Eine realistische Simulation des Alltags deutscher Polizeibeamter? Das ist selbst im Line-Up des auf derartige Simulationen spezialisierten Publishers Rondomedia eine Besonderheit. Geht das Experiment spielerisch in Ordnung oder gehört Entwickler Quadriga Games dafür hinter Schloss und Riegel? Wir haben keine Mehrfach-Schichten im Auftrag der Gerechtigkeit gescheut, um das für euch herauszufinden.
Abseits von Baggern und Bauerhöfen
Einem verhältnismäßig ernsten Thema widmet sich der Titel hier, wenn wir uns die Szenarien der zahlreichen anderen Alltags-Simulationen anschauen. Denn dort dreht sich alles um Baumaschinen, Bauernhöfe oder Bahnfahren. Doch bereits das kurze Intro gibt sich action-orientiert in bester
Alarm für Cobra 11-Manier und davon gibt es ja schon einige passable Versoftungen.
Wir benennen zunächst mal ein gemischtes Polizei-Doppel mit Namen und stürzen uns in den simulierten Alltagstrott. Dabei fällt auf, dass der Mann mit Schlagstock und Dienstwaffe hantieren darf und die Beamtin im Gegensatz dazu ganz unrealistisch mit Kelle und Tränengas auskommen muss. Und das im Zeitalter, wo das weibliche Geschlecht sich auch in die Berufsarmee der Bundeswehr einschreibt. Beim ersten Blick fällt dann positiv die nachgebildete deutsche Großstadt-Umgebung auf. Hier und da fahren nicht-lizensierte Karossen herum, die ihre Designvorbilder bei Bentley, Mercedes oder Audi haben. Steht dann auch mal der Ferrari-Klon an der falschen Straßenecke, dann rufen wir einfach den gelben ABAC an und schon ist der Luxus-Schlitten in Verwahrung genommen. Ihr habt übrigens richtig gelesen, denn es hat sich kein Schreibfehler bei den vermeintlichen Gelben Engeln eingeschlichen.
Leider wirkt die Großstadt durchweg menschenleer und trist. Da stört es dann auch niemanden mehr, wenn wir unsere Radarfalle mitten auf einer Kreuzung aufbauen, denn belebt ist diese sowieso nicht. Bereits beim angegrauten
GTA 3 war also um einiges mehr los als in
Polizei. In Sachen Polizei-Arbeit verfügen wir über einen intelligenten PDA, mit dem wir die ahnungslosen Passanten nur kurz durchleuchten müssen, um die Zivil-Bevölkerung von den Schwerkriminellen unterscheiden zu können. Und erstaunlicherweise sind die Bürger so kriminell wie ein Gotham City ohne Batman. Gefühlt jeder zweite Fußgänger hat also eine Strafakte. Wen wundert es da noch, dass wir einen Menschen auf offener Straße niederschießen und der darauf folgende Passant einfach um den Angeschossen herum läuft? Unser Blaulicht nimmt deswegen sowieso keiner mehr zur Kenntnis. Auch der weitere Spielablauf an sich ist nichts anderes als ein getarntes Endlosspiel, woran wir wegen der sich ständig wiederholenden Elemente bald die Lust verlieren. Eine Story um aufregende Autobahnverfolgungen oder organisierte Diebesbanden sucht ihr hier vergebens.
Unfreiwillig komisch
Für richtige Lacher sorgt
Polizei dann aber doch noch – leider auf der technischen Seite. Habt ihr den ABAC beordert und dieser kann den Ort des Geschehens nicht erreichen, dann nutzt er einfach sein Lasso um den Wagen einzufangen. Genauso verhält es sich beim Rettungswagen, der auch abseits des Unfalls zum Halten kommt und der Verletzte dann auf die Trage des Rettungspersonals gebeamt wird. Genauso lächerlich ist die Wegfindung unseres Streifen-Kollegen, der konsequent an Hindernissen hängen bleibt, wie auch die Tatsache, dass unser Streifenwagen – übrigens ein BMW M3 – per Knopfdruck auch selber vorfährt. Wer kennt das nicht, dass die Polizisten nach einer harten Schicht bei der Sippe über ihr schlaues Smartphone schwärmen, die hohe Kriminalitätsrate verfluchen und dabei schimpfen, dass das Einzige, das sie über den Tag bringt die zahlreichen Clipping- und Wegfindungsprobleme ihrer Kollegen sind.
Polizei-Stadl statt S.W.A.T.
Wer jetzt also an selige
S.W.A.T.-Zeiten zurückdenken will, wo versucht wurde ein realistischeres Bild der Sondereinsatzkommandos zu zeichnen, der wird bitter enttäuscht. Hier verbirgt sich hinter einer deutschen Grafik-Fassade ein altbackenes Endlosspiel, das recht wenig mit dem Alltag der Streifenbeamten zu tun hat. Einzig und allein die vielen Bugs heben den Titel aus der Masse hervor, denn wenn wir harmlose Zivilisten willkürlich in den Knast stecken können und wir nach Überfahren eines Passanten nur kurze Zeit vom Dienst suspendiert werden, dann bleibt in der mittlerweile blauen deutschen Polizei-Uniform kein Auge trocken. Vom ABAC und Rettungsdienst will ich erst gar nicht anfangen. Ob euch dieser Polizei-Stadl allerdings rund 25 Euro wert ist, entscheidet ihr besser selbst.