Alle Jahre wieder kommt außer dem ganzen Feiertags- und Jahreswechsel-Irrsinn nun mit seliger Gewissheit auch der ganze Spiele-Update-Trubel auf uns zu. Und wir Spiele-Redakteure können mittlerweile sogar unsere Uhr danach stellen, wann die ersten Neuversoftungen mit der aktuellen Jahreszahl bei uns in der Redaktion eintreffen. So ist das aber nicht nur z.B. im Sport-Genre, wo für den Neupreis überwiegend ein Feinschliff des Vorjahresproduktes mit aktueller Aufstellung aller Mannschaften präsentiert wird, sondern auch im Sektor der Alltags-Simulatoren. Wen wundert’s also, dass der John Deere: Landmaschinen-Simulator zum Test mit den großen Zahlen 2011 im Titel nun hämisch grinsend vor mir liegt.
Es war einmal in einer fernen Galaxie…
Also vorbei die Zeit der angenehmen Prognosen der kommenden Spiele-Highlights zum Jahresende und hinein in die harte Test-Realität. Dabei muss ich mir mittlerweile richtig Gedanken machen, wie ich diese Artikel rund um Simulatoren überhaupt einleite. Denn bei der Software-Schwemme sind meine ganzen Kalauer rund um den möglichen Killerspiel- oder Spiele-Redakteur-Simulator schon längst verbraucht. Na gut, dann verweise ich an dieser Stelle eben auf den überraschenden Trend dieser oftmals unterirdisch programmierten Produkte, die bereits vor drei Jahren höchstens die mittleren Wertungsregionen erklommen hätten. Aber anstatt, dass die Titel vom Angel- bis hin zum Zebrastreifen-Simulator irgendwo im Nischensegment vor sich hin dümpeln, erklimmen einige sogar die Verkaufs-Charts. Da draußen muss es also Heerscharen motivierter Casual Gamer geben, die es kaum abwarten können, heimlich auf ausgedienten Bürorechnern ihrer geheimen Leidenschaft als Lokomotivführer nachzugehen.
Bei diesen Lesern möchte ich mich vorab schon einmal entschuldigen, denn leider sind die letzten Videospiel-Blockbuster und damit die gesetzten spielerischen Standards im jeweiligen Genre nicht komplett an mir vorbeigegangen. Auch sehe ich die Spiele mehr als neutraler Spieletester, denn als begeisterter Käufer mit Fan-Bonus. Und auch wenn ich jetzt von euch am liebsten rhetorisch gevierteilt werde sollte, habe ich es doch wieder geschafft, eine Einleitung zu finden. Was schreibe ich aber jetzt beim Zebrastreifensimulator-Update für 2011?
Du sprechen english?
Wie war nochmal diese Sage aus der griechischen Mythologie, wo jemand einen Stein den Berg heraufrollen muss, bis er kurz vor dem Ziel wieder herunterrollt? So fühle ich mich beim Spielen des
John Deere: Landmaschinen-Simulators 2011. Aber halt – erst einmal müssen wir in den „Genuss“ des sich wie beim Vorgänger ständig wiederholenden Spielablaufs kommen. Denn neuerdings stürzt das Spiel dauernd ab. Klar, ist ein standesgemäßer Test-PC für den Titel absolut überzüchtet, aber auch der herangezogene Laptop, der gerade so über die Anforderungsmarke kommt, zeigt das gleiche Ergebnis. Wenigstens werden mir dort andere Fehlermeldungen angezeigt, so dass die Programmierer hier ihre Kreativität zeigen konnten.
Egal, bei dem niedrigen Verkaufspreis spielen wir doch gerne Beta-Tester für den nächsten Patch. Oder etwa doch nicht? Naja, zumindest solltet ihr für diese Aufgaben auf jeden Fall der englischen Sprache mächtig sein. Denn alles ist auf Deutsch übersetzt worden, sogar die Installation und natürlich die Packungsrückseite, aber für das eigentliche Spiel war wohl kein Budget mehr vorhanden. Ich denke eher, dass Alltags-Sim-Fans wohl zehn Euro mehr ausgeben würden, wenn zumindest dieser Punkt stimmen würde.
