Jedes Team braucht einen Manager. Und zwar nicht nur auf dem grünen Fußballrasen sondern auch abseits von Bällen und Trillerpfeifen. Deshalb springen wir in die Bresche und leiten im “Radsport Manager 04/05" die Geschicke eines (Überraschung!) Radsport-Teams. Ob die aktuelle Version sich an die Gruppenspitze setzen kann oder auf der Strecke schlapp macht - lesen sie es in unserem Review.
Altbewährtes und neu geschaffenes
Ist es notwendig, bei jedem Spiel das Rad neu zu erfinden? Die Antwort lautet natürlich “Nein”. Und deshalb setzt Cyanide auf einen durchaus gelungenen Mix aus altbewährten Features aus dem Vorgänger und sinnvollen Neuerungen. Neu ist zum Beispiel, dass bei den Zeitrennen nun die Ausrüstung gemanagt werden muss. Oder Leistungsschwankungen während der Rennen. Oder auch die diversen Vorlieben verschiedener Fahrer für verschiedene Wetterbedingungen. All das soll dem Realismus und nicht zuletzt dem Spielspaß auf die Sprünge helfen. Auch am Management-Part und natürlich an Grafik und Sound des Spieles wurde gearbeitet. Zum ersten Mal ertönen nun während des Rennens Kommentare, wie man sie aus anderen Sportspielen gewöhnt ist. Wobei diese oft nur beschränkt hilfreich sind, beziehungsweise sich schnell wiederholen.
Training und Rennen
Logischerweise kann ein frischgebackener Manager seine Jungs nicht sofort ins Getümmel werfen. Bei Spielstart sollte man zuerst mal an Training und Ausrüstung denken. Letzteres ist natürlich lizensiert. Alle Räder, Helme und Gestelle tragen Original-Namen und glänzen im Original-Design. Sie werden gegen teures Geld erworben, um die fahrerischen Leistungen zu verbessern. Je nach Streckenverlauf (flach, hügelig) sollte man auf das richtige Equipment achten.
Doch selbst das teuerste Rad kommt nicht ans Ziel, wenn der Fahrer es nicht zu beherrschen weiß. Deswegen präsentieren wir unseren Schützlingen ein stramm geschnürtes Trainingspaket. Welche der 12 Fähigkeiten (wie Ausdauer, Bergfahrten, Regeneration oder Kopfsteinpflaster) vermehrt trainiert und somit verbessert wird, kann frei gewählt werden. Interessant auch der Formhöhepunkt: zwei mal im Jahr bringt jeder Fahrer Bestleistung. Geschickt gewählt kann man zu diesen Zeitpunkten ein Rennen für sich entscheiden.
Aber all das ist nur Vorarbeit, die geleistet werden muss. Ziel eines jeden Radfahrers sind natürlich die Rennen, inklusive Klassiker wie die Tour de France. Auch hier wurde gegenüber dem Vorgänger einiges verbessert - der Einfluss des Spielers ist nun größer. Auf Knopfdruck erhöhen die eigenen Fahrer die Trittfrequenz, starten Ausreißversuche, führen das Feld an oder schalten bei Ermüdung auch mal einen Gang zurück. Gute Planung und Timing sind das A und O im schicken 3D-Modus auf einer der über 180 originalgetreuen Etappen. Wer keinen Wert auf die Liveübertragung legt oder (trotz Zeitbeschleunigung) nicht die nötige Geduld besitzt, der kann alternativ das Rennen auch einfach berechnen lassen und sich an hoffentlich guten Ergebnissen erfreuen.
Technik im Test
Graphisch präsentiert sich der “Radsport Manager 04/05" solide, wenn auch nicht überragend. Die Menüs sind manager-typisch angeordnet, wenn auch teilweise ein wenig unübersichtlich. Am 3D-Modus gibt es wenig zu bemängeln. Durch die Originaldaten der Fahrer und Teams scheint eines leider unvermeidbar: in einer größeren Gruppe verliert man schnell den Überblick, wenn mehrere Fahrer gleichfarbige Trikots tragen. Glücklicherweise kann man über eine seitlich angebrachte Leiste jederzeit die eigenen Fahrer anwählen und Befehle erteilen.
Auch mit dem Sound gibt es keine Probleme, auch wenn die Hintergrundmusik nicht jedermanns Geschmack treffen dürfte. Was, wie immer, reine Geschmackssache ist. Auch für die Kommentare und Hintergrundgeräusche gilt: keine Meisterleistung, aber solides Mittelmaß. Praxisbezogen eben, wie fast alles am “Radsport Manager”.
Einsteiger-Warnung
Wer sich schon jetzt, nach Lesen dieses Tests auf das Spiel freut, oder wer mit Begriffen wie “Zeitfahren”, “USM-Rangliste” oder “Bergtrikot” etwas anfangen kann, der darf sich glücklich schätzen: er (beziehungsweise sie) gehört zur Zielgruppe des Radsport Managers. Wem es jedoch egal ist, ob die Farbe seines T-Shirts gelb, grün, blau oder gepunktet ist, der sollte sich den Kauf gut überlegen. Denn der Titel richtet sich eher an die bereits bestehende Fangemeinde des Radsports als an Manager-Zocker. Als Einsteiger hat man kein leichtes Leben. Hat man jedoch erst mal seinen Rhythmus gefunden, so freut man sich über viele Kontrollmöglichkeiten, sowie den Mehrspielermodus, der weltweit Spieler gegeneinander antreten lässt.