Endlich Schluss mit kunterbunten Weichei Fantasy Rollenspielen. Dunkel war das Mittelalter, auch wenn viele Vertreter des Genres das nicht wahrhaben wollen. »The Witcher lieferte das, was sich Fans schon lange gewünscht haben: Ein düstere Welt, sowohl mit dem Schwert, als auch mit der Zunge ausgetragene Dispute, hübsche Frauen und markige Kerle. Ein Rollenspiel für Erwachsene eben. Vier Jahre sind seitdem vergangen. Viel Zeit um einen würdigen Nachfolger zu basteln, der unter dem Namen Assassins of Kings ab Ende Mai in den Verkaufsregalen auf euch wartet.
Entscheidungsfreiheit, packende Geschichten, eine dunkle Fantasy Welt und schöne Frauen. All das steht für
The Witcher. 2007 verzauberte uns CD Projekt mit einem Rollenspiel der Superlative. Trotz zahlreicher technischer Schwächen hat es das polnische Entwicklerteam geschafft, in kürzester Zeit eine breite Fans Basis aufzubauen. Durch die
»Enhanced Edition, die einen Großteil der Fehler beseitigte, wurde auch die Fachpresse von den Qualitäten des Spiels überzeugt. Die Abenteuer des Geralt von Riva gehören in jedes gut sortieres Videospielregal. Gerade wegen der problematischen Erstveröffentlichung kann man Skeptikern die Befürchtung eines halb fertigen zweiten Teils nicht verdenken. Tatsächlich scheint der weißhaarige Monsterjäger abermals zu früh in den Startlöchern zu stehen. Während Geralt anfangs noch hoch motiviert ins Abenteuer schreitet, geht dem Hexer gegen Ende die Luft aus. Es wirkt fast, als wäre man mit dem letzten Kapitel nicht ganz fertig geworden. Doch widmen wir uns zunächst den erfreulichen Teilen von
The Witcher 2: Assassins of Kings. Den ersten beiden Kapiteln.
Ein netter Plausch in Ketten
The Witcher 2 startet schon zu Beginn mit einem hohen erzählerischen Tempo. Von seinen Widersachern gejagt, rennt Geralt durch einen vernebelten Wald. Am Ende seiner Kräfte bricht er auf dem Waldboden zusammen und erwacht in einer Zelle. Zwei übellaunige Wächter prügeln auf ihn ein und machen ihn mit dem Ernst der Lage vertraut. Bevor diese jedoch zu wirklich rabiaten Methoden greifen können, wird Geralt in ein Verhörzimmer gerufen. Unter den wachsamen Augen des Folterknechts erzählt der Hexer seine Geschichte. Schon hier müssen wir unsere ersten Entscheidungen treffen, denn die folgenden Sätze lassen uns zurück zum Ort des Geschehens reisen. Im Detail heißt das, dass wir uns aussuchen können, welchen Teil des Prologs wir zuerst erleben möchten. Dieser ist dreigeteilt und erzählt von der Erstürmung der Burg des Barons La Valette. Obwohl wir beim weiteren Vorgehen die freie Wahl haben, empfiehlt es sich dringend, die Optionen von oben nach unten abzuarbeiten. Das hat nicht nur den Vorteil, dass ihr die Geschichte in der richtigen Reihenfolge erleben könnt, sondern entspricht auch dem Schwierigkeitsgrad, der schon zum Einstieg sehr hoch angesetzt ist.
Drachen, Geisterheere und Königsmörder
Baron La Valette ist bei König Foltest in Ungnade gefallen. Geralt, der zusammen mit Magierin Triss auf Seiten des Königs streitet, kommt bei der Eroberung der Festung freilich eine Schlüsselrolle zu. Rücken an Rücken kämpfen wir mit dem Herrscher an vorderster Front und dringen immer weiter in die Burg vor, schrecken auch vor dem Gebrauch schweren Kriegsgeräts nicht zurück, fliehen vor einem ausgewachsenen Drachen und stellen schlussendlich die abtrünnigen Adligen. Allein das alles passiert in dem rund vier bis fünf Stunden andauernden Tutorial. Die Belagerung wird nicht die einzige Massenschlacht sein, an der ihr teilhaben werdet. Im kommenden Kapitel verschlägt es Geralt in das verschlafene Nest Flotsam, in dem es, wie könnte es anders sein, alles andere als ruhig zugeht. Weiterhin werdet ihr im weiteren Spielverlauf von
The Witcher 2 Zeuge einer Schlacht zwischen zwei Geisterarmeen. Die eigentliche Handlung des Spiels wird erst zu Beginn der zweiten Akts offensichtlich. Ein glatzköpfiger Hüne macht Jagd auf die Hochwohlgeborenen des Landes. Selbst König Foltest scheint nicht sicher zu sein. Außerdem ist Geralt nach wie vor auf der Suche nach seinen verlorenen Erinnerungen.
