger und zahlreiche Performanceeinbrüche heraus - ein Zeichen mangelhafter Optimierung. Viele Bugs, die oft unfreiwillig komische Fahrphysik und vorallem die überkomplizierte Steuerung (sowohl per Tastatur und Maus als auch per Gamepad) rauben einem fast den letzten Nerv.
Good Cop / Bad Cop
In True Crime macht nicht unbedingt die Hauptstorylinie den spielerischen Reiz aus (in der wir den Mörder unseres Mentors aufspüren müssen), sondern die interessanten Nebenmissionen. Während wir durch das nachgebildete New York cruisen, fangen wir immer wieder Funksprüche ab, die uns auf neue Einsätze hinweisen. So beenden wir eine Schlägerei in einer Bar, machen einen Vergewaltiger dingfest, stellen ein gestohlenes Auto sicher oder durchsuchen Junkies nach Drogen - typischen Copaufgaben eben. Es steht uns frei, die Zusatzmissionen zu absolvieren, oder eben nicht.
Kleine Rollenspielanleihen bietet das Spiel auch: Je nachdem, wie wir unsere Missionen lösen und wie wir uns in der Öffentlichkeit verhalten, wächst unser Good bzw. Bad Cop Status. Lassen wir zum Beispiel bei Verdächtigen hauptsächlich die Handschellen klicken, gibt's ein dickes Plus. Verlassen wir uns hingegen auf unsere Pistole, überfahren wahllos Zivilisten oder nutzen sichergestelltes Beweismaterial für unsere eigenen Zwecke, hagelt es Minuspunkte.
New York, New York
Optisch präsentiert sich "True Crime: New York" City ungefähr auf dem Niveau von "GTA 3". Zugute halten muss man dem Titel allerdings, dass er im Vergleich zum veralteten Konkurrenten mit deutlich hübscheren Wagen und Charaktermodelle aufwartet, sowie mit einigen netten Shader- und Wettereffekten glänzt. In die Hose gegangen ist allerdings die PC-Optimierung: So bricht die Framerate vorallem in den Außenarealen oft dramatisch ein - New York als Diashow! Schieberegler, die einen selbst Hand an die Performance anlegen lassen könnten, haben wir nicht gefunden - lediglich die Auflösung lässt sich ändern.