Kenner spielen auch heute noch gerne die technisch völlig altbackene Wirtschaftssimulation Airline Tycoon, da Szenario und Thematik bislang einzigartig im PC-Segment geblieben sind. Das Erstlingswerk von Spellbound brachte das Tagesgeschäft an einem Flughafen fluffig und spielerisch ansprechend rüber. Der zweite Teil versucht sich jetzt mit einem neuen Entwickler erneut daran, den Spielspaß mit einem frei begehbaren Flughafen und jeder Menge Ironie zu transportieren. Ob das gut geht erfahrt ihr im Test.
Unterhaltung pur?
Im zweiten Teil des
Airline Tycoons wird von Anfang an eines klar: Ohne den überzeichneten Humor geht hier gar nichts. Die sächselnde Mitarbeiterin im Personalbüro, der schwule Stylist, der Flughafenchef, welcher an den Paten höchstpersönlich erinnert und einige weitere Beispiele stellen uns schon zu Beginn auf die Probe. Eins vorneweg: Der
Airline Tycoon 2 wird nicht jedermanns Sache sein, allein wegen seines klischeehaften Humors. Nicht nur, dass die Personen fast allesamt schrill dargestellt werden, selbst in den Dialogen bringen die Protagonisten viele Schenkelklopfer, die sich meist auf Vorurteile und Klischees berufen. Wer dafür etwas übrig hat, der wird sich im Spiel gleich willkommen geheißen fühlen. Alle anderen Spieler dürften sich schnell abgestoßen vorkommen.
Flughafenalltag
Ihr übernehmt die Rolle von einem der vier kauzigen Charaktere, die am Flughafen bittere Konkurrenten sind und jeweils eigene Boni mitbringen, wie etwa ein Rabatt auf Kerosin. Nach den kurzen, aber informativen, Tutorialaufgaben steigt ihr auch schon in die erste Mission ein. Das Ziel zu Beginn lautet 80 Prozent Kundenzufriedenheit zu erreichen. Um überhaupt den ersten Flug erfolgreich durchführen zu können, müssen einige eingeübte Arbeitsschritte abgerattert werden. Zuerst stattet ihr dem Flughafenchef einen Besuch ab, um eine Flugroute zu mieten, welcher ihr im Büro auf der Weltkarte ein Flugzeug zuteilt - gesetzt den Fall, ihr besitzt bereits eines.
Wenn nicht, genügt der Gang in den nahegelegenen Hangar, wo Flieger erstanden werden können, doch dazu später mehr. Um jetzt losfliegen zu können, wird die Mitarbeiterin im Personalbüro befragt, ob sie neue Bewerber auf ihrer Personal-Liste hat. Zum Flugantritt werden, Flugzeug-abhängig, nämlich zwei Flugbegleiterinnen (manchmal auch mehr) und zwei Piloten benötigt. Sind diese dem Flug zugeteilt, kann es auch schon losgehen mit der Reise. In einem Zeitplan legt ihr nun schlußendlich noch die Flüge fest, wobei ihr auch auf regelmäßige Wartungen achten solltet.
Klickorgie
Solange es bei einer Handvoll Reiserouten bleibt, geht die Bedienung in
Airline Tycoon 2 noch locker-flockig von der Hand. Bei mehreren Dutzend Flügen klappt die Verwaltung dann aber nicht mehr ganz so flüssig, da die Navigation durch die Menüs mit einer wahren Klickorgie verbunden ist. Nicht nur bei der Flugplanung tut einem schnell der Zeigefinger weh, generell müssen wir uns durch zig Menüs klicken, um überhaupt erst zum richtigen Menü zu kommen. So müssen stets die Mitarbeiter angesprochen werden, ein paar belanglose Aussagen durchgeklickt werden und erst dann erscheint der gewünschte Bildschirm. Zwar lassen sich die Dialoge überspringen, doch wenn wir dies immer wieder machen müssen, nervt es einfach. Wer den Flughafenguide aus dem nahen Shop ersteht, darf immerhin die auf Dauer nervigen Laufwege überspringen und direkt zum Zielort wechseln.
Kaufen und Gestalten
Im Hangar bekommen wir unsere Flieger her, das heißt hier schustern wir sie nach unseren Vorlieben zusammen. Je nach gewähltem Bauteil verbessern oder verschlechtern sich die Werte, wie Kerosinverbrauch, Sitzplatzanzahl oder Wartungskosten. Natürlich sind bessere Bauteile, die unseren Flieger aufwerten, mit Mehrkosten verbunden, die sich ums ein und andere mal aber auszahlen. Außerdem können auch gebrauchte Flugzeuge zu einem günstigeren Preis erstanden werden. Allerdings solltet ihr dann auch die Zusatzkosten für Reperatur und einen neuen Anstrich im Auge behalten.
Damit die Flugzeuge bei den Touristen einen wohligen Eindruck hinterlassen und gleichzeitig euer Image steigt, ist es notwendig, einige Veränderungen an einem neu gekauften Flugzeug durchzuführen. Ein Karl Lagerfeld-Imitat hilft, den passenden äußeren Anstrich des Metallvogels zu finden. Aus vorgefertigten Design-Vorschlägen könnt ihr eure Wunschoptik auswählen und mit der Innenraumgestaltung weiter machen. Dort gibt es viel zu tun, denn ihr könnt aus vielen verschiedenen Bauteilen entweder einen Economy-Flieger oder aber einen Airbus mit schicker Business-Ausstattung konstruieren. Auch hierbei solltet ihr die Kosten der jeweiligen Objekte bedenken.
Gelungene Präsentation
Grafisch macht der
Airline Tycoon 2 keine Bruchlandung, auch wenn es heutzutage, insbesondere in Sachen Menüs, deutlich hübschere Titel gibt. Die Gestaltung des Flughafens hingegen ist gelungen und wartet mit einigen kecken Details auf. So besitzt der Protagonist ein "Birnen-Phone" oder kann im Klamotten-Laden aus "Gulli"-Produkten wählen. Diese Art von Humor schlägt sich wie bereits in der Einleitung geschrieben ebenfalls in der Vertonung nieder, welche durchaus ihren Charme hat, aber insgesamt arg übertrieben daherkommt.