Wie sagte der amerikanische General Nelson Bradley bereits im 19 Jahrhundert: "Im Krieg wird kein zweiter Preis vergeben". Diese weisen Worte lassen sich jedoch nicht nur auf die Grauen der Realität beziehen. Kaum ein anderer Satz passt besser auf den neusten Teil der beliebten Battlefield-Reihe, dessen Titel lediglich mit einer dicken "2" hinter dem Schlachtfeld prahlt. Entwickler Digital Illusions zeigt uns nach einem kleinen Ausflug ins ferne Vietnam endlich wieder, wie man einen anständigen Multiplayer- Shooter zu entwickeln hat. Ob sich hinter der mit Schleifchen und Goldpapier verpackten Fassade auch ein ordentlicher Kern verbirgt, ob man das Thema "1942" nun endgültig abhaken kann, oder ob Mehrspielerfans getrost beim Konkurrenten "Joint Operations" bleiben können, sagen wir euch in unserem ausführlichem Review.
Lasst die alten Zeiten ruhen
Kämpfte man in "Battlefield 1942" noch auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkrieges, versetzt uns "Battlefield 2" in die harte Gegenwart. Einen modernen Konflikt zwischen der Middle East Coalition, der USA sowie der Großmacht China gilt es auszutragen. Hierbei wählt sich der Spieler eine Seite aus und kämpft auf den verschiedenen Maps im sogenannten "Conquest Modus" um Ruhm, Ehre und Punkte, ja sie haben richtig gehört, Punkte. Ziehen sie Onlinegefechte den Netzwerkmatches vor, werden bei jedem Login Handlungen, Siege, Niederlagen, Abschüsse und verschiedene "Verhaltensweisen" gespeichert, die uns wiederum als Punkte gutgeschrieben werden. Diese Punkte bringen uns nicht nur den Respekt der Mitspieler, sondern auch neue Waffen und Gimmicks ein. Achtung: Die Freischaltung dieser Gegenstände ist aktuell nur auf Ranked-Servern möglich. Sind die erspielten Waffen jedoch einmal verfügbar, lassen sie sich auch bei Netzwerkgefechten einsetzen.
Schuster bleib bei deinen Leisten
Wer bereits die Vorgänger spielte weiß: In der Battlefield-Reihe kommt es nicht primär auf eine zusammenhängende Story, sondern auf den spannenden Multiplayerteil an. Einen Singleplayerpart gibt es zwar, dieser dient jedoch maximal, dank guter Bot-Ki, als gelungenes Training für die groß angelegten Onlinegefechte. Ein Tutorial an sich gibt es nämlich nicht, sodass sich besonders Einsteiger im Einzelspielermodus optimal mit dem Spielprinzip anfreunden, und im Vorfeld bereits erste Erfolgserlebnisse verbuchen können. Vielen Fans stellte sich im Vorfeld die Frage, was man ändern solle, an diesem zeitlosen Spielprinzip, das sich von Teil 1 bis heute großer Beliebheit erfreut. Haben die Entwickler also alles über den Haufen geworfen und präsentieren dem Spieler ein komplett neues Spielerlebnis, oder haben sie sich auf alte Tugenden verlassen, deshalb jedoch vollends auf Innovationen verzichtet? Entwarnung: Keines von beiden. Bereits nach wenigen Minuten kommt das gute alte "Battlefield"-Feeling auf, welches so manch einem im letzten Ableger "Battlefield Vietnam" gefehlt hat. Trotzdem haben sich die Jungs von "Dice" Gedanken gemacht und spendieren dem neusten Teil einige sinnvolle Updates und Neuerungen. Eine Neuerfindung des Rades darf man jedoch nicht erwarten, und sind wir einmal ehrlich, wir sind gar nicht unglücklich damit.
Commander Bond, ich erwarte ihren Befehl!
Die meines Erachtens sinnvollste Neuerung ist der sogenannte "Commander Modus". Nicht zuletzt die vielen Spieler waren es, die sich bei den vorangegangenen Teilen über zu wenig Teamplay auf den öffentlichen Servern beschwert haben. Im besagten Modus übernimmt ein Spieler die Funktion des Kommandanten und hat somit Zugriff auf spezielle Befehle, wie beispielsweise das simple "Angreifen". Ein weiteres taktisches Schmankerl offenbahrt sich dem Außerwählten mit der praktischen Übersichtskarte, die dank Vogelperspektive einen noch besseren Einblick in das Kampfgeschehen bietet. Auf heiße Gefechte selbst muss der Commander allerdings nicht verzichten, und kann sich so Schulter an Schulter mit seinen Kumpanen in der Schlacht behaupten. Bei der Wahl des Commanders geht es übrigens ganz demokratisch zu: Zu Beginn einer Runde hat jedes Team die Möglichkeit, seinen eigenen "Rudelsführer" zu wählen und ihn, sofern sich der Squad einig ist, während des Gefechts blitzschnell wieder abzusetzen.
Mit Bits und Bytes in die Gegnerfights
Das neue Setting verlangt natürlich auch nach einer kompletten Umstrukturierung der Waffen. Gaben wir uns im Vorgänger noch mit alten Thompsons die Kugel, weint der treue Spieler angesichts des ultramodernen Waffen- und Fahrzeugarsenals Freudentränen.
