Die Fussball Weltmeisterschaft steht vor der Tür und auch Electronic Arts bringt natürlich wieder das passende Spiel zu diesem Ereignis auf den Markt. Warum „FIFA WM 2006“ aber auf dem PC nicht vollständig überzeugen kann, erfahrt ihr in unserem Review.
Der Weg nach Deutschland
Der Weg zum Weltmeistertitel ist nicht einfach! Mit dem offiziellen Spiel könnt ihr mit allen Teams den schwierigen Weg durch die Qualifikation hindurch nachspielen, oder ihr stürzt euch gleich in die Endrunde. Wenn ihr dabei aber nicht mit den originalen Gruppen spielen möchtet, könnt ihr diese auch vom Spiel nochmal neu durchmischen lassen, so ergeben sich immer neue Endrunden. Das gleiche funktioniert übrigens auch mit der Qualifikation. Wer darüber hinaus nach weiteren Herausforderungen sucht, der wird im Spielmodus Globale Herausforderung fündig. Dort werdet ihr zu einem bestimmten Zeitpunkt in ein Spiel versetzt und müsst dort Aufgaben erfüllen. Zum Beispiel betretet ihr den Rasen auf der Seite von England in der 60. Minute gegen Deutschland bei einem Rückstand von 0:1. Euer oberstes Ziel ist nun erstmal, das Spiel zu gewinnen. Wenn dies geschafft ist, lassen sich durch eine Mindestanzahl von Toren oder einem Sieg noch vor der Verlängerung zusätzliche Punkte rausholen.
Für erledigte Aufgaben in diesem Modus und unter anderem auch für Erfolge, eine besimmte Anzahl an Toren oder eine Siegesserie erhaltet ihr Punkte, welche sich im Shop wieder ausgeben lassen. Dort bekommt man einige nette Extras angeboten, darunter befinden sich zum Beispiel klassiche Spieler wie Franz Beckenbauer oder Dennis Bergkamp. Außerdem gibt es verschiedene Sets an farbigen Schuhen, Fussbällen und Trikots, etwa das deutsche Weltmeistertrikot von 1990.
Natürlich darf man auch online gegen andere Mitspieler antreten, leider nur zu zweit. Partien, in denen jeder Akteur von einem menschlichen Spieler übernommen wird, wären sicherlich interessant anzuschauen.
Nichts gelernt?
Nach wie vor kann die FIFA-Serie in Sachen Ballphysik und Realismus nicht mit „Pro Evolution Soccer“ mithalten, der Ball klebt den Spielern weiterhin meist am Fuß. Ebenso lassen sich wieder mal auf einfache Art und Weise gute Torchancen herausspielen. Dies schafft man am besten mit Pässen in den freien Raum, wodurch der Stürmer letztendlich alleine auf den gegnerischen Torwart zuläuft, im Prinzip muss nur noch getroffen werden. Zwar sind auch schöne Tore aus anderen Positionen möglich, aber warum anstrengen, wenn es auch so einfach geht? Die Torhüter halten übrigens nicht immer perfekt und machen auch Fehler, wenn sie zum Beispiel Bälle nicht mehr ablenken können und diese ins eigene Tor befördern. Das ist durchaus realistisch, aber gelegentlich sind auch unnötige Szenen dabei, zum Beispiel folgende: Die KI haut in einer Situation bei einem Befreiungsversuch den Ball gegen die Füße des herausgelaufenen Keepers, worauf der Ball abprallt und unter die Latte ins eigene Tor fliegt.
Ein weiterer Kritikpunkt sind die veralteten Kader der Mannschaften, hier hätte man von EA Sports mehr Aktualität erwarten erkönnen. Beispielsweise steht Oliver Kahn noch als Nummer 1 im Tor von Deutschland, ebenso Christian Wörns in der Abwehr, und auch der verletzte englische Stürmer Wayne Rooney steht munter auf dem Platz. Da man die Aufstellungen aber natürlich von Hand ändern kann, ist dies nur ein kleineres Manko. Apropos Änderungen an der Aufstellung: Sobald man einen Ersatzspieler auswählt, verdeckt ein Fenster, welches die Stärken der Ballkünstler miteinander vergleicht, die Sicht auf das Spielfeld, auf dem die Positionen der Akteure angezeigt sind. Gerade die Bereiche Abwehr und Mittelefeld sind größtenteils nicht mehr sichtbar, lediglich der Sturm schaut noch hervor.
Grafik von gestern
Grafisch kann die PC-Version von „FIFA WM 2006“ nur bedingt überzeugen. Stadien und Spieler wurden zwar möglichst originalgetrau gestaltet, vor allem letztere schauen aber dennoch teilweise recht pixelig aus. Die Zuschauer bestehen wie gewohnt nur aus flachen Texturen, lediglich in einigen bestimmten Szenen bekommt man ordentlich animierte Gäste zu sehen. Diese schwache Leistung wird umso unverständlicher, da die Xbox 360-Version des Spiels mit tollen Grafikeffekten und Details aufwarten kann. Der Rasen auf dem PC ist flach, auf der Konsole sieht man sogar einzelne Grashalme. Beim Wetter herrscht derweil immer eitel Sonnenschein, denn Regen gibt es nicht. Die WM findet zwar im Sommer statt, aber Regen ist deswegen nicht ausgeschlossen. Auf der Rückseite der PC-Version befinden sich übrigens Screenshots der Xbox 360-Version, nicht gerade die feine englische Art. Wie das Spiel auf dem Computer wirklich ausseht, könnt ihr auf unseren Screenshots und im Testvideo sehen.
Atmosphärisch hingegen kann das Spiel, wie auch seine Vorgänger, wieder ordentlich punkten. Mit tollen Kamerafahrten vor dem Match werden die Kicker und das Stadion vorgestellt, Fahnen werden geschwenkt, Papierrollen und Konfetti geworfen sowie Luftballons gestartet. Letztere gibt es aber wie die Zuschauer auch nur als flache Textur, was wiederum nicht ganz so schön aussieht. Zu einer tollen Atmosphäre gehört aber auch eine gute Soundkulisse, und die ist definitiv vorhanden. Dennoch gibt es auch hier einige kleine Patzer, etwa wenn die deutschen Fans bei einem Spiel als Heimmannschaft Auswärtssieg-Sprechchöre anstimmen. Die Kommentatoren machen ihre Sache hingegen ordentlich, obwohl sich die Sprüche nach einiger Zeit immer wiederholen. Nur gelegentlich fällt mal ein Satz, der überhaupt nicht zum aktuellen Spielgeschehen passt, dafür bieten sie zu bestimmten Spielern aber auch mal ein paar genauere Details. Was aber nach wie vor fehlt, wie auch zum WM-Spiel 2002 oder zum EM-Spiel 2004, sind die Nationalhymnen vor den Partien. Diese würden noch mehr zur so schon stimmigen Atmosphäre beitragen. Zumindest gibt es nach einem Match die Hymne des Siegers zu hören, wenn auch nur kurz während der Präsentation der Höhepunkte.