»Colin McRae: DiRT 2 überzeugte uns vor gut zwei Jahren im Test. Dennoch gab es Kritikpunkte: Die Fans der Rennspielserie bemängelten, dass es zu wenig Rallye-Events gibt. Im Vorfeld versprach Codemasters deshalb, dass mit DiRT 3 alles anders wird und vor allem die Rallyes wieder im Vordergrund stehen würden. Wir schauen nach und berichten, ob sich der dritte Ausflug in den Matsch lohnt.
Colin McRae verstarb 2007 bei einem Absturz seines Hubschraubers. Codemasters nutze danach seinen Markennamen noch einmal für
Colin McRae DiRT 2, der Nachfolger heißt jedoch lediglich
DiRT 3. Es ist deshalb etwas ironisch, dass ausgerechnet Codemasters für den dritten
DiRT-Teil die Rückkehr zum Rallye-Schwerpunkt verkündet. Das Ganze zeigt sich schon im Hauptmenü: Der animierte Rennstall inklusive Wohnwagen aus dem Vorgänger wurde gestrichen, stattdessen setzen die Engländer wieder auf schlichte Menüs. Hier können wir uns durch die Unterpunkte klicken, Einstellungen verändern, einzelne Rennmodi spielen und die DiRT-Tour starten. Die DiRT-Tour ist die Rennkampagne von
DiRT 3 und nimmt ungefähr eine Spielspaßzeit von 16 bis 20 Stunden ein. Insgesamt rasen wir durch acht verschiedene Szenarien, darunter Kenia, Norwegen, Finnland oder die altbekannte USA. Schön: Endlich gibt es wieder Wettereffekte. So dürfen wir nun auch beim stärksten Regen- oder Schneefall über die Strecken heizen. Dabei ändert sich auch die Fahrweise, denn mit Schnee unter dem Räder sollten wir deutlich mehr bremsen und vorsichtiger fahren, sonst finden wir uns schnell am Straßenrand wieder. Dabei wirbeln die Rennboliden auch eine Menge Staub, Schnee oder Regen auf, so dass wir teilweise nicht viel erkennen. Das ist klasse, denn genau das wollen wir in einem
DiRT haben.
Mehr Rallye, gewöhnungsbedürftiges Gymkhana
An den Rennmodi hat Codemasters nur wenig gedreht. Wie im Vorgänger gibt es Trailblazer, Rallye-Cross oder eben Rallye. Hier hat Codemasters Wort gehalten: Es gibt deutlich mehr Raylle-Events, aber auch diese können nicht vollständig überzeugen. Es macht zwar Spaß über die staubigen Strecken Kenias zu fahren, aber nach zwei bis drei Minuten ist es schon vorbei. Es wäre schön, wenn die Rallye-Strecken länger dauern würden.
Zu den Rennmodi hat sich zumindest ein neuer gesellt: Gymkhana. Die hauptsächlich durch Ken Block geprägte Rennart wird sogar in den Mittelpunkt gestellt und leider auch zur Pflichtaufgabe. Auf Fabrikhöfen oder Parkplätzen müssen wir Drifts oder Sprünge hinlegen. Diese müssen möglichst nacheinander angereiht werden, um möglichst viele Punkte zu sammeln. Kollidieren wir mit der Bande, dann verlieren wir den Bonus und müssen uns diesen erneut aufbauen. Das ähnelt etwas der
Tony Hawk-Reihe und wird definitiv nicht jedem gefallen. Zwar lassen sich die Rennwagen einwandfrei steuern, sowohl auf der Rallye-Strecke, als auch beim Gymkhana, aber die Drift-Events passen unserer Meinung nach nicht perfekt in ein
DiRT-Spiel hinein. Normalerweise wäre das ein kleineres Problem, könnte man diese Events ignorieren, aber oftmals müssen wir ein Gymkhana-Event absolvieren, denn ansonsten geht es nicht weiter in der DiRT-Tour.
