Nach dem kommerziellen Erfolg von »Die Sims 3 beglückt uns EA nun mit einem inoffiziellen Nachfolger: Die Sims: Mittelalter. Eine völlig neue Umgebung für unsere simulierten Menschen, die jedem unserer Befehle gehorchen. Viele Spielemagazine loben den neuen Weg der Sims- Macher. In unserer Review wollen wir euch zeigen, warum Fans der Reihe den neuen Titel mit Vorsicht genießen sollten. Wir möchten euch einen Einblick in diese merkwürdige Mischung aus Sims, Rollenspiel und Königsherrschaft geben.
Du bist Gott – oder so was in der Art
Für
Die Sims: Mittelalter haben sich die Macher sogar eine Story einfallen lassen. Dies ist für die Reihe eher ungewöhnlich. Ihr seid „der Wächter“ und betrachtet eure Schöpfung. Leider verläuft es aber nicht so, wie ihr es euch gewünscht habt. Irgendwie versinkt die von euch geschaffene Welt mehr oder weniger im Chaos. Darum beschließt ihr, euch Helden unter euren Sims zu suchen, die ihr durch die Welt steuert – um so ein großes, herrliches Königreich aufzubauen.
Natürlich könnt ihr mit einem einzelnen Helden nicht viel anfangen – ein Königreich muss von mehreren Schultern getragen werden. Darum dürft ihr einen König/eine Königin erschaffen, einen Ritter, eine Hexe oder einen Arzt – und alle haben Aufgaben zu erfüllen, damit euer Reich aufblüht und die Bevölkerung glücklich ist.
Abgespecktes Simsen
Die Aufgaben, die ihr bisher in
Die Sims zu erfüllen hattet, machen noch immer einen relativ großen Teil des Spiels aus. Einerseits dürft ihr eure Helden selbst erstellen – mit allem was dazu gehört. Ob Gesicht, Haare, Figur und natürlich Outfit – ihr bestimmt selbst, wie euer Held aussehen soll. Die Auswahl der Outfits ist allerdings etwas mager. Als Trost bleibt euch , dass ihr die Farbzusammenstellung über einen Editor nach Belieben verändern könnt. Auch die wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale könnt ihr selbst wählen. Jeder Charakter hat zwei positive und eine negative Eigenschaft. Diese Merkmale beeinflussen euren Alltag sehr stark, da sich hiervon die Wünsche eurer Sims ableiten, die es zu erfüllen gilt.
Während des Lebens eurer Sims müsst ihr alltägliche Bedürfnisse erfüllen, um an die wichtigen Aufgaben des Wächters herangehen zu können. Hierzu zählen Nahrungsaufnahme und Schlafen. Andere Bedürfnisse sucht ihr in
Die Sims: Mittelalter vergebens. Allerdings nehmen die Wünsche eurer Sims noch einen weiteren großen Teil des Tagesablaufs ein. So wollen rachesüchtige Sims beispielsweise ab und an einen Kampf gewinnen. Vielfräßige Helden dagegen haben deutlich öfter das Verlangen, sich Nahrung einzuverleiben. Insgesamt verbringt ihr wohl die Hälfte der Spielzeit damit, euren Sims konzentriert zu halten – oder glücklich, wenn man es so sagen will. Positive und negative Ereignisse haben immer eine gewisse Haltbarkeit – nach so und so vielen Stunden lässt die Wirkung nach und beeinflusst eure Konzentration nicht weiter.
Ein weiterer essentieller Sucht-Faktor in der
Sims-Reihe ist natürlich der Einrichtungsmodus. Bauen könnt ihr im inoffiziellen vierten Teil nicht. Gebäude, wie die Burg oder die Kaserne, sind vorgefertigt. Veränderungen könnt ihr hier nicht vornehmen. Dies ist für viele Fans sicherlich eine Enttäuschung. Ebenfalls etwas mager sind die anderen Königreiche, die ihr an eures angliedern könnt: sie sehen allesamt sehr ähnlich aus. Große Abwechslung gibt es leider nicht.
