Der Adrenalinpegel steigt, nur noch wenige Meter, hinter und vor mir ist es ganz still, nur das sanfte Rattern der Zugkette ist zu hören. Kurz vor dem Fall hält jeder die Luft an - Es kann los gehen... Mit einer unglaublichen Geschwindigkeit rast die Achterbahn Richtung Erde und bringt uns buchstäblich auf den Boden der Tatsachen zurück. Wer selbst schon einmal Achterbahn gefahren ist, weiß wovon ich rede. Ähnliches kann jetzt auch am heimischen PC erlebt werden, da ihr euch in Ataris drittem Teil des Aufbauspiels "Rollercoaster Tycoon" nun auch endlich selbst in eure waghalsigen Konstruktionen schwingen dürft. Was sich noch alles im Vergleich zu den Vorgängern getan hat und ob sich der Kauf lohnt, lest ihr in unserem Review.
Zwischen Popcorn und "Full Time Job"
Der Name Rollercoaster Tycoon ist für alte "Aufbauhasen" sicherlich ein Begriff. Schon vor einiger Zeit sorgte der erste Teil der Serie für wahres Rummelfieber. Auch im dritten Teil der Reihe geht es darum, euren eigenen Freizeitpark zu bauen und zeitgleich den Posten des Managers zu übernehmen. Als "Mädchen für Alles" kümmert man sich nun um Anschaffung und Aufbau neuer Attraktionen, Finanzen, Wirtschaft und Sicherheit des Parks. Da bleibt wenig Zeit die wunderhübsche 3D Grafik zu bewundern - Mehr dazu aber später. "Rollercoaster Tycoon 3" bietet euch 18 Kampagnen in denen ihr bestimmte Ziele erfüllen müsst, wie beispielsweise das Erreichen einer gewissen Besucheranzahl. Im Sandkastenmodus habt ihr die Möglichkeit zeitlich unbegrenzt euren eigenen Park aufzubauen und beliebig mit Fahrgeschäften oder den unzähligen anderweitigen Objekten zu verfeinern. Wie es auch in realen Freizeitparks üblich ist, könnt ihr euch verschiedene Themenbereiche aufbauen. Im Angebot stehen Abenteuer, Western, Horror und Science-Fiction.
Ein Tag im Managerleben
Was haben wir nicht schon alles versucht: Als waghalsiger Held Gordon Freeman in Half Life 2 (fast) die Welt gerettet, oder als hemmungsloser Bleifuß in "Need for Speed Underground 2" die Straßen unsicher gemacht. Zeit, endlich einmal einen sinnvoll(er)en Job zu übernehmen. Also entschließen wir uns, unseren eigenen Freizeitpark zu eröffnen. Aller Anfang ist schwer - Bäume, ein kleiner See und viel, viel grüne Wiese sowie eine Hand voll Geld sollen uns zu Ruhm und Reichtum verhelfen. Ein Kettenkarussell, zwei Imbissbuden und circa 100 Meter befestigter Weg müssen für den Anfang genügen. Dass unsere ersten Besucher mit gelangweilten Kommentaren antworten ist ihnen nicht zu verübeln. Nach geraumer Zeit haben wir genug Geld in der Tasche und leisten uns unser erstes "großes" Fahrgeschäft. Unsere selbstgebaute Achterbahn verursacht aber eher Brechreiz als Freudenschreie. Hier sind also dringend etliche Korrekturen nötig. Nach einigen virtuellen Spieltagen kommt der "GameRadio Park" langsam in Schwung: Die Wartung unserer dato 20 Fahrgeschäfte läuft gut, Herr Clean hält den Park sauber und unsere überarbeitete Achterbahn ist der Publikumsrenner. Die abendliche Feuerwerksshow lässt auch den letzten skeptischen Besucher dahinschmelzen.
Voller Euphorie baue ich gleich an einer neuen Achterbahn. Frohen Mutes eröffne ich diese, dummerweise ohne Vortest, welcher mich über den kleinen Konstruktionsfehler aufgeklärt hätte: Nach einem kleinen Gefälle hüpfen die Besucher unabwendbar ihrem virtuellen Tod entgegen (Ragdoll sucht man hier vergebens). Ob das wohl das Ende unseres Parks ist...?