Erfahrungspunkte und Schummel-Strecken
Für jedes absolvierte Event gibt es in
DiRT 3 Erfahrungspunkte. Diese bringen im Grunde nicht sehr viel, sondern schalten lediglich neue Fahrzeuge und dazugehörige Lackierungen frei. Warum das nicht auch ohne Stufenaufstieg geht, ist verwunderlich. Aber das macht ja nichts, wenn wir dann endlich auf einer der 98 verfügbaren Strecken unterwegs sind. Ihr habt richtig gelesen: Es gibt 98 Rennstrecken, allerdings stimmt diese Anzahl nicht so genau. Innerhalb der acht Szenarien hat Codemasters die Rennstrecken-Teile einfach neu zusammengesetzt oder andersherum aufgebaut, so dass daraus 98 Strecken werden. Das ist schade, denn die Strecken sind den Engländern einwandfrei gelungen, aber man sieht sich dennoch zu schnell daran satt. Dieser Sache wirkt Codemasters etwas entgegen, indem man auf die Wettereffekte und auf Nachtrennen setzt.
Zumindest in Sachen Steuerung gibt sich
DiRT 3 fast keine Blöße. Mit Gamepad steuert es sich bequem und man hat jederzeit die Kontrolle über das Fahrzeug. Auch mit Tastatur ist die Steuerung gut, wenn auch längst nicht mehr so präzise. Nur die Steuerung via Lenkrad hat kleinere Probleme. Das liegt aber eigentlich nicht an der Präzision, sondern daran, dass man in den Einstellungen wirklich haargenau die Eingabemethode justieren muss. Da reicht es schon, dass man irgendwo etwas zu viel bzw. zu wenig nachbessert und schon wird die Steuerung unpräzise. Hier sollte Codemasters bei künftigen Teilen eine andere Lösung finden, denn die Problematik besteht schon seit
DiRT 1 und das erschien 2007.
Weniger aggressive KI, wir spulen dennoch
Ein weiterer großer Kritikpunkt beim Vorgänger war, dass die KI vor allem in Landrush viel zu aggressiv fuhr. Diesen Punkt beseitige der Entwickler in
DiRT 3. Die Rennkollegen überholen sachgemäß und fahren uns nur dann an, wenn wir sie selbst viel zu hart bedrängen. Das ist super, denn so machen die Rennevents mehr Spaß und dramatisch wird es immer noch. Es passiert immer noch, dass die KI Fahrfehler hinlegt und sich mit dem Auto dreht, wodurch es meistens kracht. Uns kann das aber völlig egal sein, denn bauen wir mal einen Fehler, dann spulen wir einfach die Zeit zurück.
Wie in allen Rennspielen von Codemasters seit
»Race Driver Grid setzen die Entwickler wieder auf das Flashback-Feature. Dadurch können wir unseren Unfall einfach zurückspulen und steigen wieder ins Spiel ein, wenn wir uns sicher sind, dass der eben verursachte Unfall nicht noch einmal passieren kann. Das erhöht nicht nur die Einsteigerfreundlichkeit, sondern ist auch nützlich, denn manchmal passieren doch kleine Fehlerchen und da wollen wir nicht zwingend das gesamte Rennen neustarten. Apropos Einsteiger:
DiRT 3 ist nicht das einfachste Rennspiel, aber auch Anfänger können schnell erste Erfolge erzielen. Dank der vielen Fahrhilfen und zuschaltbarer intelligenter Ideallinie wissen auch Rennfahrerneulinge, wann sie bremsen und wann sie Gas geben müssen.
Grafisch: Natürlich beeindruckend
DiRT 3 setzt wie sein Vorgänger auf die EGO-Engine und sieht somit erneut fantastisch aus. Der Schritt nach vorne ist aber ein kleiner, was nicht stört. Noch immer sieht die Grafik unfassbar gut aus und zaubert organisch wirkende Vegetationsumgebungen und tolle Licht- und Schatteneffekte auf den heimischen Rechner oder die Konsole. Dabei benötigt
DiRT 3 nicht einmal den besten Rechner, die Systemanforderungen fallen sehr moderat aus. So muss Optimierung von heute aussehen.
Auch beim Sound gibt es keinen Grund zur Kritik. Die Motoren klingen sehr gut und der Soundtrack dudelt passend vor sich hin. Und beim Unfall kracht es gewaltig – Warum kann nicht jedes Rennspiel grafisch und soundtechnisch so gut sein?
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
