"Möge die Macht mit dir sein!", "Luke - Ich bin dein Vater"! So manch einer fühlt sich bei derartigen Sätzen nahe dem Brechreiz. Zurecht: Kaum eine andere Lizenz wurde derartig oft und intensiv "ausgelutscht" wie die des Star Wars Universums. Auch im spielerischen Bereich konnten die hervorragenden Titel "Knights of the old Republic" oder "Star Wars: Battlefront" schnell zahlreiche Fans und Neueinsteiger begeistern. Mit Lucasarts' jüngsten Spross "Republic Commando" betreten die Entwickler Neuland: Erstmals Ballern mit Tiefgang? Warum aus dem versprochenen Taktikshooter doch eher ein Egoshooter geworden ist und warum euch mit diesem Titel das bisher beste Actionspiel dieses Jahres erwartet, erfahrt ihr im folgenden Review.
Einer unter Millionen?
Wer „Star Wars: Episode 2 - Angriff der Klonkrieger" kennt, weiß bereits worum es geht: Heimlich hat ein alter Jedimeister eine gigantische Klonarmee produzieren lassen. Diese besteht aus Millionen menschlicher Klone: Einer wie der andere,... oder? Dies dachten wir wenigstens bis jetzt. Star Wars: Republic Commando belehrt uns eines anderen. Als Spezialkommando, bestehend aus einigen eben dieser Klone, führen wir gefährliche Aufträge aus, die letztlich die große Invasion ermöglichen werden.
Mit unserem Delta Squad retten wir fortan außerirdische "VIPs", infiltrieren Gegnerbasen und sprengen ganze Raumschiffe in die Luft. Lucasarts’ Entscheidung, unsere Kollegen nicht als namenloses Kanonenfutter herhalten zu lassen, war Gold wert. Unsere Teamkameraden mit den Spitznamen "Fixer", "Sev" und "Scorch" schließen wir nach nur wenigen Spielminuten sofort in unser Herz - was nicht zuletzt an den mit Witz und Schlagfertigkeit gewürzten Dialogen hängt. Hier verdient sich die deutsche Synchronisation mehr als nur ein Lob.
There’s much to do, man ...
Das Spiel ist in insgesamt acht unterschiedlichen Szenarien angesiedelt. So wird in den 15 Missionen also einiges geboten. Anfangs befreien wir einen Wüsteplaneten von lästigen Viechern, schleichen uns in einen geheimen Stützpunkt und jagen letzten Endes eine ganze Druidenfabrik in die Luft. In dieser ersten Mission ist auch gleich das sehr gut gemachte Tutorial eingebaut, welches als solches eigentlich gar nicht wahrgenommen wird. Gut so, denn wie oft schon habe ich mich in öden Trainingsräumen gelangweilt vorangekämpft. In den weiteren Missionen retten wir unter anderem einen Wooki Anführer, kapern ein geheimnisvolles Raumschiff oder setzten letztlich zum finalen Akt an, der die große Kloninvasion einleiten wird. Besonders für Star Wars-Fans sind die Locations mehr als nur einen Blick wert: Schließlich ballert, befehlt und metzelt man sich unter anderem durch Originalschauplätze des zweiten, bzw. bald in die Kinos kommenden dritten Star Wars Filmes.
Die Level sind streng linear und lassen so die meisten spielerischen Freiheiten außen vor, das Leveldesign wiederholt sich leider des Öfteren. Auch im taktischen Bereich gibt es eher wenige "Ausweichmöglichkeiten". Mehr dazu jedoch im folgenden Absatz.
