Schon im Juni 2008 kündigte Blizzard den lang erwarteten Nachfolger ihres Erfolgstitels Diablo an. Heute, knapp vier Jahre später, hat der Fürst der Finsternis nach zahlreichen Betaphasen, Neugestaltungen und Verschiebungen abermals auf den heimischen Computern Einzug gehalten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Diablo 3 ist tatsächlich genau wie der zweite Teil, nur verbessert. Lediglich mehr vom Guten? Nicht ganz. Wir verraten euch, was es mit dem Hype auf sich hat und welche Schattenseiten die Hatz auf den Herren der Unterwelt mit sich bringt.
Endlich ist es da! Das lange Warten hat ein Ende, genau wie Diablo selbst. Dem geht's nun endgültig an den Kragen. Es ist kurz vor 12. In wenigen Sekunden wird das Spiel freigeschaltet sein. Ich kann es kaum erwarten. Jetzt noch schnell Accountnamen und Passwort eintippen und... "Die Server sind aktuell ausgelastet."...
Ein Problem, das wohl vielen Fans der Serie in dieser Nacht äußerst sauer aufgestoßen ist. Scheinbar hat es Blizzard trotz jahrelanger Erfahrung im Onlinebereich, trotz lange im Vorfeld bekannter Verkaufszahlen und trotz Stresstests während der Betaphasen nicht geschafft, eine ausreichend starke Serverstruktur zu errichten. Selbst gute drei Wochen nach Release prangte die eben beschriebene Fehlermeldung und eine Vielzahl weiterer Probleme allabendlich über viele tausend Bildschirme. Weiterhin gibt es zur Zeit massive Probleme bei der Accountsicherheit. Ohne zusätzliche Maßnahmen wie Authentificator ist die Gefahr eines Accounthacks mehr als gegeben. Ein Unding: Wählt euer Passwort für den Login mit Bedacht. Aktuell verkennt
Diablo 3 in dieser Hinsicht die Groß- und Kleinschreibung.
Zurück daheim
Selbst nach knapp 12 Jahren Wartezeit verursacht die charakteristische Gitarrenmusik ein sehnsüchtiges Lächeln auf meinen Lippen. Endlich wieder daheim in Tristram,
Diablo 3 ist endlich erschienen. Behutsam führt uns Blizzard abermals in eine dem Untergang geweihte Welt ein. Die Geschichte: Bekannt. Sowohl Höllenfürst Diablo als auch die anderen Ober-Übel sehnen sich nach Zerstörung. In der Rolle als einer der letzten noch verbliebenen Nephalem, einer eigentlich bereits ausgestorbenen Rasse, stellt ihr euch als Barbar, Hexendoktor, Dämonenjäger, Magier oder Mönch den Herrscharen der Unterwelt entgegen. Über drei Akte hinweg schreitet die Zerstörung der Welt immer weiter voran, während es im vierten und letzten Spielabschnitt gilt, den hohen Himmel selbst vor dem Exodus zu retten.
Wie schon die ersten beiden Teile kann die eigentliche Geschichte hinter dem Spiel keinen Oskar für die beste Handlung gewinnen, ist aber durchweg unterhaltsam. Auf euren Reisen findet ihr immer wieder Tagebücher und Pergamentrollen, die die Hintergrundhandlung und die Protagonisten näher beleuchten. Highlight sind, damit steht
Diablo 3 seinen Vorgängern in nichts nach, die herausragend animierten Zwischensequenzen am Ende eines jeden Aktes. Sowohl in Sachen Vertonung, als auch bei den Animationen suchen diese Videos in Sachen Qualität und Inszenierung ihresgleichen.
In der Suchtspirale
Gleiches gilt für das Gameplay. Der bereits in den ersten beiden Teilen herausragende Spielfluss wurde weiter verbessert. Tatsächlich kann es durchaus passieren, dass ungesehen Stunde um Stunde vergeht, bis man schließlich mit erschrockenem Blick auf die Uhr starrt und feststellt, das man bereits lange zuvor ins Bett gegangen sein wollte. Es ist sehr interessant anzusehen, mit welch' einfachen Mitteln es Blizzard gelungen ist, das Spielerlebnis dermaßen zu perfektionieren. Angefangen von den Heilkugeln, die von Gegnern fallengelassen werden und dem Helden, gleich einem Heiltrank, sukzessive die Lebensbalken auffüllen, bis hin zu dem Umstand, dass gewöhnliche, nichtmagische Gegenstände nahezu kein Gold mehr in die Kasse spülen beim Verkauf. So ist der Gang zur Stadt zum Entleeren des Rucksacks weit weniger von Nöten. Auch das Town Portal, die Abkürzung zur Stadt, wurde im dritten Teil überarbeitet. Das Tragen von entsprechenden Schriftrollen ist nicht mehr erforderlich. Habt ihr ein spezielles Level erreicht könnt ihr jederzeit den Shortcut zur Stadt nutzen. Gleiches gilt für das Identifizieren von besonderen Gegenständen. Ein schlichter Rechtsklick reicht und schon wenige Sekunden darauf enthüllen sich die Geheimnisse des potentiell wertvollen, meist jedoch nutzlosen, Ausrüstungsstücks.
