Rund sechs Monate ist es her, seit dem Fable 3 für die Xbox 360 erschienen ist (»Testbericht). Nun haben die Lionhead Studios auch endlich auch die PC-Version fertiggestellt. Diese enthält nicht nur mehr Inhalte, sondern auch einen neuen Hardcore-Modus. Die Geschichte bleibt dafür gleich: Wir schlüpfen in die Rolle eines Helden, der das Königreich Albion vor seinem Ende bewahren soll. Was uns beim Test der PC-Fassung noch aufgefallen ist und ob die Portierung gelungen ist, erfahrt ihr im Test.
Bei Microsofts PC-Politik kommt keiner so richtig mit.
Fable 1 erschien vor Jahren verspätet für den PC mit dem Titel „The Lost Chapters“ und hatte etwas mehr Inhalt als die Konsolenfassung zu bieten.
»Fable 2 hingegen erschien nicht für den Heimrechner, aber
Fable 3 wurde für die oftmals als Tod bezeichnete Plattform wieder umgesetzt. Wir haben uns deshalb in die Geschichte des Königreiches Albions geworfen.
Fable 3 beginnt mit einem wunderbaren Intro-Video, welches zugleich auf die Umstände des großen Landes aufmerksam macht. König Logan, Sohn des Helden aus
Fable 2, regiert das Land mit eiserner Hand. Als Tyrann beutet er das Volk aus und interessiert sich nicht dafür, wonach die Bewohner schreien. Wir schlüpfen nun in die Rolle der Tochter oder des zweiten Sohnes des Helden von
Fable 2 und erkunden dabei erst einmal den Königspalast, der sich prachtvoll gibt. Kurz darauf kommt es zur Demonstration vor dem Palast, welche Logan kurzerhand blutig auflöst. Als wir Logan aufhalten wollen, schnappt er sich unseren Freund und stellt uns vor die Wahl: Die Anführer der Demonstration oder unseren Begleiter hinrichten? Solche moralischen Entscheidungen gibt es mehr als einmal in
Fable 3. Sie verändern teilweise die Geschichte, aber vor allem die Moral unserer Heldin. Nach der Entscheidung fliehen wir mit unseren Vertrauten: Dem Butler und Ex-Soldat Walter. Die Revolution soll beginnen, aber vorerst benötigen wir Verbündete.
Abwechslungsreich und voller Humor
Um in
Fable 3 Verbündete um uns zu scharen, müssen wir die Gunst der verschiedenen Völker Albions erwerben. Dabei kämpfen wir uns durch dunkle Höhlen oder riesige Wälder, nur um die Bewohner davon zu überzeugen, dass wir tatsächlich eine Heldin sind und in die Fußstapfen unseres Vaters treten. Die Hauptaufgaben führen dabei die Geschichte fort, währenddessen wir aber auch verschiedene Nebenaufgaben erfüllen können. Diese zeichnen sich vor allem durch Abwechslung aus: Einmal werden wir in einen Roman gezogen und müssen dann verschiedene Dramen- und Theaterszenen gut nachspielen, damit wir wieder in die Wirklichkeit teleportiert werden. An anderen Stellen müssen wir lediglich eine Statue für einen Bewohner finden, der sich komplett in Zwerge vernarrt hat. Das darauffolgende Ingame-Video, welches erwachte Gartenzwerge zeigt, die mehr oder weniger sinnvolle Sprüche von sich geben, beweist, dass
Fable 3 voller Humor steckt.
Dieser zeigt sich auch bei der Interaktion mit den Bürgern Albions. Mit verschiedenen Gesten können wir bei ihnen Sympathie-Punkte gewinnen und dadurch sogar neue Nebenquests freischalten. Entweder tanzen wir mit ihnen oder kitzeln sie so mal richtig durch. Andererseits können wir sie auch anrülpsen oder mit vulgärer Mimik verärgern. Insgesamt machen diese Interaktionsmöglichkeiten, wir können auch Hühner treten, Albion sehr lebendig. Führen wir etwa Zauber aus, schauen uns sofort die Leute an und sind entweder begeistert oder wenden sich sofort ab. Sammeln wir genug Sympathie-Punkte bei einer Person, können wir sie liebhaben, uns mit ihr verloben, später heiraten und sogar Kinder bekommen. Das klingt etwas nach
Die Sims, aber es sorgt für viel Atmosphäre und wird dabei noch humorvoll umgesetzt.
