Ghandi hat einst gesagt, dass Feinde einen erst belächeln, dann bekämpfen und am Ende man selbst den Sieg davon trägt. Zumindest beim Agrar Simulator 2011 haben wir mindestens die zweite Stufe erreicht. Denn zuerst haben wir noch über die Schwemme der Alltagssimulationen als Core-Gamer gelacht, dann tauchten diese an der Spitze der Verkaufscharts auf. Ende 2010 wurde diese Ackerbauern-Sim hier als verbuggt und unspielbar wieder vom Markt zurückgerufen, weil einige Käufer auf die Barrikaden gegangen waren. Jetzt im dritten Anlauf muss also folgerichtig der Sieg über alle Core-Gamer folgen. Warum es trotzdem ein unterdurchschnittlicher Titel geworden ist, lest ihr jetzt.
Sinn des Lebens?
Über Sinn oder Unsinn der Lebens-Simulationen habe ich nun wirklich in zahlreichen anderen Tests in diesem Genre gerätselt. Deswegen sei an dieser Stelle nur angemerkt, dass auch jüngere Semester sich dem Simpel-Gameplay dank niedriger Hardware-Anforderungen auch an Papas ollem Büro-Rechner einigermaßen flüssig widmen können. Ansonsten braucht es schon eine Portion Kindheitserinnerungen, um als Anwalt, Dachdecker oder Spieleredakteur begeistert virtuell auf das landwirtschaftliche Gefährt aufzusteigen. Jedoch frage ich mich, ob ein realer Familienausflug auf den Bauernhof für alle Beteiligten von jung bis alt nicht vielleicht mehr Sinn macht. Denn bereits in den ersten Spielminuten fällt mir die lieblose Aufmachung von Mutter Natur auf. Die Umgebungsgrafik rund um euer Gefährt schwankt zwischen Standbild mit matschigen Texturen bis zu animierter GIF-Grafik inklusive abgehackten Bewegungsabläufen. Naja, zumindest wackelt das Getier ab und zu auch mal mit dem Kopf, so dass man weiß, dass der PC nicht abgestürzt ist und man sich noch mitten im Spielablauf befindet.
Selbst ist der Bauer
In diesen werdet ihr vom
Agrar Simulator 2011 übrigens einfach so hinein geworfen. Gut, bei einer Alltagssimulation sollte man ohnehin kein aufwendiges Renderintro mit Orchester-Untermalung erwarten, aber ein Tutorial hätte doch niemandem geschadet. Also fragt man sich erstmal in seiner virtuellen Existenz, warum man überhaupt existiert und was nun zu tun ist. Egal, bei einer Landwirtschafts-Smulation geht es ums Traktor fahren, und dazu muss man erstmal zu einem Bauernhof in der Ferne. Dort angekommen wird allerdings schnell klar, dass es sich hierbei nur um ein paar Polygon-Gebilde in der Landschaft handelt. Viel Interaktion ist damit nicht angesagt. Außer man versteht darunter Clipping-Fehler, durch die man auch mal mitten im Haus landen kann.
Einige Zeit später haben wir dann tatsächlich herausgefunden, wie sich Gerätschaften und Saatgut erwerben lassen. Also ist das Spielziel der reine Konsum. Das ist leider keine gekonnte Kritik am Kapitalismus, sondern beweist nur, wie lieblos die Entwickler versuchen, Publishern wie Rondomedia ein Stückchen vom Simulations-Kuchen abzuknöpfen.
Auch 20 € sind zu viel
Meistens kann der geringe Preis noch ein paar Wertungspunkte herauskitzeln, doch leider nutzt das hier auch nichts. Oder seid ihr bereit einen hart verdienten Geldschein dafür auszugeben, dass ihr in einer statischen Landschaftskulisse mit den WASD-Tasten sinnlos herumfahren könnt? Nein, da nutzen auch die lizensierten Modelle der Firma Claas nichts - hier kann man gar von unvorteilhaftem Product Placement sprechen, zumindest für den Gerätehersteller. Die Konkurrenten des
Agrar Simulator 2011 bieten für das gleiche Geld schon längst Aufträge, rudimentären Verkehr oder zumindest Spielgeräusche. Hier leistet sich das Spiel aber in allen Bereichen einen Totalausfall und durchbricht sogar die niedrige Messlatte der diversen Simulationen ins Bodenlose. Wer nach dem Test hier immer noch zugreift, ist selber schuld. Mein Tipp: Statt frustrierend sinnlos virtuell Lebensmittel abzuernten, spendet das Geld besser für Afrika, damit dort echte Lebensmittel für notleidenden Menschen gekauft werden können.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
