Sterben und gestorben werden
Wer Mittwochabend gerne fernsieht, kennt vielleicht die Serie „CSI“. Auf dem Privatsender VOX ermittelt eine Crew von Kriminologen in verschiedenen Fällen und klärt Morde auf. Dass die Serie so beliebt ist, liegt vielleicht zum Teil daran, dass die Wunden, Leichen und die Tathergänge immer äußerst ungeschnitten gezeigt werden. Sicher ist, dass viele Zuschauer gerne zugucken, wenn das Ermittlerteam geschickt kombiniert und dann den Täter findet.
Da wundert es keinen, dass nun der zweite Teil zu einem der Serie nachempfundenen Point-and-Klick-Spiel erschienen ist, in dem Hobbydetektive zu Hause am Computer den Cops im Fernsehen nacheifern können. Ist CSI 2 ein guter Nachfolger und für Heim-Schnüffler bestens zu empfehlen? Oder geht der Spieler der Geldmacherei von Computerfirmen in die Falle? Wir haben Beweise gesammelt, Hinweise kombiniert und ein Protokoll geschrieben.
Wichtiges Indiz: der Tathergang
Zu Beginn des Spieles sitzen wir unserem neuen Boss gegenüber. Er beglückwünscht uns zu unserer neuen Stelle (hättet ihr es erraten?) als Mitglied im CSI-Team. Nach ein bisschen Small-Talk stellt er uns eine sexy Assistentin zur Seite, die uns nicht abgeneigt scheint. Anschließend wird uns unser Team vorgestellt. Selbstverständlich haben wir für alles unseren Experten bzw. unsere Expertin, z. B. den coolen Laborarbeiter.
Und schon geht’s auf zu unserem ersten Fall: ein Motorradunfall. Und das direkt in Las Vegas vor einem Casino. Aber es ist kein gewöhnlicher Unfall, um den sich die Polizei kümmert. Ein Stunt-Motorradfahrer hatte Pech, und das bei einem schwierigen Kunststück. Zum Glück lebt der Gute noch und liegt gerade im Krankenhaus. Bevor wir uns aber zu ihm bewegen, sehen wir uns erst einmal am Tatort um und erfragen den Tathergang. Nachdem uns der Stunt-Koordinator in kurzer und knapper Weise den Unfall geschildert hat, wechselt auf einmal die Sicht: Wir sehen den Unfall in einem Video: Sprung, Landung und Ausrutscher sind genau zu erkennen. Doch wie kam es dazu? Da kann uns der nette Herr auch nicht weiterhelfen, und so führt uns unser Weg ins Krankenhaus, wo der Motorradfahrer im Bett liegt. Er kann schon wieder klar sprechen und schildert uns detailliert seine Sichtweise des Unfalls. Und schon wieder sehen wir ein Video und bekommen dabei gleich ein kleines Übelgefühl: Der Bruch ist gut zu sehen und etwas Blut fließt. Nach diesem kleinen Ausschnitt sind wir um einiges schlauer, erfragen noch kurz ein paar weitere Infos und machen uns dann auf den Weg zum nächsten Ansprechpartner. Wer hat den Unfall zu verschulden?
Die Spur führt zur Spur
Das ganze Spiel wird von der Story getragen. Unser Ziel als CSI-Mitarbeiter ist es, den Täter ausfindig zu machen. Und dabei müssen alle Hinweise in Betracht gezogen werden. Jedes Wort wird aufgenommen, wir versuchen, die Verbindung zwischen den Verdächtigen, dem Opfer und der kriminellen Szene herauszubekommen und drehen jeden Stein zweimal um. Und erst wenn wir erfahren haben, dass es einen Motorrad-Shop gibt, wird dieser für uns zugänglich. Und erst wenn wir in Erfahrung bringen, dass die Reifenspuren vor dem Laden mit denen des Unfall-Motorrades übereinstimmen, bekommen wir einen Befehl zu Durchsuchung, bei der weitere Hinweise an die Oberfläche gelangen…
Zum Glück ist unsere Assistentin immer mit dabei. Denn sollten wir einmal nicht weiterwissen, so ist sie die erste Ansprechpartnerin und gibt uns einen Hinweis. Aber das ist nicht umsonst: Das Spiel ist in Fälle unterteilt, und am Ende eines jeden steht uns die große Abrechnung bevor. Dann werden alle unsere Schritte und Fragen, unsere Missionszeit und unsere Ermittlungsstrategie miteinander verglichen und wir bekommen die Quittung. Wer z. B., wie eben schon erwähnt, einen Hinweis von der Assistentin erfragt, bekommt schon mal Minuspunkte angeschrieben. Dieses Missionsdesign ist schon aus Teil eins des Spieles bekannt und setzt sich nun fort.