Doch zurück zur Einrichtung: Was sich in den vorgefertigten Gebäuden befindet, bleibt glücklicherweise doch noch in eurer Hand. Eine Grundausstattung hat natürlich jedes Gebäude – doch ihr könnt hinzufügen, umstellen oder verkaufen, wie es euch beliebt. Doch leider wurde auch hier auf eine große Auswahl verzichtet – im Gegensatz zu den vorhergehenden Teilen wirken die Einrichtungsgegenstände sehr übersichtlich.
Rollenspielfeeling
Ein völlig neuer Aspekt findet sich im Heldensystem. Für Aktionen und erfüllte Quests erhalten eure Helden Erfahrungspunkte, ähnlich wie in Rollenspielen. Sind genügend Erfahrungspunkte gesammelt, steigt euer Sims ein Level auf. Der Levelaufstieg bringt neue Möglichkeiten mit sich. Je nach Heldentyp könnt ihr mit anderen Sims und mit Gegenständen interagieren. Was euer Held neu erlernt, könnt ihr allerdings nicht bestimmen. Ein Skillsystem findet ihr in
Die Sims: Mittelalter nicht.
Wie bei Rollenspiel-Helden üblich, besitzt euer Sim natürlich auch ein Inventar. In diesem landet alles, was er sich in einem Laden kauft oder auf seinen Ausflügen findet. Überall im Königreich könnt ihr Gegenstände, Nahrungsmittel und Ausrüstungsgegenstände finden. Selbst mit Waffen und Rüstungen sind eure Sims ausgestattet – natürlich sehr wichtig für die Kämpfe und Abenteuer, die eure Sims zu bewältigen haben. Ganz interessant sind hierbei die Nahrungsmittel, die ihr in der freien Natur finden, sammeln und jagen könnt (oder beim Händler kaufen): Aus diesen könnt ihr euch später am Herd leckere Gerichte kochen, die euer Bedürfnis nach Essen wieder etwas stillen.
Wie sich euer Held entwickelt, ist leider ebenfalls vorgegeben. Schon bei der Erstellung des Sims ist festgelegt, welchen „Beruf“ der Charakter ausübt. Ob König, Ritter oder Hexe – der Beruf ist fest und kann nicht mehr geändert werden. Dies nimmt – ähnlich wie die nicht veränderbaren Gebäude – einen großen Teil vom Reiz der Serie.
Das Rad nicht neu erfinden
Als Leitsatz haben sich EA diesen Spruch sicherlich nicht gemacht. Trotzdem hat man den ein oder anderen fertigen Baustein aus den Vorgängern in den neuen Teil eingebaut. Grafisch wurden beispielsweise etliche Elemente aus
»Die Sims 3 übernommen. Dadurch verwundert es nicht, dass hier eigentlich kein merkbarer Unterschied vorhanden ist.
Die Spielwelt selbst ist relativ begrenzt. Gebiete können zwar besucht werden – auch die Wege dazwischen, doch meist ist euer Spielraum recht gering. Beispielsweise beim Jagen im Wald verschwindet euer Sims in das Dickicht, erlebt das ein oder andere, was euch wiederum in Textform mitgeteilt wird und euch eine Entscheidung treffen lässt – und erscheint dann wieder in eurem Blickfeld. Auch die NPCs, die sich herumtreiben, wirken etwas nutzlos. Zwar bewegen sich diese von A nach B, interagieren zum Teil miteinander, doch wirklich sinnvoll erscheint dies nicht. Oft genug stehen mehrere Sims in einem Raum oder einem Gebiet und machen nichts. Dies ist besonders schade, da ja bereits in
»Die Sims 2 die nichtgesteuerten Familienmitglieder sich selbst beschäftigt haben und nur selten sinnfrei herumstanden.