James, die Bombe bitte
Dass Lucasarts Star Wars: Republic Commando als reinen Taktikshooter anpries, kann man den Entwickler doch ein wenig übel nehmen. Wer also ein Spiel im Stile von "Rainbow Six" oder "Swat" erwartet hat, wird bitter enttäuscht werden. Vielmehr handelt es sich um einen Taktikshooter für Arme - oder besser ausgedrückt um einen Egoshooter, intelligent ergänzt mit sinnvollen taktischen Einlagen. Große Einarbeitungszeit ist also nicht nötig. Neben der üblichen, perfekt von der Hand gehenden Egoshootersteuerung, könnte das Befehlen nicht einfacher sein. Gelangen wir beispielsweise mit unserem Mauscursor über eine taktisch-relevante Stelle wie eine zu entschärfende Mine oder eine Mauer/Tür, der wir durch eine hübsche Bombe ein neues Aussehen verleihen wollen, reicht ein klick auf "f" und schon wird der jeweilige Befehl ausgeführt. Die einfache Bedienung schränkt die taktische Komponente also auf nur einige wenige Möglichkeiten ein, ist jedoch eine gelungene Bereicherung zum sich nach der Zeit ein wenig abnutzenden Gameplay.
Allerlei Ballerbrei
Bei den Wummen bietet Republic Commando solide Abwechslung. Somit beschränkt sich das Spiel nicht nur auf die zischenden Laserwaffen: Schrotflinten mit Projektilgeschossen sind ebenso vertreten wie Raketenwerfer, eine Art "Flammenwerfer" sowie das bewährte Scharfschützengewehr. Geht uns einmal die Munition aus, können wir weiterhin mit der recht schussstarken Pistole noch einiges ausrichten. Gut, dass sich diese immer wieder auflädt. Rückt uns ein Gegner einmal zu nahe auf die Pelle, haben wir außerdem die Möglichkeit ihm mit einem kräftigen Waffenschlag auf die Birne eine gehörige Beule zu verpassen oder wir entledigen ihn uns gleich mit dem im Handschuh eingebauten "Springmesser".
Altbewährter Star Wars Bombast
Das Spiel präsentiert sich, wie bei Star Wars Spielen gewohnt, in gekonnter Manier. Zum einen ist die nicht überragende, aber gute Grafik mehr als stimmig. Hierzu tragen die gekonnt eingesetzten Shader Effekte, die toll animierten Charaktere sowie die mit viel Liebe zum Detail eingebauten Kleinigkeiten bei. Wie auch bei anderen Spielen dieser Lizenz haben wir ebenso hier eher mäßig aufgelöste Texturen und manch eintönigen Abschnitt, von dem die Non-Stop-Action jedoch gekonnt ablenkt. Alles in allem zaubert die Engine also ein gutes Bild auf den Bildschirm.
In Sachen Sound spielt der Titel auf der höchsten Ebene mit. Die geniale Hintergrundmusik, die zwar altbekannte Star Wars Themes ersetzt, aber gekonnt neue Samples mit einbezieht, könnte auch in den Filmen nicht besser sein. Die Soundeffekte donnern gewaltig und lassen jeden Spieler, der einen Subwoofer sein Eigen nennt, vor Freude in die Luft springen.
Ein weiteres Lob verdient die vorbildliche Lokalisation. In der deutschen Version geht kein bisschen der gewitzten und toll gesprochenen Dialoge - und somit auch der Atmosphäre - verloren. Von mir an dieser Stelle also ein eindeutiges: "Hut Ab, Lucasarts". Den Sound Award habt ihr euch gehörig verdient.
Einzelgänger haben es besser
Der beigefügte Multiplayer Teil mag zu Anfang gar nicht so recht auffallen. Vielmehr würde ich diesen auch eher als nettes Beiwerk bezeichnen.
Hier habt ihr die Möglichkeit, in den Modi "Capture the Flag" sowie einer "Deathmatch"-Variante gehörig die Fetzten fliegen zu lassen. Leider erreicht der Mehrspielerteil nicht die Klasse und den Witz des Singleplayerparts, wirkt er doch eher ein wenig aufgesetzt als wirklich durchdacht. Wer jedoch einen kurzen Blick wagt, macht auch nichts falsch. Ein paar Stunden LAN- oder Online Action bietet der Multiplayerpart nämlich allemal - mehr jedoch auch nicht. Langzeitzocker greifen aber von vornherein zu Counter Strike...
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
