Als Ubisoft anno dazumal die Prinzensaga mit dem 3D-Abenteuer „Prince of Persia“ wieder zum Leben erweckte, riss dies eine Welle mit sich; sowohl eingefleischte Fans und träumende Nostalgiker als auch Jungspunde, die noch nie zuvor etwas von einem Prinzen in Videospielen gehört hatten, waren verzaubert vom Charme und dem genialen Gameplay dieses Titels. Teil zwei passte sich dann – mit einer deutlich düstereren Atmosphäre und einem erhöhten Gewaltfaktor – dem „Zeitgeist“ an und lockte weitere Spieler (darunter auch mich) an, dem Prinzen bei der Widergeburt im 3D-Zeitalter eine Chance zu geben. Und nun stehen wir am Ende. Teil drei, „The Two Thrones“, bringt nicht nur den abschließenden letzten Part der Prinzensaga mit sich, sondern auch das beste, schönste und beeindruckendste Märchen aus Tausend und einer Nacht, dass PC- und Videospieler je gesehen haben!
Home, sweet Home… oder etwa nicht?
Das Abenteuer beginnt dramatisch: Nachdem der Prinz von Persien zusammen mit Kaileena von der Insel der Zeit zurückkehrt und seine Heimatstadt erreicht hat, ist der Schock groß: Babylon liegt in Schutt und Asche! Schon bald stellt sich heraus, dass der totgeglaubte Wesir wieder auferstanden ist und nun mit einer Armada den Thron der Stadt erklimmen möchte; doch da hat er die Rechnung natürlich ohne den athletischen… äh… ich meine persischen Prinzen gemacht. Von Rachegefühlen geleitet nimmt er die Verfolgung auf…
Zweigeteilt
Was sich dem Spieler in den nächsten ca. zehn bis 15 Stunden bietet, ist im ersten Augenblick salopp gesagt ein Add-On zu „Warrior Within“. Fans bekannt vorkommende Geschicklichkeitspassagen, nach demselben Muster ablaufende Kämpfe… es beschleicht einen zunächst das Gefühl, dass das Wort „Neuerungen“ bei der Entwicklung des dritten Teils unter den Tisch gekehrt wurde. Zunächst… Denn nach einer knappen Stunde tritt die erste, bedeutende Änderung in Kraft: Der Prinz verwandelt sich in eine Version seines dunklen Ichs und bestreitet damit neue Geschicklichkeitsabschnitte. Denn bewaffnet mit einer Art Kette schwingt er sich nun stylisch durch die Areale und teilt auch ordentlich aus. Einziger Nachteil dabei: der Prinz verliert kontinuierlich Lebensenergie! Um diese aufzufüllen, muss er entweder Gegner besiegen oder Sandcontainer aus Krügen aufsammeln. Die Abschnitte mit dem dunklen Prinzen sind zwar meist nur relativ kurz, machen dafür aber ordentlich Laune und bieten auch jede Menge Abwechslung im Prinzenalltag. Eine klare Stärke von „The Two Thrones“!
Spazierfahrt
Ebenfalls neu in Teil drei der Saga: Zwei mal im Spiel müsst ihr Wagenrennen bestreiten, um voranzukommen! Dabei gilt es, sich durch festgelegte Parcours zu schlängeln und annahende Gegner abzudrängen. Ganz mutige, die nicht mal davor zurückschrecken, selbst auf euren fahrenden Wagen zu springen, dürfen dann sogleich euren Dolch schmecken. Auch diese Abschnitte machen Spaß, davon hätte UbiSoft ruhig noch den ein oder anderen mehr einbauen können. Denn nach einem anstrengenden Bosskampf oder einer haarsträubenden Geschicklichkeitseinlage tun diese geradezu gut.
Wie gehabt!
Was den restlichen Spielablauf betrifft, so ähnelt „The Two Thrones“ doch sehr stark seinem direkten Vorgänger. Die Geschicklichkeitsparcours wurden noch durch drei Feinheiten erweitert, die aber keiner genaueren Erläuterung bedürfen; am grundlegenden Spielprinzip ändern diese nämlich gar nichts. Auch die Kämpfe entsprechen (fast) exakt denen aus „Warrior Within“. Neu sind lediglich die so genannten Speed-Kills. Schleicht ihr euch von hinten an einen Gegner heran (Sam Fisher lässt grüßen) und drückt sodann die Speed-Kill-Taste, startet eine kurze Zwischenseuqenz (In Bewegung seht ihr das Ganze in unserem Review-Video). In dieser leuchtet der Dolch des Prinzen an einigen Stellen auf. Drückt ihr nun den Knopf für den Angriff und beweist das richtige Timing, erledigt ihr den Gegner, ohne erst einen langatmigen Kampf bestehen zu müssen. Wer sich ganz geschickt anstellt, kann so sogar ganze Gegnerhorden dezimieren!
Von Sandcontainern und Bonusabschnitten
In einem „Prince of Persia“ dürfen natürlich auch nicht die allseits bekannten und beliebten Zeitfähigkeiten des Prinzen fehlen. So schaltet ihr auch in „The Two Thrones“ nach und nach neue Fähigkeiten frei, um so beispielsweise nach einem falschen Sprung die Zeit wieder zurückzudrehen oder im Kampf gegen eine Gegnerhorde einen Vorteil zu erzielen. Gerade in Bosskämpfen (siehe auch Video) ein wirklich lebensrettendes Feature! Es erspart auch einigen Frust, denn immerhin ist es ja auch gute Tradition in der „Prince of Persia“-Serie, das nicht jederzeit gespeichert werden kann, sondern nur an dafür vorgesehen Brunnen. Diese wurden zwar meist auch gut platziert, aber teilweise liegen diese entweder direkt beieinander oder viel zu weit auseinander. Aber generell hat Ubisoft recht gutes Timing beim Legen der Speicherpunkte bewiesen.
Ebenfalls aus „Warrior Within“ bekannt sind einige geheime Bonusabschnitte, an deren Ende ihr in einem mörderischen (ja, das trifft’s!) Parcours landet, welcher euer gesamtes Geschick fordert. Diese sind zwar optional, dafür winkt aber am Ende die Erweiterung eurer Lebensenergie. Und davon kann man ja in „Prince of Persia“ bekanntlich nie genug haben, oder?
Schön anzusehen
Was die Grafik betrifft, so hat Ubisoft nochmals ordentliche Arbeit geleistet. Zwar werden aktuelle Grafikkarten alles andere als ausgereizt, trotzdem ist das abschließende Prinzenmärchen auch auf dem PC schön anzusehen, auf Konsolen sowieso. Die Bewegungen und Moves des Prinzen wirken geradezu athlethisch und elegant, eben dies macht auch den großen Reiz des Titels aus. Die Umgebungen wurden hübsch gestaltet, kleine Details wie Funken bei einem Brand verwöhnen das Auge. Nur einige Texturen wirken recht matschig. Dafür läuft das Abenteuer aber auch stets flüssig.
Die deutsche (und wirklich fabelhafte!) Synchronisation aus dem zweiten Teil wurde auch in Teil drei so beibehalten, und die Sprecher haben nichts von ihrer Perfektion verloren. Vom harten Rocksound hat man sich aber verabschiedet, nun begleiten wieder wesentlich „orientalischere“ Klänge das Geschehen; Gut so!
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