PSOne-Spiel ohne Playstation-Charme
Hat man das alles verschmerzt und zwecks Absturzgefahr sein Frustpotential hoch angesiedelt, dann kommt mir diese Neuauflage zum Jahreswechsel irgendwie wie der Vorgänger vor - nur eben einen Tick schlechter. Da kommt z.B. auch der Zahn der Zeit dazu, der die Grafik noch unterirdischer wirken lässt. Der
John Deere: Landmaschinen-Simulator 2011 sieht so ähnlich aus, wie ein PSOne-Game ohne Retro-Charme. Zumindest wurde sich wieder ein wenig angestrengt, wenn es um die Polygon-Modelle der namensgebenden Marke geht, die den lizensierten Fuhrpark bildet. Allerdings wirken diese teilweise doch recht detaillierten Gerätschaften ein wenig deplatziert in der plumpen Landschaft. Wen wundert es dann noch, dass die Musikuntermalung und die Sound-Effekte einem normal-sterblichen Spieler auf den Wecker gehen.
Das Gameplay an sich ist wieder zu langwierig und wiederholend gehalten. Aber das sage ich auch nur, weil ich parallel andere Open-World-Referenzen spiele, mit abwechslungsreichem Missions-Design. Den
John Deere: Landmaschinen-Simulator 2011 muss man auch etwas aus der Fan-Brille sehen, denn wer einen Titel mit Mähdreschern drauf kauft, der ärgert sich nicht unbedingt, dass das Bestellen von Feldern zum Selbstzweck erhoben wird. Aber diese Tätigkeiten wiederholen sich und sind für meinen Geschmack, mit manchmal auch gut über einer Viertelstunde Zeitaufwand, zu langwierig geraten. Aber wie gesagt, wer virtuell am PC-Teich angelt, der kann auch acht Stunden vor der Tastatur sitzen, um anschließend dann doch im Lebensmittel-Discounter seine Fischstäbchen zu kaufen.
Für kleine Kinder und deren Väter
Jetzt habe ich aber auch kein gutes Getreidekorn über dem anderen gelassen. Ja, das stimmt auch, denn Kritikpotential liefert der
John Deere: Landmaschinen-Simulator 2011 genug. Aber weil wir hier kleinere Brötchen backen, erwähne ich auch mal, dass die anfänglichen Missionen mich gut in das Spiel eingeführt haben, obwohl die recht intuitive Steuerung auch von kleinen Kindern einfach bedient werden kann. Das soll jetzt aber auch bedeuten, dass die Fahrzeug-Physik sehr rudimentär geraten ist. Auch der rudimentäre Aspekt der Wirtschaftssimulation, indem ich als Bauer-sucht-Frau-Experte meine Ausgaben manage, um natürlich weitere Gerätschaften mit Hirschlogo zu erwerben, verdient in diesem Bereich Anerkennung. Als Käufergruppe identifiziere ich mal die junge Zielgruppe, die der zockende Vater mittels anspruchsloser Alltagssimulation an das Hobby heranführen will. Denn kleine Kinder spielen auch real mit Playmobil-Muldenkippern. Und zweitens: Alle geneigten Hobby-Bauern, die ohne große Ambitionen für eine kurze Entspannungsrunde auf dem virtuellen Mähdrescher ihre Alltagssorgen vergessen wollen. Alle anderen in Form von Spiele-Redakteuren oder Core Gamern machen gewohnt einen Bogen um das Erzeugnis. Doch wie die Entwickler selbst ihrer eigenen Zielgruppe die Abstürze und die fehlende deutsche Sprache sympathisch machen wollen, bleibt mir außer über die Möglichkeit eines Patches schleierhaft.