Der Mörder ist immer die Grafik…
Wow, als wir uns zu Beginn des Spiels mit unserem Chef unterhielten, wirkte sein Büro schön eingerichtet und detailliert. Ein bisschen unscharf und verwaschen zwar, aber trotzdem gut. Der Chef selbst wirkte noch detaillierter und seine Sprachanimation wirkte wirklich gelungen. Doch spätestens beim Tatort merken wir: Die meist animierten Hintergründe sind vorgerendert und nur die Personen sind animiert. Alles andere wirkt unscharf, so als ob wir eine Brille benötigen würden. Stimmt da etwas mit der Grafikkarte nicht? Doch keine Konfiguration ist Schuld: Es ist tatsächlich das Spiel, und es scheint Absicht zu sein. Hier liegt ein großes Manko von „CSI 2“: Die Personen sind wirklich gut animiert und man nimmt ihnen ihre Rolle ab. Aber der Hintergrund, auch wenn er noch so viele Details enthält, ist verschwommen bzw. unscharf. Dadurch wirken die Personen im Vordergrund leicht unecht und heben sich von der Umgebung ab. Nicht wirklich schön, eher schlicht und nach einer Zeit bekam ich von den Hintergründen Kopfschmerzen.
Die Videos, die eingespielt werden, sind ebenfalls gerendert und keine Spielgrafik. Dennoch sind sie sehr spannend und schön anzusehen, und nach einiger Zeit giert man nach diesen Videos. Sie lockern das Spiel auf und lassen uns kleine Verschnaufpausen.
Ich glaub, ich hör’ nicht richtig…!
„Hi, ich heiße Jim Brass, und ich…“, „Hi, mein Name ist Catherine, und was ich noch sagen wollte: …“, „Hi, ich bin…“. Wenn man die ganze Zeit Leute interviewt und ihnen notgedrungen lauschen muss, um neue Hinweise herauszufiltern, stellt sich nach kurzer Zeit ein Gefühl von Taubheit auf den Ohren ein. Doch wen stört’s, wir haben schließlich noch Hintergrundmusik. Ein Soundtrack, den alle wollen! Doch Moment, welche Hintergrundmusik? Hier müssen wir ganz objektiv vorgehen: Das Spiel soll ein Kriminalspiel sein, also das Sammeln von Informationen mit dem Kombinieren von Beweisen verknüpfen. Und wer kann bei lauter bzw. großartiger Musik schon klar denken? So wird der Gedankengang der Entwickler gewesen sein, und sie liegen da auch gar nicht so falsch. Doch ein bisschen mehr als Hintergrundgeräusche hätte es schon sein dürfen. Die Sprachausgabe der Personen ist allerdings exzellent und wir können alles gut verstehen. Enttäuschung, Wut, aber auch positive Gefühle wie Freude oder eine neutrale Stimmung kommen realistisch rüber und lassen das Gespräch nicht einseitig werden. Wenn wir allerdings von unserem Labor-Profi zum x-ten Mal mit „Hi, Kumpel, wie geht’s dir?“ begrüßt werden, stellen wir die Ohren lieber auf Durchzug.
Point-and-Klick – das ist schick!?
