Zerbeultes Blech, realistisches Fahrgefühl und spektakuläre Crashes. Das „etwas andere Rennspiel“ Flatout mixt Altbewährtes mit Innovationen. Ob der Überraschungshit auf ganzer Line überzeugen kann, erfahrt ihr in den nachfolgenden Zeilen.
Die perfekte Mischung
Geschmeidig schlittert mein Wagen um die Kurve, noch wenige Meter und der erste Platz ist mir sicher... wäre da nicht dieser unscheinbare Hügel gewesen, der nicht nur mein frisch getuntes Auto, sondern auch meinen Fahrer um ein paar Beulen reicher macht.
Mit Flatout bringen die Entwickler von Bugbear endlich wieder Abwechslung in den Renn-Himmel. Schon längst habe ich mich mit den wenig innovativen und nahezu schon jährlichen Need for Speed Underground- sowie Colin Mc Rae Rally-Updates begnügt. Wie aus dem nichts überraschte da Flatout umso mehr. Dass die Entwickler wissen, wie man gute Rennspiele macht, haben sie in Vergangenheit schon mit ihrem Erstlingswerk „Rally Trophy“ bewiesen. Noch nie hat es ein Rennspiel geschafft, derart spaßige Rennen, satte Action und eine gewaltige Portion Realismus in einem perfekten Ganzen zu kombinieren. Auch die Physikengine muss sich keinesfalls hinter Mamas Schürze verbergen. Aber auf all das werde ich später eingehen.
Schau mir in die Augen ...
Grafisch ist Flatout durchaus beachtlich. Zwar hätte man sich bei den einzelnen Strecken mehr Abwechslung wünschen können, Texturen und Details sind jedoch allererste Sahne. So sieht das Eis auf den winterlichen Strecken fast schon unverschämt realistisch aus. Besonders kleine, aber liebevolle Feinheiten lassen das Herz jedes Grafikfanatikers höher schlagen. So hinterlässt unser Wagen im Schnee leichte Spuren, der heiße Asphalt schimmert in der brennenden Sonne oder Gräser wiegen sich sanft im Wind. Auch die Objekte am Levelrand sind keineswegs billige 2D Grafiken. So kleben an Häusern keine pixeligen Texturfenster, sondern gewähren dem Spieler durch das glänzende Glasfenster meist noch einen Einblick in das Innere der gemütlichen Stube. Auch die 16 Wägen fügen sich perfekt in die Streckenumgebung ein. Flatout hat seinen ganz eigenen Grafikstil – und das ist auch gut so.
Terminator 4?
Flatout bietet alten und neuen Rennspielhasen gleich mehrere Innovationen. Die wohl interessanteste ist das wirklich klasse umgesetzte Physikssystem. Somit gibt's pro Strecke bis zu 3000 Objekte, die sich zerstören, verschieben und beeinflussen lassen. Dies hat auch noch spielerisch Sinn. Bringen wir beispielsweise eine kleine Brücke geschickt zum Einsturz, blockieren fortan die einzelnen Teile die Strecke und werden so zu Hindernissen für unsere Gegner. Nebenbei wird bei solchen Rammel und Zerstörungsaktionen der Turbo des Wagens aufgeladen – der besonders im späteren Rennverlauf des Öfteren über Sieg oder Niederlage entscheiden kann.
Auch das brillante Schadenssystem sucht seinesgleichen. Nahezu jedes Teil des Wagens kann verformt oder weggeschleudert werden. Hier haben die Entwickler wirklich ganze Arbeit geleistet.
Sightseeing
Flatout bietet 5 Umgebungen (Stadt, Rennstrecke, Aschenbahn, Wald sowie Winter) mit insgesamt 36 Strecken. Das durchdachte Leveldesign und die detailverliebte Grafik halten die Motivationskurve oben. Die verschiedenen Fahrbahnbeläge unterscheiden sich auch spielerisch: So sollte man im Schnee mit häufigeren Drifts rechnen als auf greifendem Teer. Die 16 eher unspektakulären Rennkarossen erinnern unschwer an die meist in den USA vertretenen Stock Car Rennen. Ein paar ausgefallenere Fahrzeuge wären durchaus wünschenswert gewesen. Ähnlich wie bei Need for Speed Underground habt ihr die Möglichkeit, euren Wagen mit verschiedenen Teilen zu tunen. Dies fällt im Gegensatz zu NFSU jedoch eher unspektakulär und linear aus. Ein großer Pluspunkt für Flatout sind die ausgefallenen Minispiele. In einem der 6, teils ein wenig makaberen, Spielchen dürft ihr euren Crashtest-Dummy mit gezieltem Knopfdruck aus dem Wagen in eine Zielscheibe schleudern, oder euch ähnlich wie im Spiel „Destruction Derby“ Zerstörungsorgien in hübschen Stadien liefern.
Den Crashtest Dummy gibt es übrigens nur in der deutschen Version des Spiels. Außerlandes gilt es, „echte“ Homosapiens durch die Gegend zu schleudern.
Karrieretyp?
Kein Rennspiel ohne Karrieremodus. So darf auch in Flatout ein Rennen nach dem anderen absolviert sowie Strecken und Boni freigeschaltet werden. In insgesamt 3 Klassen (Bronze, Silber und Gold) dürft ihr euren Gegnern zeigen, wer der Boss ist. Während der Bronzemodus noch relativ leicht zu absolvieren ist, werden Neueinsteiger an den beiden nachfolgenden Klassen Silber und Gold sicherlich mehr als nur einen Frustmoment erleben. Hier ist das Spiel deutlich zu schwer. Eingefleischte Rennspielexperten werden trotzdem nicht mehr als 8 – 10 Stunden für das durchspielen aller Klassen brauchen.
KA – Künstliche Aggressivität
Auch das Fahrverhalten der Gegner kann sich sehen lassen. So agieren die Gegner durchaus intelligent und aggressiv. Drängeln, Rammen und Ausbremsen sind an der Tagesordnung. Meist folgen die Gegner jedoch strikt der Ideallinie. Wiederholt man ein Rennen des Öfteren, fällt einem außerdem auf, dass die Gegner oft an immer gleicher Stelle, in der immer gleichen Runde, das immer gleiche Objekt zum Einsturz bringen. Das macht die Konkurrenten teilweise berechenbar, fällt aber fast nicht auf.
Lass es krachen
Auch soundtechnisch macht Flatout einen guten Eindruck. Die fetzig/rockige Hintergrundmusik untermalt die guten Motor- und Umgebungsgeräusche passen. Leider bietet die durchaus gute Musik wenig Abwechslung und wirkt auf Dauer ein wenig nervig.
Multiplayer
Weniger gelungen ist der Multiplayermodus von Flatout. Hier können sich bis zu 8 Spieler entweder per Lan heiße Rennen sowie witzige Bonus-Matches liefern. Richtig Spannung will leider (noch) nicht aufkommen. Vielleicht wird ein Patch Besserung bringen...
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

