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GEMINI RUE: VERSCHWÖRUNG AUF BARRACUS
 Test von Sven Reisbach (22.09.2011) Artikel-Feed (RSS) abonnieren
Genre:Adventure Publisher:Daedalic Entertainment
Termin:24. August 2011 Entwickler:Wadjet Eye Games

Wer dachte, die Glanzzeiten der Point & Click-Adventures seien vorbei, wird in letzter Zeit immer häufiger eines Besseren belehrt. Zuletzt erfuhr das Genre mit »Edna bricht aus und »Harveys neue Augen eine neuerliche Auferstehung. Während diese beiden Exemplare jedoch eher aberwitzige Abenteuer waren, kommt mit Gemini Rue ein kleines Projekt auf den Markt, das euch in die Niederungen der Zukunft führt. Wir haben der Gefahr getrotzt und eine Zukunfts-SciFi-Crimestory der Extraklasse erlebt!


Eine Zukunfts-SciFi-Crimestory


Gemini Rue spielt im Jahr 2228. Nach einem kurzen Intro, in dem einem Gefangenen an einem unbekannten Ort scheinbar das Gedächtnis gelöscht wird (fühlt sich noch jemand an Flashback erinnert?), finden wir uns in der regnerischen Kolonie Barracus wieder. Neben dieser gibt es im Gemini-System auch noch weitere Siedlungen sowie einen Nebel, den jedoch nur wenige Raumschiffe zu durchfliegen wagen. Ein Mann im Trenchcoat wartet auf einen Bekannten, einen Kontakt, der sich mit ihm treffen wollte. Doch dieser erscheint nicht. Zeit, eigene Nachforschungen anzustellen.

Ihr habt es sicherlich schon vermutet: Dieser Mann im Trenchcoat ist der Hauptcharakter von Gemini Rue. Ursprünglich hiess das Spiel übrigens mal Buryokudan Rue, zu dem Zeitpunkt handelte es sich bei dem Werk allerdings noch um eine reine Freizeit-Entwicklung. Durch die Hilfe von Wadjet Eye Games wurde daraus das Spiel, das Daedalic nun in deutscher Sprache auf den Markt bringt. Der Name des Mannes ist jedenfalls Azriel Odin, viel mehr Information wird zunächst nicht preisgegeben. Er bleibt damit so undurchsichtig und im Schatten wie der Grund des Treffens und auch, was da im Intro eigentlich genau vorgefallen ist. Ab hier übernehmt ihr nun die Rolle von Azriel und macht euch erstmal auf die Suche nach Hinweisen zum Verbleib eures Kontaktes.

Dabei geht ihr genreüblich vor: Ihr sucht den Bildschirm nach Objekten ab, mit denen ihr interagieren könnt und... nunja, tut dies eben. Eine Hotspot-Funktion gibt es nicht, was sich noch an manchen Stellen als schwieriges Hindernis bei der Lösung der Aufgaben erweisen wird. Zu Anfang erscheinen immer wieder kurze Hilfetexte auf dem Bildschirm, die euch die grundsätzliche Bedienung erklären sollen. Dennoch solltet ihr euch die Zeit nehmen und euch kurz ein wenig selber mit allem vertraut machen.


....kommt doch eh alles aus Taiwan!

Die Rätsel sind allesamt durchaus logisch, erfordern allerdings aufgrund der fehlenden Hotspot-Funktionalität einiges an Geduld. So tritt Azriel zu Beginn von Gemini Rue mal nach dem nahestehenden Terminal, kommt jedoch ohne ID-Karte nicht an die Daten heran. Nach einem Gespräch mit einem Händler, einen Bildschirm von ihm entfernt, hat sich der Schnüffler eine solche Karte besorgt und Zugriff auf das Terminal, wodurch er den Wohnort von Matthius (seinem Kontakt) erfährt. Dieser landet im Kommunikator - ein wichtiges Ermittlungsinstrument. Informationen lassen sich zwischen Terminals und Kommunikator abgleichen. Wirklich eingängig ist das System nicht, hat man aber mal verstanden, wie es funktioniert, wird das Handy zu einem mächtigen Werkzeug. Da Azriel in die Wohnung von Matthius nicht hereinkommt, führt der Weg eben über den Balkon einer Nachbarwohnung. Von deren Tür erhaltet ihr eine Stange, die dort zum Schutz vor Einbrechern angelegt war. Mit ihr schlagt ihr die Scheibe der Balkontür ein. Warum die Stange dort steckenbleibt und nur nach einem Tritt die Öffnung der Tür gestattet, ist fraglich. Kaum im Inneren angekommen, hört ihr auch schon jemanden herankommen.

Konfrontation? Scheidet aus. Hier wird Gemini Rue dann ein wenig hektisch: Sucht ihr die Wohnung ab, scheidet alles als Versteck aus, die Unbekannten stürmen herein und ihr seid sofort tot. Was bleibt ist die Flucht auf den Balkon - doch lasst ihr die Tür geöffnet, kommen eure potenziellen Killer aus der Wohnung heraus und ihr sterbt ebenfalls. Solche hektischen Passagen, in denen ihr schnell entscheiden müsst was ihr tun wollt, gibt es noch einige im Spiel.

