Die Tschechen von Amanita Design stehen seit ihrem Adventure-Hit »Machinarium für oldschoolige, aber äußerst unterhaltsame Adventure-Spiele mit vielen eigenen Ideen und einem ganz eigenen Stil und Charme. Auch ihr aktuellstes Projekt namens Botanicula steht dem in kaum etwas nach, auch wenn es sich hierbei weniger um ein Adventure als vielmehr um ein Entdeckungsspiel handelt. Wir haben uns in das Geäst des Indie-Spiels gewagt.
Fünf Freunde, das sind wir...
Fünf Freunde, allesamt Bewohner eines riesigen Baumes, müssen ihre Heimat retten. Einige Kreaturen haben es nämlich auf die Samen des Baumes abgesehen, als Mahlzeit. Doch ein einziger Samen wird davongeweht, entkommt ihren gierigen Mäulern und landet eben bei unseren fünf Freunden. Die machen sich nun gemeinsam auf die Reise, immer verfolgt von den fiesen Viechern, die den Samen gerne verspeisen würden.
Schon in den ersten Spielminuten fällt auf, dass
Botanicula kein Adventure wie jedes andere ist. Es gibt, von einer eigenen Lautsprache mal abgesehen, keine Sprache, mit der sich die Protagonisten, deren Antagonisten und andere Baumbewohner verständlich machen oder euch Tipps geben könnten. Entsprechend seid ihr auf zwei Grundprinzipien beschränkt: Erforschen und Ausprobieren. Moment, schrieb ich da gerade "beschränkt"? Das ist schon eine ziemliche Untertreibung, denn gerade darauf baut
Botanicula. So stehen, nach dem wunderschön anzuschauendem Intro, die fünf Baumretter etwa direkt von einem großen Problem: Ein riesiger Klumpen versperrt ihnen den Weg. Um hier weiterzukommen, sind Federn nötig - und um diese zu finden, geht es in die umliegenden Gebiete des Baumes.
Auch das ist typisch für
Botanicula: Die Lösung für ein Problem ist in der Regel nur wenige Bildschirme entfernt, eine große Inventar-Verwaltung ist daher meist gar nicht nötig. Da es keine großen Hinweise gibt, wie ihr vorzugehen habt, solltet ihr einfach mal ausprobieren, was passiert, wenn ihr mit der Maus auf ein beliebiges Objekt - ein Blatt oder ein kleiner Zweig - klickt. mitunter bringt euch das der Lösung eures Problems näher, ganz häufig allerdings löst ihr nur irgendetwas aus, was eure Umwelt lebendiger wirken lässt. Ein paar Klicks auf einen kleinen Trieb des Baumes und plötzlich wachsen dort Blüten, die von fleißigen Bienen besucht werden. Oder ihr deckt hinter dem Blattwerk verdeckte Tiere auf, die manchmal dann auch noch etwas machen. So entdeckt ihr bereits in einem der ersten Bildschirme einen Käfer hinter einem Blatt, der sich mit jedem Klick hinter einer anderen Deckung vor euren Blicken verbirgt. Dabei trägt er immer mehr Früchte mit sich herum, bis es mal ein Halloween-Kürbis ist, mit dem er unter euch stehen bleibt. Klickt ihr diesen nun an, leuchtet er, führt einen Käfer in die Irre und ihr bekommt eine Sammelkarte von eben diesem Käfer. Die nutzt euch zwar nichts und ist nur für eure Sammlung, aber es sind solche Details, die
Botanicula aus der Masse der Spiele herausstechen lassen.
Keine Erklärung, lustige Lösungsversuche
Manche Rätsel lassen sich nur lösen, indem ihr die individuellen Fähigkeiten eurer Protagonisten einsetzt. Hier zeigt sich dann auch die größte Schwäche im Gameplay von
Botanicula: Nichts wird euch erklärt, alles muss selbst rausgefunden werden. So landet eine der eingangs erwähnten Federn hinter einigen dunklen Gestalten, die eure Gruppe vertreiben. Nun könnt ihr jeden eurer fünf Charaktere mal anklicken und schauen, wie sie versuchen, das Problem auf ihre Art zu lösen. Schaffen kann es nur einer, in dem Fall: Mr. Twig, ein Zweigwesen. Der geht nämlich einfach unter den Kreaturen am Baum entlang und holt sich die Feder. Dennoch sind die Versuche der anderen Gruppenmitglieder durchaus lustig anzusehen - ihr verpasst also einiges, wenn ihr auf Anhieb die richtige Lösung findet.
Immerhin gibt es auch eine Karte - standesgemäß in
Botanicula natürlich auf einem Blatt. Das Geäst ist aber eigentlich nie so unübersichtlich, dass ihr die Orientierung verlieren könntet. Und trotz mangelnder Erklärungen gibt sich
Botanicula sehr zugänglich: Jede Aktion lässt sich durch bloßes Klicken auslösen - es gilt eben nur auszuprobieren und rausfinden, was gerade verlangt ist. Wenn ihr den Mauszeiger über den Bildschirm wandern lasst, erhaltet ihr eigentlich immer ein Feedback. Entweder rascheln Blätter oder ihr bekommt einen anderen Mauszeiger, der signalisiert, dass ihr dort klicken könnt, um etwas auszulösen. Dennoch: Eine Hotspot-Funktion hätte manche Absuch-Orgien des Bildschirms erspart.
Organisch, atmend... wundervoll
Wie schon
Machinarium läuft auch dieses Spiel im Flash-Player. Wer allerdings ein simples Spielchen mit Facebook-Look erwartet, sollte umdenken. Die Welt von
Botanicula ist, wir erwähnten das bereits, ungemein lebendig. Der Baum wirkt mit all seinen Bewohnern und versteckten Spielereien sehr organisch. Das macht
Botanicula zu einem der wohl entspannendsten Adventures überhaupt. Statt ümständlicher Inventar-Bastelei steht hier das Erforschen und Ausprobieren im Vordergrund. Und das zündet: Schnell ertappt man sich bei der Suche nach anklickbaren Blättern, Ästen oder Tierchen. Und oft genug ist genau das auch möglich und löst etwas aus, was dann wieder einfach nur schön ist. Wenn jemand behauptet, Games sind eine Kunstform, dann meint er Spiele wie
Botanicula. Die Bezeichnung "Kunst" verdankt das Spiel - neben seinem bestechend einfachem Grafikstil, der gleichzeitig voll liebevoller Details steckt - auch dem Sounddesign: Jede Szene ist mit natürlichen Klängen unterlegt, die wirklich das Gefühl vermitteln, in der freien Natur unterwegs zu sein. Das Summen von Bienen etwa. Oder das Rascheln der Blätter. Und all das ist unterlegt mit der sehr atmosphärischen Musik der tschechichen Indie-Band DVA. Der Soundtrack liegt übrigens der Erstauflage des Spieles direkt bei.