Gut platziert ist halb gewonnen
Das Spielprinzip hat sich im Gegensatz zu den Vorgängern nicht geändert. Wege und Attraktionen möchten gebaut, Mitarbeiter ein- und Besucher zufriedengestellt werden. Leichter gesagt als getan. Fahrgeschäfte müssen geschickt platziert werden, Wege sollten möglichst nicht im Nirwana enden. Werden die Fahrzeuge nicht gewartet, können sich Unfälle mit schwerwiegenden Folgen zutragen, wird der Park nicht regelmäßig geputzt, verkommt er zu Müllhalde. Auch beim Bau der Achterbahnen ist einiges zu beachten. So ziehen zu langweilige Achterbahnen generell wenige Besucher an, noch so verrückte, aber zu extreme Bauwerke betritt hingegen nur selten ein besonders mutiger Gast. Ausprobieren steht hier also an der Tagesordnung. Hierbei sollte man vor allem auch an die meist knappe Kasse denken.
Baust du noch oder fährst du schon?
Die Neuerung überhaupt gegenüber den Vorgängern ist die hübsche 3D Grafik. Endlich tummeln sich keine 2D Besucher mehr auf hässlichen 2D ISO Karten. Im Gegensatz: Die neue 3D Engine stellt unseren Park unglaublich detailliert dar. Wasser, Licht und Wettereffekte sind auf hohem Niveau. Obwohl bei den Besuchern, wohl aus Performancegründen, auf allzu viele Polygone verzichtet wurde, zeigen auch diese individuelle Gesichtsausdrücke und Verhaltensweisen. So springen auf der einen Seite begeisterte Besucher jubelnd in die Luft, während nur wenige Meter entfernt eine gestresste Mutter versucht, ihre nörgelnden Kinder ruhig zu halten.
Als ich vor einigen Jahren den ersten Teil der Reihe spielte war es ein nahezu unerfüllbarer Traum, seine Achterbahnen selbst ausprobieren zu können. Doch auch dies ist nun möglich. Aus verschiedenen Perspektiven könnt ihr viele eurer Fahrgeschäfte selbst antesten. Die Geschwindigkeit ist wirklich klasse umgesetzt und vermittelt echtes "Achterbahn Feeling". Was die Grafikengine noch alles leisten kann zeigen die wunderschön animierten Feuerwerke. Im integrierten "Feuerwerke Editor" könnt ihr euch eure eigenen professionellen Lightshows zusammenstellen. Unzählige Variationsmöglichkeiten lassen hier jedes Tüftlerherz höher schlagen.
Ich höre, also bin ich.
Der Sound in RCT 3 bewegt sich auf typischem Mittelmaß: Während ihr in den näheren Zoom Modi lediglich eure Fahrgeschäfte, Umgebungsgeräusche oder das rege Treiben eurer Besucher hört, lassen sich den einzelnen Fahrgeschäften verschiedene Sounds zuteilen. Nett: Auch eure eigenen MP3s können den Fahrgeschäften zugewiesen werden. Somit darf selbst an der Kinderkartbahn Metallica hemmungslos die Fetzen fliegen lassen...
Zeit ist Geld
Eines steht fest: Rollercoaster Tycoon 3 bietet unglaublich langanhaltenden Spielspaß. Immer wieder hat man Lust auf eine kleine, letztendlich dann doch größer ausfallende Runde. Wer einmal angefangen hat zu spielen mag gar nicht mehr aufhören.
Ausschlaggebend hierfür ist die enorme spielerische Freiheit: Das Terrain kann beliebig gestaltet und verformt werden, Wege können platziert, Fahrgeschäfte gebaut und Feuerwerke kreiert werden. Dabei ist hier noch lange nicht das Maß aller Dinge erreicht!
Auch das Verschönern des Parks mit unzähligen Bäumen oder Statuen macht, man glaubt es kaum, einen Heidenspaß. Zeit sollte beim Spielen von "Rollercoaster Tycoon 3" also zu genüge bereitstehen, da locker etliche Spielstunden vergehen bis Ihr Park so richtig gut läuft oder manch eine Kampagne gewonnen ist.