Das kann ich nicht gebrauchen
Genau dieser Punkt wird vorrangig Gelegenheitsspielern wenig gefallen. Diablo ist tot, es fallen acht Gegenstände, drei davon mit Attribut Einzigartig. Reibt sich der Spieler während der Identifizierung der Kleinode noch die Hände, kommt in der Regel schon kurz darauf die Enttäuschung. Ein Zauberstab, nur für Magier, Stärke und Geschick als Attribute auf der Waffe. Was soll ich denn damit anfangen? Wie schon im Vorgänger sind die Boni und Fähigkeiten auf den Ausrüstungsgegenständen zum großen Teil zufällig. Einerseits eine tolle Sache, ist so doch die Anzahl der möglichen Gegenstände schier grenzenlos. Auf der anderen Seite höchst ärgerlich, da nur ein Bruchteil der gefundenen Beute wirklich verwendet werden kann.
Mit Ausnahme einiger weniger Gegenstände ist die Wahl der Waffe und Rüstung für jeden Helden unabhängig vom jeweiligen Typ. Ein Magier kann ebenso mit Zweihandaxt oder Schwert und Schild in den Kampf ziehen, wie der Barbar oder Mönch es könnte. Entscheidend sind einzig und allein die Werte der Ausrüstung und die bevorzugte Spielweise. Defensive Spieler erfreuen sich dank Schild eines hohen Rüstungswertes und können so entschieden länger mitten im Kampfgeschehen verbleiben.
Die Qual der Wahl
Nicht nur die Wahl der Gegenstände, sondern auch die der Fähigkeiten sollte an die präferierte Spielweise angepasst sein. Dabei schreibt
Diablo 3 keiner Klasse eine spezielle Rolle vor. Barbaren können selbstverständlich sowohl als Tank via Schild oder Doppel- oder Zweihandbewaffnung gehörig Schaden austeilen. Bei Magier und Dämonenjägern ist der hohe Damage-Output bereits Legion. Tatsächlich ist es auch sinnvoll möglich diese Rollen rein defensiv zu spielen. Es ist sehr unterhaltsam als Magier in der vordersten Reihe zu stehen und Welle um Welle zu brechen.
Jede Klasse besitzt eine Vielzahl von Fähigkeiten und Boni. Diese müssen jedoch vor Kampfbeginn festgelegt werden. Neben den Tasten Zifferntasten von eins bis vier werden weiterhin auch die linke und rechte Mauttaste mit entsprechenden Fähigkeiten verlinkt. So entsteht trotz simpler Bedienung ein moderat komplexes Spielsystem, das dank der großen Auswahl an Boni durchaus eine angenehme taktische Tiefe entwickelt. Auch nach etlichen Stunden entdeckt man durch Kombination verschiedener Fähigkeiten stets neue Mittel und Wege, um dem Gefolge des Herrn der Dunkelheit das unheilige Leben zu erschweren.
Veraltet, doch lebendig
Gleich verhält es sich mit der Spielwelt von
Diablo 3. Auch nach mehrmaligem Durchspielen gibt es, nicht zuletzt dank zufällig zusammengestellter Dungeons, immer wieder etwas neues zu entdecken. Durch die schiere Detailvielfalt ist es den Entwicklern gelungen, das Beste aus der veralteten Grafikengine heraus zu holen. Rudimentäre Physikeffekte und schön anzusehende Licht- sowie Schattenspiele lassen kaum mehr Wünsche offen. Untermalt durch einen teils bekannten Soundtrack und authentisch klingenden Soundeffekten erscheint die Spielwelt sehr lebendig und glaubwürdig.
Warenwirtschaft und Onlinezwang
Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat Blizzard Mitte Juni endlich das Echtgeld-Auktionshaus nachgepatcht. In dem Einkaufszentrum können User die im Spiel gefundenen Gegenstände für harte Euro über die virtuelle Theke wandern lassen. Zu Release ein eher lächerliches Unterfangen, werden doch hochstufige Ausrüstungsteile zu sündhaft teuren Preisen angeboten. Erst in den kommenden Wochen ist damit zu rechnen, dass sich dort ein adäquater Markt herausbilden wird. Aufgrund der hohen Dichte der sogenannten Chinafarmer werden die Gegenstände jedoch vermutlich bald einem rapiden Preisverfall unterliegen. Selbstverständlich kann die erhaltene Beute auch weiterhin in der Ingame-Währung an den Mann gebracht werden. In der Praxis allerdings sind dort nur wenig brauchbare Gegenstände verblieben.
Eines der größten Mankos von
Diablo 3 ist die Online-Pflicht. Erst wenn ihr via BattleNet-Account auf die Server eingeloggt habt, kann das fröhliche Monstermetzeln beginnen. Ärgerlich, wenn es dabei zu Verbindungsstörungen oder gar Verbindungsabbrüchen kommt. Insbesondere im Hardcore-Modus, wo der Tod, egal auf welche Weise dieser vonstatten geht, das endgültige Aus bedeutet.