Eine weitere Ausnahme im Genre der Point & Click-Adventures stellen die Baller-Einlagen in Gemini Rue dar. Richtig gelesen: Ab und an kann es zu Feuergefechten mit euren Gegnern kommen. Holt euer Charakter die Pistole raus, steuert ihr per Tastatur. In der Deckung könnt ihr nachladen und seid sicher, zum Schießen jedoch müsst ihr diese Deckung verlassen. Mit der "A"- und der "D"-Taste wechselt ihr schnell die Position, mit der Leertaste wird die Waffe abgefeuert. Durch Druck auf die "Strg"-Taste ladet ihr eine Leiste auf, um euch auf euren Schuß zu konzentrieren. Ein präziser Treffer kann euch einiges an Munition sparen. Und die ist ein kostbares Gut und kann nur an wenigen Stellen gefunden werden. Und ja, ihr könnt bei diesen Auseinandersetzungen tatsächlich sterben. Was durchaus häufiger passiert, weswegen in der Regel vor einer solchen Sequenz erstmal ein Autosave angelegt wird.

Später übernehmt ihr auch die Rolle des Häftlings aus dem Intro, welcher sich parallel zu Azriel seinen Weg durch die Geschichte des Spieles bahnen muss. Wie er heisst, weiss er wegen der ständigen Löschung seines Gedächtnisses selbst nicht mehr, die Stimme aus dem Lautsprecher nennt ihn jedoch Delta-Six. Er scheint einen Plan ausgeheckt zu haben, aus dieser Anstalt zu fliehen - nur muss er sich eben daran wieder erinnern. Bis dahin gilt es, den Tagesablauf organisiert zu kriegen und möglichst nicht weiter aufzufallen. Dabei steuert er sich genauso wie Azriel. Zwischen den beiden Charakteren könnt ihr im späteren Verlauf dann auch nach Belieben hin- und herschalten.


Zurück in die (Technik-)Vergangenheit

So spannend die Geschichte von Gemini Rue auch sein mag: Die Technik kann da nicht mithalten. Die Auflösung ist auf 640x400 Bildschirmpunkte festgelegt und nicht änderbar. Das kann man sich als Retro-Stil schönreden und es trägt auch ein wenig zur düsteren Atmosphäre bei. Dennoch: Zeitgemäß ist das, gerade angesichts anderer Hobby-Entwicklungen, wie etwa dem kostenlosen »Zak McKracken: Between Time And Space, sicherlich nicht. Auch einige Bugs gibt es zu sehen, meist im Zusammenhang mit dem deutschen Bildschirmtext. So werden in einigen Texte die Umlaute nicht korrekt angezeigt. Auch Fehler bei den Bezeichnungen können auftreten. So etwa bei Einträgen im Kommunikator: So liefert der Eintrag "Kenneth treffen" plötzlich Infos zu einem Treffen mit Matthius, bevor es zu den richtigen Daten kommt. Bei einem späteren Mal wurde daraus eine lange Bezeichnung, "Nummer von Kenneth f", die die Begrenzung des Kommunikator scheinbar überschritt. Das ist noch recht harmlos, auch wenn es mitunter den Wiedereinstieg nach längerer Pause erschwert. Schlimmer wiegen da einige Bugs, die ein Weiterspielen unmöglich machen. Gerade der Wartungsraum in Center 7 ist ein Paradebeispiel dafür: Hier kann Delta-Six teilweise schweben, eine spätere Sequenz triggern und vieles mehr. Wieso das noch nicht gefixt ist, bleibt fraglich.

Zwar enthält die Disk von Gemini Rue sowohl die deutsche als auch die englische Fassung, installieren lässt sich aber nur eine der beiden. Eine Auswahl der Sprache im Spiel selber ist nicht möglich. Der Soundtrack (bestehend aus 27 Tracks im Ogg-Vorbis-Format) wird in einen Unterordner kopiert, im Spiel oder bei den Verlinkungen im Startmenü findet sich kein Hinweis darauf. Weder die Dateien selber noch das Verzeichnis beinhalten ein Cover, auch eine Playlist-Datei sucht ihr vergebens. Nur anhand der angehängten Infos in den Dateien lässt sich die korrekte Abspielreihenfolge ermitteln.

Im Hauptmenü des Spieles könnt ihr auch noch einen Entwickler-Kommentar dazuschalten. Tut ihr dies, findet ihr überall in der Welt anklickbare Recorder, in denen Macher Joshua Nuernberger Einblick in die Entwicklung des Adventures gibt. Allerdings nur in englischer Sprache, die Bildschirmtexte dazu sind jedoch in Deutsch gehalten.

Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:






Die Grafik ist sicherlich nicht die Stärke von Gemini Rue. Und doch: Sie passt - lässt man sich einfach mal drauf ein - wirklich stimmig zum Rest des Spieles. Düster, undurchsichtig und schmutzig - so präsentiert sich die Welt und so ist die Geschichte, welche die wahre Stärke des Adventures ist. Die Gameplay-Mechaniken funktionieren tadellos, auch wenn die Shootouts und hektischen Abschnitte schnell mal Frust und Ratlosigkeit aufkommen lassen können. Hilfen wie eine Hotspot-Anzeige sucht man zudem vergebens. Das ist verschmerzbar, da die Rätsel im Allgemeinen durchweg logisch aufgebaut sind - nur entgeht einem schnell mal ein Detail.
82%
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70%


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Pro:
düsterer Stil, der gekonnt Film-Noir und Science-Fiction mixt
spannende Geschichte mit einigen Twists
klassisches Gameplay im Retro-Look
Schusswechsel fügen dem Genre ein Action-Element hinzu

Contra:
geringe Auflösung von 640x400
deutschem Text fehlen ab und an Sonderzeichen
Wechsel der Sprache nicht möglich
Soundtrack lieblos beigelegt


Offizielle Website:
 Wadjet Eye Games



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