Bei dem Spiel „CSI 2 – Dark Motives“ handelt es sich wie im Vorgänger um ein „Point-and-Klick-Spiel“, d. h. wir bewegen uns mit der Maus durch die virtuellen Tatorte. Um mit den Personen zu kommunizieren, wählen wir die Frage, die wir ihnen stellen wollen, mit der Maus aus. Bewegt wird sich nicht, da wir grundsätzlich nur Fragen beantworten, Hinweise lesen und kombinieren, Indizien sammeln und auswerten. Unterstützt werden wir von einer Leiste, die am unteren Bildschirmrand eingeblendet ist. Auf dieser wählen wir mittels eines Karteikarten-Systems z. B. unseren Standort, unserer Werkzeug oder gesammelte Objekte. Wenn wir beispielsweise einen Fingerabdruck suchen wollen, müssen wir mit der Maus auf „Werkzeuge“ klicken, dort das Puder auswählen und mit der Maus auf die Stellen klicken, an der wir den Fingerabdruck vermuten. Das Pulver wird aufgetragen und wenn wir Glück haben, zeichnet sich ein Fingerabdruck ab. Mit Hilfe eines anderen Werkzeuges, einer Art Papier, nehmen wir den Fingerabdruck auf. Dann aber nichts wie ab ins Labor, wo unser Labor-Profi bereitwillig den Fingerabdruck in den Computer einliest. An diesem suchen wir in der FBI-Kartei nach unserem Fund. Haben wir Erfolg, wird uns eine Auswahl präsentiert, die wir dann mit dem Original vergleichen müssen. Das Steuern mit der Maus ist keine Anstrengung und macht Spaß. Einzig zu bemängeln ist hier die Tatsache der Benutzerüberwachung. Der Computer scheint es nicht zu merken, wenn wir mehrmals und wiederholt mit meiner Ausrüstung über einen Fleck fahren. So können wir alles probieren, ohne Minuspunkte zu bekommen. Da hätte der Schwierigkeitsgrad etwas angezogen werden können.
Eine gute und nützliche Funktion im Spiel ist die Aktenmappe. In ihr werden alle Verdächtigen, das Opfer und die Indizien gespeichert und sind auf Knopfdruck abrufbar. Außerdem werden die Aussagen protokolliert und automatisch Verbindungen zwischen Täter und Opfer geknüpft. Auch die Videos sind hier abgelegt, so dass wir sie jederzeit wieder abrufen können.
Miss Moneypenny lässt grüßen
Großen Dank kann man eigentlich der Hilfe zusprechen, die uns in wirklich allen Menüs begleitet und berät. So war ich am Anfang etwas hilflos mit der Steuerung. Die freundliche Frauenstimme erklärte mir aber, wie ich mich zurechtfinde und was ich machen muss. Daher sind die Menüs, Icons und Buttons gar kein Problem mehr. So etwas braucht eigentlich jedes Spiel, da diese oft ohne Bedienungsanleitung bzw. mit einer unverständlichen oder –vollständigen daher kommen. Also ein Lob an die Entwickler und Pluspunkt für das Spiel.
„Was halten sie denn nun von dem Fall, Dr. Watson?“
Insgesamt ist das Spiel „CSI 2 – Dark Motives“ ein durchaus spielenswertes Game, das sich nicht zuletzt wegen der Erklärung seiner Funktionen nicht zu verstecken braucht. Für Liebhaber der Fernsehserie und/oder des ersten Teils ist der zweite durchaus zu empfehlen, zumal der Spieler direkt neben seinen Lieblingen aus der Serie operieren darf. Auch für Rätselfreunde ist dieses Spiel einen Blick wert, da es viel zu kombinieren und zu fragen gibt.
Alle anderen sollten allerdings die Finger davon lassen, erst recht, wenn ihr es nicht lange ohne Action aushaltet. Das Spiel ist eben ein Rätsel-Game und kein Shooter. Es gibt eher was für den Kopf als für die Kanonen. Waffen sind in diesem Spiel absolut nicht angesagt, eher Kombinationsgabe. Auch die Sinne werden nicht unbedingt verwöhnt: Kein mitreißender Soundtrack und auch keine Grafik, die vom Hocker haut. Ich persönlich kann dem Spiel wenig abgewinnen, da es schon nach einiger Zeit des Klickens langweilig wurde (ich bin kein Fan von „Point-and-Klick“s) und ich nicht weiterkam. Die Umsetzung an sich aber ist gut gelungen und das Feeling der Fernsehsendung wurde sehr gut übernommen.