Wann ist der richtige Zeitpunkt, ein Spiel zu testen, dass sich laufend weiterentwickelt? Schwer zu sagen. Seit nunmehr einem ganzen Jahr erfreut Star Wars Galaxies (liebevoll SWG genannt) nun die Spielerherzen. Während dieser Zeit hat sich viel verändert, so wie sich auch in Zukunft noch einiges ändern wird. Da aber nun das Weltraum-Addon “Jump To Lightspeed” in greifbare Nähe rückt (geplante Veröffentlichung: Ende Sommer, Anfang Herbst 2004) wird es endlich Zeit, dass sich Game-Radio des Themas annimmt.
Statten wir also unserem Protagonisten Hike DelLama einen kleinen Besuch ab.
Wer bin ich?
Nach der Installation und der Anmeldung bei SOE (Sony Online Entertainment) gehts erst mal ab zur Charaktergenerierung. Hier wählen wir von einer der neun Spezies aus: Human (menschlich), Rodian (eine seltsame Spezies mit großen Ohren und Augen, sowie Fühlern), Mon Calamari (der evolutionäre Nachfahre des Karpfens), Bothan (eine kleine Spezies, die sich wohl nicht entscheiden konnte, ob sie Mensch, Hund oder Kamel werden sollte), Wookie (Chewabacca lässt grüßen), Twi’Lek (menschenähnlich, mit großen Wülsten am Kopf), Trandoshan (geschuppte Echsenwesen) oder Zabrak (teuflisch gehörnt und tätowiert). Auch das Geschlecht und die körperlichen Merkmale wie Hautfarbe, Größe, Gewicht, Augenfarbe, Haarfarbe, Frisur, Nasenlänge, um nur ein paar zu nennen, wollen ausgewählt werden. Vor- und Nachname komplettieren unseren Charakter. Fast...denn wie auch im echten Leben, so muss man auch in SWG seinen Lebensunterhalt verdienen.
All work and no play makes Hike a dull boy...
Und dazu stehen insgesamt 32 Berufe zur Auswahl - 6 Grundberufe und 26 sogenannte “Elite Professions”, die man erst erlernen kann, wenn man einen Grundberuf oder Teile davon beherrscht. Hike DelLama entscheidet sich dafür, als Brawler, also Nahkämpfer zu beginnen. Alternativ wäre auch noch der Artisan (Handwerker), Marksman (Fernkämpfer), Entertainer (nun ja, Entertainer eben), Medic (Mediziner) oder Scout zur Verfügung gestanden.
Im späteren Spielverlauf wird er jedoch (was er jetzt noch nicht weiß) zum Bio Engineer mutieren, einer der fortgeschrittenen Berufe (die da wären: Architect, Armorsmith, Bio Engineer, Bounty Hunter, Carabineer, Chef, Combat Medic, Commando, Creature Handler, Dancer, Doctor, Droid Engineer, Fencer, Image Designer, Merchant, Musician, Pikeman, Pistoleer, Ranger, Rifleman, Smuggler, Squad Leader, Swordsman, Tailor, Teras Kasai Artist, Weaponsmith sowie die Politician). Dazu kommt der geheimnissumwobene Beruf des Jedi, den nur die wenigsten je erlernen werden...
Gut gemacht: keine dieser Klassen ist unabhängig oder nutzlos. Der beste Rifleman geht zu Boden, wenn ihn der Waffenschmied nicht mit Gewehren beliefert oder der Doktor ihn heilt. Und nach harten Kämpfen ist ein Besuch in der Cantina von Mos Eisly oder Coronet nötig, um auch seelisch wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Der dafür zuständige Tänzer steht ohne passendes Outfit vom Schneider ziemlich blöd da. Und dieser wiederum benötigt Ressourcen, die ihm unter anderem ein Scout oder Ranger liefert...und so weiter und so fort...
Des weiteren ist die gesamte Wirtschaft spieler-basiert. Das bedeutet: Waren können weder von NPC’s gekauft, noch an diese verkauft werden. Wer also an Geld kommen will, der muss sich dem Gesetz von Angebot und Nachfrage unterwerfen. Das führt leider oft dazu, dass man als Anfänger kaum etwas herstellen kann, dass auch gekauft wird. Im Gegenzug kann es auch passieren, dass man “schlechtere” Ausrüstung erst gar nicht findet, da sich die Produktion kaum auszahlt. Im großen und ganzen funktioniert es allerdings besser als man befürchten könnte.
Nach einer kurzen Einführung in die Spielmechanik werden wir von einem imperialen Raumschiff auf Tatooine abgesetzt und sind frei zu gehen und zu machen was immer wir möchten.
So ganz allein ist’s auch nicht schön
Aber haben wir nicht etwas vergessen? Genau - SWG ist ein MMORPG, ein Online-Rollenspiel mit Tausenden von Spielern. Und ganz auf sich allein gestellt ist das Leben nicht nur langweiliger, sondern auch verdammt hart. Glücklicherweise finden sich schnell Spieler, die mit Rat und Tat, manchmal auch mit ein paar Credits oder Items zur Seite stehen (an dieser Stelle möchte ich noch einmal herzlich allen danken, die mir beim Einstieg geholfen haben. Besonderer Dank gilt dabei Xardas...ich halte dein Speederbike noch immer in Ehren). Also suchen wir uns eine Jagdgesellschaft um Bekanntschaft mit der hiesigen Flora und Fauna zu machen...vor allem mit letzterem...und lassen ein paar Wildtiere kalten Stahl, heißes Blei oder unsere Fäuste schmecken.
Aber so eine Jagdgesellschaft hält nicht ewig. Eine richtiges Zuhause findet man dann in einer der vielen PA’s (Player Alliance) und ihren Städten (in Hike DelLama’s Fall war das die schöne Stadt Sunny Hills auf Corellia, in Besitz der Rising Sun Crew. Kommt, besucht Sunny Hills! *gg*). Hier fängt dann das Spiel so richtig an süchtig zu machen, wenn man in die Spielergemeinschaft integriert wird.
Die helle und die dunkle Seite
Das Leben steckt voller Entscheidungen, auch in SWG. Und eine der größten Entscheidungen ist es wohl, welcher Seite des Bürgerkrieges man sich anschließen möchte. Dies geschieht, indem man Missionen für Rebellion oder Imperium erledigt und sogenannte “Faction Points” erntet, mit denen man sich dann einen höheren Rang erkaufen kann. Natürlich setzt sich der Krieg auch im PvP (Player versus Player - also Kampf zwischen Spielern) fort. Jeder, der sich zu seiner Seite bekennt (im Spiel “overt” genannt) ist von Gegnern angreifbar. Um dies zu verhindern kann man jedoch auch verdeckt operieren (“covert”). Damit bleibt man unangreifbar, bis man selbst einen Spieler oder NPC der gegnerischen Fraktion attackiert.
Jabba gegen Langeweile
Jetzt, nachdem sich Hike DelLama ein wenig eingelebt hat, Freunde gefunden, Geld verdient und sich der Rebellion angeschlossen hat, wird ihm langsam ein wenig langweilig (wobei man beachten muss, dass dies mehrere hundert Stunden Spielspass waren, bevor die Langeweile aufkam). Also packt er seine sieben Sachen (Rüstung, Waffen und Medikamente) und beschließt, sich ein wenig in Jabba The Hutts Palast umzusehen - von den Entwicklern originalgetreu nachgebaut, inklusive Folterreaum für Droiden, Rancor-Käfig und sexy Tänzerinnen. Leider lassen ihn die Türsteher nicht so einfach passieren. Bis man freien Zugang zum großen Boss persönlich hat müssen einige Missionen erledigt werden. Diese bestehen meist darin, irgend jemanden aufzusuchen und dessen Leben drastisch zu verkürzen oder ein bestimmtes Item abzuliefern oder abzuholen. Nicht sonderlich abwechslungsreich, aber in eine nette Geschichte verpackt, die so richtig Star-Wars-Flair aufkommen lässt. Zudem bekommen wir einige nette Gegenstände ins Inventar gestellt.
Solche “Themenparks” gibt es über alle 10 Planeten des SWG-Universums verstreut. Manche können von jedem erledigt werden, andere sind Fraktions-abhängig (Rebellen-/Imperialer Themenpark, in denen man es dann auch mit Star-Wars-Größen wie Prinzessin Leia oder Darth Vader persönlich zu tun bekommt). Zusätzlich finden sich an jeder Straßenecke NPC’s, die irgendeine Aufgabe bereithalten, sei es nun für Credits oder Gimmicks, oder einfach zum Spaß. Wer sich mehr an der Erkundung des Universums erfreut, der wird auch nicht enttäuscht. Denn viele der in den Filmen vorkommenden Schauplätze sind auch im Spiel wiederzufinden, sei es nun die Farm von Luke Skywalkers Onkel oder der kaiserliche Palast auf Naboo. Insgesamt kann gesagt werden, dass der Wiedererkennungswert ziemlich hoch ist. Ob beim Einzelnen dabei das Star-Wars-Feeling so richtig greift, ist natürlich Ansichtssache.
Blendend unterwegs
Nach so viel Informationen zum Inhalt des Spieles wird es nun aber Zeit, sich ein wenig dem Technischen und der Spielmechanik zu widmen.
Grafisch kann sich SWG natürlich nicht mit aktuellen Solo-Spielen messen, was aber für ein MMORPG auch völlig verständlich ist. Trotzdem kann man die Grafik mit gutem Gewissen als sehr gut bezeichnen. Umgebung, Objekte und Charaktere sind allesamt liebevoll designt worden. So manches mal zieht man das Speederbike dem Shuttle vor, nur um mit Höchstgeschwindigkeit in den Sonnenuntergang fahren zu dürfen. Auch die Animationen, von denen man viele, wie salutieren, grüßen,...selbst auslösen kann, sind durchweg gelungen. Die Kamera ist frei dreh- und kippbar, gezoomt werden kann bis in die Ego-Perspektive.
Soundtechnisch gesehen ist alles einwandfrei. SWG unterstützt EAX3, bietet also vollen Surround-Sound. Eindrucksvoll, wenn hinter dem Rücken der Spielfigur plötzlich jemand seinen Landspeeder vorfährt und das Röhren der Motoren alles andere übertönt. Als akkustischer Pluspunkt muss auch der Beruf des Musikanten anerkannt werden. Selten, dass man in einer Cantina zweimal das selbe Lied zu hören bekommt. Was allerdings nich so positiv zu werten ist: ausser bei Kämpfen und besonderen Gelegenheiten fehlt Hintergrundmusik. Unverständlich, da die Star-Wars-Saga doch auch durch ihren herausragenden Soundtrack berühmt wurde. Ausserdem klingt so mancher Schmerzensschrei doch eher nach etwas, dass man eher im Bett in trauter Zweisamkeit von sich gibt...
Die Grund-Steuerung ist schnell gelernt, hier hilft auch das Tutorial ein gutes Stück weiter. Weitergehende Funktionen, wie die meisten Textbefehle, das Erstellen von Macros (Kommando-Folgen) und ähnliches werden leider weder im Spiel selbst noch im (heute durch viele Änderungen ziemlich veraltetem, trotzdem noch immer nützlichem) Handbuch erläutert. Glücklicherweise ist die Community gut genug, so kann man durch Fragen im Spiel oder in diversen Internet-Foren alles gewünschte erlernen.
Fazit:
Schwer zu sagen. Verdammt schwer zu sagen. Ganz einfach weil sich das Spiel laufend weiterentwickelt. Manche dieser Änderungen sagen einem zu, manche weniger. Und dass vieles im Spiel, wie zum Beispiel Rollenspiel-Events, von den Spielern selbst veranstaltet und geleitet wird verstärkt dieses Wechselbad der Gefühle natürlich noch mehr. Klar ist es mir nicht recht, wenn ich hunderttausend hart verdiente Credits für eine Rüstung hinblättern muss. Aber das ist das Gesetzt der freien Marktwirtschaft...
Sehr gut gelungen, und für mich eines der Hauptmerkmale, ist das Berufs-System, dass einem völlige Freiheit lässt. Ein Kämpfer kommt genauso auf seine Kosten wie ein eher sozial veranlagter Spieler, ein Händler oder Handwerker. Jeder, egal wie er nun spielen möchte, findet seinen Platz im Universum. Und da man nicht alles auf einmal erlernen kann ist man immer von anderen abhängig. Mag im ersten Moment vielleicht nicht so toll klingen, erhöht im Endeffekt aber Realismus, Spielspaß und verhindert, dass Hardcore-Spieler zu absoluten Übermenschen werden.
Natürlich könnte man hier jetzt viele Kritikpunkte aufführen. Fehlender Inhalt für niedrige und mittlere Level, sowie für Nicht-Kämpfer wäre einer davon. Zumindest momentan. Aber wenn man den Versprechungen der Entwickler Glauben schenkt, so wird in näherer Zukunft auch dieser Mangel ausgebessert.