Es gibt Spiele, die liegen einem besonders am Herzen. Für viele war Half Life 2 sicherlich ein derartiges Spiel. Für mich persönlich nahm Pacific Assault diesen Platz ein. Knapp zwei Jahre habe ich die Entwicklung des Spiels verfolgt, eine eigene Fansite onlinegestellt und so ziemlich alle veröffentlichen Files dazu angesehen. Ob Pacific Assault überzeugt und nebenbei auch meine hohen Erwartungen erfüllen kann lest Ihr im folgenden Review.
Die andere Seite des Krieges
Simulieren andere kriegsbezogene Spiele wie „Call of Duty“ oder „Men of Valor“ den Vietnam- bzw. den Zweiten Weltkrieg (aus der Sicht der Europäer), so betritt Pacific Assault Neuland.
Im besagten Spiel kämpfen Sie sich weder durch Berlin noch durch Moskau, sondern spielen die wichtigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs im Pazifikraum nach. Als amerikanischer Marine „Tommy Conlin“ erleben Sie den filmreif umgesetzten Angriff auf Pearl Harbor, stürmen das Tarawa Atoll oder versenken ganze Flugzeugträger im Pazifik.
Ein Angriff der die Welt veränderte
Es ist 1941, ein normaler Tag auf dem amerikanischen Stützpunkt Pearl Harbor. Per Jeep werden wir zu unserem Quartier gebracht. Soldaten faulenzen in der Sonne oder flirten mit den ebenso gelangweilten Krankenschwestern. Wie aus dem Nichts tauchen erste japanische Kampfflieger über unserem Kopf auf. Was Sie in den nächsten Spielminuten erleben werden lässt sich zweifelsohne mit Kinogrößen wie „Pearl Harbor“ vergleichen: Machtlos versuchen wir per Maschinengewehr die Japanischen Jagdflieger vom Himmel zu holen – erfolglos. Neben uns fallen Kameraden, im Wasser schwimmen Hunderte von Leichen.
Der Pearl Harbor Level von Pacific Assault ist einer der großen Höhepunkte des Spiels. Durch die perfekte Inszenierung wird der Spieler von Anfang an in den Bann des Spieles gezogen.
Doch hier begehen die Entwickler bereits ihren ersten großen Fehler. Denn nach diesem bombastischen Einstieg wirken die nachfolgenden Aufträge im Dschungel eher öde. So müssen wir japanische Stützpunkte „säubern“, Dörfer zurückerobern oder Kameraden retten. Nachdem wir unsere anfängliche Euphorie ein wenig abgelegt haben, machen aber auch diese Levels wieder Spaß.
WWI + Story =?
Was mir persönlich sowohl in Call of Duty als auch in anderen Spielen dieser Thematik eindeutig gefehlt hat, war eine zusammenhängende Erzählung der Handlung. Wie oft schon wurde ich planlos von einem Ort in den Nächsten „gebeamt“.
Hier überrascht Pacific Assault positiv: Die Levelübergänge sind hier zwar auch relativ abrupt und eine tiefergehende Story vermisst man ebenfalls, doch die klasse animierten Cutscenes lassen das Spiel als ein großes Ganzes wirken, das in sich sehr stimmig wirkt.
Präsentation: 1+
Eines muss man EA wahrlich lassen: Auch der jüngste Spross der Medal of Honor Reihe schafft es eine messerscharfe Atmosphäre aufzubauen. Hier tut der realistische 5.1 Sound sowie die filmreife Musik ihr Übriges. Die Grafik ist zwar nicht auf dem Niveau aktueller Toptitel, sieht aber dennoch sehr ansehnlich aus. Shader Effekte und das durchdachte Leveldesign tragen maßgeblich dazu bei.
Kleine Innovatiönchen
Auch Pacific Assault erfindet sicherlich das Rad nicht neu. Viele Elemente wurden einfach aus dem Vorgänger „Allied Assault“ übernommen. Oft kommt die gute KI nur wenig zum Einsatz, da Sie einfach Horden von Gegnern wahrlich „ummähen“ müssen. Medipacks findet man in Pacific Assault übrigens nur in wenigen Leveln. In den restlichen Abschnitten versorgt uns der Medic, den man pro Level bis zu 4 mal herbeirufen kann.
Ein wenig unrealistisch aber wohl nicht anders möglich: Die Wichtigsten eurer Kameraden, quasi die „Hauptdarsteller“ des Spiels, können lediglich verletzt, aber nicht getötet werden – weder von den Gegnern noch vom Spieler selbst.
Erstmals in einem Teil der Medal of Honor Reihe kann man sich hinter das Steuer eines Jagdfliegers setzen, Schiffe bombardieren oder gegnerische Stellungen ausheben. Das Flugzeug selbst ist dabei äußert einfach zu steuern. Reine Egoshooter Fans werden hier also keinesfalls überfordert.
Auch Taktikfreunde sollten sich Pacific Assault näher ansehen. In einigen Abschnitten ist Anschleichen durchaus die bessere Lösung. Außerdem kann man auf Wunsch seine Kameraden mit einfachen Kommandos befehligen.
Alles in Butter, oder?
Leider schafft es Pacific Assault trotzdem nicht zum Toptitel. Schuld sind unzählige nervige Bugs, die oft die dichte Atmosphäre mit einem Schlag zerstören. So schweben Soldaten meterweit in der Luft, bleiben an Wänden hängen oder sagen fünf mal hintereinander das Gleiche. Auch die sonst gute KI setzt öfters mal aus: Gegner lassen sich teilweise ohne jegliche Gegenreaktion abschießen.