Kämpfen ohne sterben
Albion befindet sich mittlerweile im Industrie-Zeitalter. Fabriken beherrschen die Städte und zusätzlich gibt es Schusswaffen. So kann unsere Heldin nicht nur mit Schwertern und Magie umgehen, sondern auch mit Gewehren weiter entfernte Gegner beschießen. Sobald sie zu nah sind, schnappen wir unser Schwert und bekämpfen die Gegner sehr actionreich, denn die Kämpfe werden dank Zeitlupen und Kamerafahrten sehr gut in Szene gesetzt. Vor allem wenn wir Gegner endgültig besiegen bemerken wir, wie brutal doch das eigentlich märchenhafte
Fable 3 ist. Aber egal: Irgendwann werden es zu viele Gegner und dann nutzen wir unsere Zauber. Die sehen einfach super aus und sind sogar manchmal richtig übermächtig. Übermächtig ist das passende Stichwort für die Kämpfe. Komplex sind diese nicht und vor allem auch nicht schwer. Oftmals reicht es, wenn wir wild unsere Zauber um uns werfen oder oft genug auf den Button drücken, der unseren Nahkampf ausführt.
Sobald wir genug Gegner getötet haben, bekommen wir neue Gildensiegel, welche auch für NPC-Interaktionen und erfüllte Quests winken. Diese können wir dann auf der Siegerstraße für neue Zauber, verbesserten Nahkampf und weitere Gegenstände ausgeben. Die Straße ist quasi unser Siegerbaum und repräsentiert ein auf Dauer nerviges Problem von
Fable 3: Wollen wir neue Sachen anprobieren, unsere Waffen wechseln oder in den Optionen etwas umstellen, müssen wir immer wieder in unseren Unterschlupf. Das ist atmosphärisch, aber auf längere Sicht gesehen eher störend. Zum Glück reisen wir via Teleportation und müssen nicht immer extra dorthin laufen. Dafür gibt es ein anderes Komfortmittel: Eine Leuchtspur, die uns immer wieder zu unserem Ziel führt.
Gut oder böse? Es liegt an uns...
Nach gut sechs bis zehn Spielstunden, je nachdem ob wir viele Nebenaufgaben lösen oder nicht, haben wir die Hälfte des Spiels erreicht. Nun kommt es zur Revolution und wir stürzen unseren Bruder Logan vom Thron. Dabei erfahren wir schlimme Nachrichten von der Seherin Theresa, die
Fable-Kenner sehr gut kennen. Ein dunkler Nebel mit einem Gegner namens Der Kriecher wird Albion in gut einem Jahr angreifen. Wir haben also nur zwölf Monate Zeit, um eine starke Verteidigungsarmee aufzubauen und müssen zugleich entscheiden, ob wir unsere Versprechen einlösen, die wir den Völkern gegeben haben. Lösen wir sie ein, sind wir klamm bei Kasse und es werden viele Leute beim Angriff sterben. Ignorieren wir unsere Versprechen, dann haben wir genug Gold in der Schatzkammer und es überleben viele Bürger. Je nachdem wie wir uns entscheiden, werden wir zur guten Herrscherin oder zur bitterbösen Tyrannin. Nachteil am System: Wer früh genug Immobilien gekauft hat, wird im Endspiel keine Goldprobleme haben, kann genug davon verprassen und wird dennoch ein guter Herrscher sein.
Alle anderen müssen sich in
Fable 3 für eine Seite entscheiden. Wer den guten Weg wählt, muss die Verluste hinnehmen oder erledigt massig Nebenaufgaben und simple Minispiele, etwa Laute spielen oder schmieden. Danach kann man sich nämlich immer noch Immobilien kaufen und somit massig Gold anhäufen.
Ein schönes Märchen
Optisch kann
Fable 3 durchaus überzeugen. Zwar sind die Texturen, vor allem die Gesichtstexturen, nicht auf dem aktuellen Stand, aber der schicke Comik-Look und vor allem die organisch wirkende Vegetation machen aus dem Rollenspiel ein durchweg schön anzusehendes Märchen. Die Animationen sind ebenfalls sehr gelungen, lediglich eine Sache stört: Aufgrund eines Vsynch-Problems kommt es selbst auf technisch potenten Rechnern zu extrem heftigen Framerate-Einbrüchen. Hier muss Microsoft dringend einen Patch nachschieben.
Insgesamt ist die Portierung aber gut. Egal ob mit Tastatur oder Gamepad,
Fable 3 lässt sich einwandfrei steuern. Der Hardcore-Modus macht das Spiel etwas schwerer in den Kämpfen, da wir nicht mehr selbstständig Leben regenerieren, aber im Endeffekt bleibt das Spiel etwas zu leicht. Über Games for Windows Live können wir einige DLCs, die es auf der Xbox 360 nur in der Limited Edition gab, kostenlos herunterladen. Der Koop-Modus funktioniert auch auf dem PC und Besitzer entsprechender Hardware freuen sich über einen 3D-Modus. Auf dem Punkt gebracht: Lionhead hat gute Arbeit geleistet.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