Unliebsames Ende
Während die ersten beiden Kapitel von
The Witcher 2: Assassins of Kings mit einer grandios inszenierten Handlung brillieren können, entpuppt sich der letzte Akt als Luftnummer. Gerade mal zwei Stunden dauert das Finale des zweiten Teils an. Haupt- und Nebenquests sind hier kaum zu finden und auch die Umgebung wirkt teils arg unfertig. So ist die Ruinenstadt, in der der letzte Akt spielt, gespickt mit Türen, die sich jedoch nicht öffnen lassen. Es scheint fast so, als seien auf den letzten Metern Zeit und Geld ausgegangen. Auch das Finale selbst fällt eher mau aus. Die einzelnen Handlungsstränge werden in kurzen Dialogen zusammengepappt, vormals wichtige Protagonisten ignoriert oder lapidar abgefrühstückt. Hier hätte man mehr von CD Projekt erwarten können. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Steuerung. Standardmäßig lassen sich beispielsweise die Pfeiltasten für die Bewegung des Hexern nicht konfigurieren. Erst mit dem neuen Patch wird diese Option verfügbar. Weiterhin klappt das Öffnen von Türen, Benutzen von Leitern und das Erklimmen von Vorsprüngen nicht immer auf Anhieb. Erst wenn ihr den Hexer in genau die passende Position gebracht habt, erledigt er das Gewünschte - eine auf Dauer sehr nervige Angelegenheit. Gänzlich frei von Fehlern ist
Assassins of Kings nicht, wenngleich weit weniger davon zu finden sind als noch beim ersten Teil.
Kinoreife Darstellung
Über diese Kleinigkeiten kann man jedoch schnell hinwegsehen. Die sehr gelungene Inszenierung der Handlung und das hohe erzählerische Tempo lassen euch voll und ganz in die Welt von Nilfgaard eintauchen. Die solide vertonten Dialoge und die vielschichtigen Charakter tun ihr übriges dazu. Einen entsprechend leistungsstarken PC vorausgesetzt, bietet
The Witcher 2 auch etwas für das Auge. Detaillierte Charaktere, liebevoll in Szene gesetzte Umgebungen, atemberaubende Licht- und Schatteneffekte und großartige Panoramen lassen das Rollenspielerherz höher schlagen. Tatsächlich hat sich CD Projekt in Sachen Grafik an die Spitze gesetzt. Kein Rollenspiel sah bisher so gut aus.
Auf in den Kampf
Neben einer neuen Grafikengine hat das polnischer Entwicklerteam auch das Kampfsystem von
The Witcher 2 komplett überarbeitet. Statt simplem Dauergeklicke ist nun umsichtiges Vorgehen gefragt, vor allen im Kampf gegen mehrere Widersacher. Diese positionieren sich gekonnt um den Hexer und beharken ihn fortan von allen Seiten - ein vorzeitiges Ableben ist dabei fast schon garantiert. Lediglich einzelne Angriffe können pariert werden. Passt ihr einen Schlag derart ab, könnt ihr eurerseits zu einem Hieb ausholen. Seht ihr euch jedoch mehreren Schwertern gleichzeitig ausgesetzt, hilft nur ein beherzter Sprung. Per Tastendruck könnt ihr den Hexer zumindest kurzfristig außer Reichweite der Gegner bringen. Habt ihr den zweiten oder einen der höheren der vier Schwierigkeitsgrade gewählt, gewinnt zudem die Alchemie an großer Bedeutung. Ohne die diversen Tinkturen werdet ihr eurem Feind nur wenig entgegensetzen können. Lediglich auf der leichtesten Stufe könnt ihr auf das Brauen von Tränken - und das damit verbundene Sammeln der dazu benötigten Kräuter - verzichten.