Supermoderne Knarren gehören ebenso zur Ausstattung, wie schlagkräftig bestückte Kampfhubschrauber, Panzer und Landfahrzeuge. Den Booten schenkt man in "Battlefield 2" mehr Beachtung und auch die stationären Geschütze sollten nicht außer Acht gelassen werden. Mit einem modernen HUD, wärme- und computergesteuerten Raketen bietet "Battfield 2", auch wenn es ein wenig makaber klingt, in anbetracht der aktuellen Nah-Ost-Konflikte, die bisher realistischste Darstellung moderner Kriegsführung.
Auch die inneren Werte zählen!
Trotz des realistisch anmutenden Schnickschnacks steht natürlich der Spielspaß im Vordergrund. Diesen auf lange Zeit auf einem extrem hohen Niveau zu halten, ist DICE auch in "Battlefield 2" wieder einmal hervorragend gelungen. Zwar ist die Anzahl von zwölf mitgelieferten Maps nicht unbedingt zu hoch bemessen, jedoch gilt es zu bedenken, dass alle Schlachtfelder noch einmal für 16, 32 sowie 64 Spieler ausgelegt sind, wobei letztere Zahl die maximale Anzahl der Matchteilnehmer darstellt. Neben dem bekannten "Conquest Modus" haben die Entwickler auch in diesem Teil keine weiteren Modi eingeführt. Dank der absoluten Fokussierung von DICE auf diesen einen Spielmodus ist jedoch das Balancing, das Mapdesign sowie die Verteilung der Flaggenpunkte einmal mehr exzellent gelungen. Lange warten müssen wir wohl eh nicht, bis fleißige Modder an neuen Maps und Modi feilen - der versprochene Editor wird laut DICE in Kürze nachgereicht. Demnach stellen die in der Verkaufsversion mitgelieferten Maps und Modi zwar keinen neuen Umfangsrekord auf, doch stimmt in diesen Features jedoch nahezu jedes Bit und Byte.
Der Netcode von „Battlefield 2“ wurde verbessert, kann sich jedoch auch hier nicht von den betagten Kinderkrankheiten wie Rucklern und Lags lösen. Hier verschafft vielleicht ein Patch Abhilfe, eine ISDN- oder DSL-Verbindung ist vorbeugend zu empfehlen.
Klassengesellschaft?
Das absolute Kernstück bilden die sieben Klassen, aus denen der Spieler zu Beginn frei wählen kann. Die Special-Forces sind ganz auf den Frontalkampf getrimmt und können sich dank der Standard-MG, C4 Sprengstoff sowie durchschlagskräftigen Handgranaten auf dem Schlachtfeld gut behaupten. Wer lieber ein stinknormales Soldatenleben führen möchte, wählt den Sturmsoldat, welcher mit normaler MG, einer Pistole, Gewehr und Handgranaten ausgestattet ist. Nahezu unabkömmlich ist bisweilen der Scharfschütze geworden. Dank eines Tarnnetzes sowie der ultragenauen Waffenstreuung lässt sich mehr als nur ein entferntes Ziel treffen. Zugute kommt dem Sniper außerdem das Leveldesign, das dank vieler Schlupflöcher, Gräben und Häusern ein ideales Versteck bieten sollte. Wer sich lieber im Hintergrund hält, sollte sich als Pionier rekrutieren lassen. Bewaffnet mit ein paar Minen und vor allem mit dem Schraubensschlüssel hat dieser die Möglichkeit demolierte und zerstörte Fahr- oder Flugzeuge wieder auf Vordermann zu bringen. Keine Sorgen muss sich der Versorgungssoldat machen, der sich dank einer monströsen MG durchaus zur Wehr zu setzten weiß. In "Battlfield 2" haben die Entwickler endgültig von Munitionskisten und Co. Abschied genommen, sodass besagte Versorgungssoldaten eine wichtige Rolle im Bereich des Munitionsnachschubes spielen. Nachdem der Sanitäter in "Battlfield Vietnam" eine kleine Pause eingelegt hat, feiert er in "Battlefield 2" seine Rückkehr. Wegen fehlender Medipacks wird diese Klasse mehr denn je benötigt, um verwundete Kameraden die nötige Spritze zu verpassen.
Präsentiert das ... Spiel
Auch im jüngsten Spross der Battlefield-Reihe stimmt die Präsentation. Die von Grund auf überarbeitete Grafikengine unterstützt alle gängigen Grafikfeatures wie Bumpmapping oder die Shader-Technologie. Die detaillierten Spielermodelle sowie die realistisch anmutende Vegetation lenken dabei gekonnt von den teils etwas unscharfen Texturen ab. Derartige Schönheit hat jedoch auch ihre Preis: Um das Spiel in den höchsten Details genießen zu können bedarf es nicht nur einen Rechner jenseits der 2,5 GHz-Grenze, sondern auch einer gehörigen Portion Arbeitsspeicher sowie einer Grafikkarte der neusten Generation. Besitzer etwas älterer Systeme gucken in die Röhre oder verzichten zugunsten der Framerate mit einer Träne in den Augen auf das ein oder andere Grafikfeature.
Wie bereits in den Vorgängern stimmt auch der Sound - und wie. Derartig realistische Waffengeräusche habe ich noch nie in einem Spiel gehört. Explodiert neben mir eine Granate möchte ich dank meiner 7.1 Anlage am liebsten in den nächsten Schützengraben springen. Hier hat sich DICE wirklich ein hohes Lob verdient.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:


