Jeder Monat steht im Zeichen eines Blockbuster-Titels, über den sich die Spiele-Presse die Finger wund schreibt. Diesen Monat ist es völlig zu Recht »Deus Ex: Human Revolution, wo es ganz im Sinne der legendären Serie um düsteren Cyberpunk und augmentierte Körperteile geht. Doch im Schatten der ganzen Berichterstattung sollten wir nicht einen anderen Geheimtipp vergessen: Auch hier geht es um fehlende Organe, allerdings sind dies die Augen eines Plüschhasen namens Harvey. Wieso das trotzdem für alle Fans des gepflegten Adventures ein Pflichtkauf ist, verraten wir euch in unserem Test.
Edna bricht nicht wieder aus
Gaming-Veteranen haben bereits jetzt schon ihren Kauf besiegelt, wenn sie hören, dass die Macher von
»Edna bricht aus hier dessen Universum fortgesetzt haben. Eine direkte Fortsetzung des skurrilen Abenteuers ist der Teil zwar nicht, es geben aber viele bekannte Figuren aus dem Erstling, der keiner ist, ihr Stelldichein.
Müsste man die Geschichte rund um die neuen Augen von Harvey mit nur einem Wort beschreiben, dann ist "unkonventionell" die richtige Wahl. Bereits zu Anfang fällt der schräge Humor, gepaart mit der exzellenten Vertonung, auf. Der Titel nimmt sich nämlich zu keiner Sekunde des Spiels wirklich ernst. So schwafelt der Erzähler zu allererst davon, dass er uns lieber etwas von einem riesigen Roboter-Opossum erzählt hätte. Zum Glück hat er es nicht getan, denn die Geschichte um das bravste Mädchen der Welt mit Namen Lilli ist wirklich gute Adventure-Kost.
Zwischen Genie und Wahnsinn
Bereits bei der Grafik beweisen die Entwickler, dass es nicht immer den Kauf neuer Hardware bedarf, um den vollen Spielspaß aus einem Spiel zu kitzeln. Fast schon schlicht wirkt der Zeichenstil der Kulissen, durch die wir uns klicken. Doch wie ein Donnerschlag durch die kindlich naive Grafik zuckt es, wenn die heile Welt der minderjährigen Protagonistin ins Wanken gerät. Wir wollten doch niemanden töten – und weil das auch die kleinen lieben Gnome wissen, pinseln diese im wahrsten Sinne des Wortes auch von Deckenbalken baumelnde Leichen rosa an. Ihr ahnt also schon richtig, dass im Anfangsszenario der Klosterschule nur der Vermutung nach alles im Reinen ist.
Das Rätseldesign von
Harveys neue Augen ist ausgefuchst, überwiegend logisch und macht Lust auf mehr. So wird von der menschen- und vor allem kinderverachtenden Oberin des Klosters ein Psychologe zu Rate gezogen, um die lieben Kleinen dort wieder in die vermeintlich richtigen Bahnen zu lenken. Die ebenfalls im Kloster lebende Edna verkriecht sich natürlich prompt unter der Decke und überlässt uns die Aufgabe die Spuren ihrer Anwesenheit zu verschleiern. Dabei ist sehr angenehm, dass entgegen dem Vorgänger der Kombination von Items ein Riegel vorgeschoben wurde. Manche Rätsel sind etwas knackig geraten, aber für unterhaltsame 12 Stunden Gesamtspielzeit ist so oder so gesorgt. Und es ist immer wieder lustig, wenn die Charaktere Lilli unterbrechen, wobei die arme Kleine das komplette Spiel kaum einen Satz herausbekommt.
Wo Licht ist, da ist auch Schatten
Klar gibt es auch einige Bugs zu vermerken und die Hotspot-Anzeige per Leertaste ist auch nicht immer die Aussagekräftigste. Aber zum Glück geht es in dem Spiel vielmehr um die seelischen Abgründe des Hauptcharakters als um spielerische Tiefpunkte. Skurril wird nämlich das ganze Szenario erst recht, wenn wir in die kindliche Psyche von Lilli eindringen und versuchen ihr Neurosen zu lösen. Kein Wunder, denn durch ihre Tollpatschigkeit dezimiert sich die Zahl der Lebenden um sie herum regelmäßig.
Wer sich also abseits der ganzen auf Grafik fokussierten Schießerei aus der Ego-Perspektive auch einem genauso abgedrehten wie liebenswürdigen Adventure inklusive gelungener Vertonung, skurillem Setting und jeder Menge schwarzem Humor widmen kann, der legt sein Geld gut an. Und wer jetzt anderer Meinung ist, der bekommt bald Besuch von Lilli selbst und wird vermutlich bald von der Decke baumelnd von kleinen Gnomen rosa angestrichen.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
