2K Games wirft den nächsten Teil von Civilization auf den Markt: Die fünfte Episode soll Fans und Neulinge wieder an den PC fesseln. Nach dem eher schwachen Konsolenableger »Civilization: Revolution startet Civizilization V wieder durch. Ob das rundenbasierte Strategiespiel fesseln kann, verraten wir euch im ausführlichen Test.
Geschichte für Anfänger
Napoleon verbündet sich 1360 mit Bismarck gegen England. Anschließend wird der Pakt aufgelöst und Persien vernichtet zusammen mit Frankreich das Deutsche Reich 1620. Große Führer müssen aufgeben, Nationen werden dem Erdboden gleich gemacht. Berlin und London sind von Frankreich annektiert. Und dann ruft Persien auch noch die Vereinten Nationen ins Leben. Auch Nicht-Geschichtsstudenten sollten gemerkt haben, dass hier etwas nicht stimmt. Doch in
Civilization V ist all dies möglich. Noch lange vor Christus beginnt ihr als großer Führer eures Volkes mit einer kleinen Stadt, euch in der Welt zu behaupten. Ihr entdeckt das Rad, beginnt mit dem Bergbau, erfindet die Dampfmaschine und gelangt irgendwann in ferner Zukunft in das Luftfahrtzeitalter. Doch Achtung: Auch andere Nationen wollen sich auf der Welt behaupten. Manche friedlich, andere weniger. Wie ihr euch verhaltet, bleibt euch überlassen. Doch ihr dürft nicht untergehen. Ihr müsst euer Volk zu einem Weltreich führen – ob kulturell, wissenschaftlich, militärisch oder wirtschaftlich. Jede der insgesamt 18 Nationen (weitere sind später als DLC erwerbbar) in
Civilization V hat ihre eigenen Stärken.
Round and round and round
Das Besondere an
Civilization V beziehungsweise der gesamten
Civilization-Reihe ist der rundenbasierte Spielablauf. In anderen Strategiespielen kommt es oft vor, dass mehrere Dinge gleichzeitig erledigt werden müssten, aber der Verlauf der Spielzeit gegen einen arbeitet. Oder es geschieht längere Zeit nichts Bedeutsames und ihr wartet etliche Minuten vor eurem Bildschirm, bis endlich wieder gehandelt werden kann. Diese Probleme gibt es bei
Civilization V nicht. Die Spieler sind abwechselnd an der Reihe und haben im Grunde so viel Zeit, wie sie benötigen, um ihre Einheiten zu koordinieren, ihr Land zu modernisieren, Infrastrukturen aufzubauen und Gebäude in den Städten zu errichten. Wenn ihr alles erledigt habt, könnt ihr die nächste Runde einleiten. Sollte einmal nichts zu tun sein, da Produktionen noch am Laufen sind, nichts neues erforscht wurde und eure Einheiten noch auf ihrem Weg sind, könnt ihr getrost sofort die nächste Runde beginnen. Dies führt einerseits dazu, dass ihr niemals unter Zeitdruck geratet, andererseits aber auch nie vor dem Bildschirm sitzen müsst, bis endlich wieder etwas zu tun ist.
Jede Forschung und jeder Bau von Einheiten oder Gebäuden dauert eine gewisse Rundenanzahl. Dies wird einerseits durch den Wissensstand eurer Zivilisation oder eben durch den Entwicklungsstand eurer Städte beeinflusst. Auch die Einheiten unter eurer Kontrolle unterliegen den Gesetzen der Rundenstrategie: Eine Einheit kann je nach Typ pro Runde nur eine gewisse Anzahl an Spielfeldern bewegt werden. Dies führt dazu, dass ihr die Koordination eurer Einheiten in
Civilization V weit genug im Voraus planen müsst. Ein gegnerischer Angriff kann beispielsweise schnell zum Problem werden, wenn die nächste Einheit erst etliche Runden später beim Angriffsziel eintrifft…
Forschen, Bauen und Entwickeln
Eure Städte sind in
Civilization V als ein Ganzes anzusehen. Ihr könnt jede Stadt nach Belieben mit Gebäuden ausbauen. Allerdings kann pro Stadt immer nur eine Produktion laufen. Wenn ihr also ein Weltwunder errichtet, ist diese Stadt für etliche Runden erst einmal produktionsunfähig. Das Wunder beansprucht viele Spielrunden, daher können in dieser Zeit in der produzierenden Stadt keine Einheit und auch kein weiteres Gebäude entstehen. Ihr müsst also gut darauf achten, in welcher Stadt ihr welche Produktionen einleiten wollt.
Jedes Gebäude, welches errichtet wird, hat zudem Auswirkungen auf die Entwicklung der Stadt und eures Reiches. Eine Bibliothek beispielsweise, erhöht den Wissensstand eurer Bevölkerung – was dazu führt, dass neue Technologien schneller erforscht werden. Ein Monument bringt weitere Kulturpunkte, die ihr benötigt, um eine neue Sozialpolitik einzuführen. Allerdings wird manchmal auch ein Kornspeicher benötigt, der die Nahrungsproduktion erhöht und somit eine Hungerperiode in der Stadt verhindert und ihr Wachstum unterstützt. Wieder andere Gebäude sind für die Produktionsleistung der Stadt und die Stimmung der Bürger in
Civilization V zuständig.
Niemals zu vernachlässigen ist die Forschung. Euer Volk hat in
Civilization V zu Beginn kaum Kenntnisse. Tierzucht und Fallenstellen muss zuerst erforscht werden, um aus euren Gebieten auch effektiv Nahrung ziehen zu können. Ebenso werdet ihr nie Bodenschätze entdecken, wenn ihr keinen Bergbau oder Umgang mit Metallen erforscht habt. Ihr müsst bereits zu Beginn des Spiels eine grobe Vorstellung haben, wie ihr euer Volk entwickeln möchtet. Legt ihr besonderen Wert auf eine frühe militärische Schlagkraft, oder wollt ihr hauptsächlich den kulturellen Bereich vorantreiben?
Man ist nie allein….
Zu Beginn eines Spiels könnt ihr wählen, welche Nation ihr zu einem ruhmreichen Sieg führen möchtet. Insgesamt stehen euch hier 18 Völker mit ihren jeweiligen Herrschern zur Verfügung. Anbei eine kurze Liste der spielbaren Völker (weitere sollen per DLC hinzukommen):
• 01. Ägypten - Ramses, um 1303 v.Chr. - 1213 v.Chr.
• 02. Amerika - George Washington, 1732-1799
• 03. Arabien - Harun al-Rashid, um 736-809
• 04. Azteken - Montezuma, um 1465 - 1520
• 05. China - Wu Zetian, 625-705
• 06. Deutschland - Otto von Bismarck, 1815-1898
• 07. England - Elisabeth, 1533-1603
• 08. Frankreich - Napoleon Bonaparte, 1769-1821
• 09. Griechenland - Alexander, 356 v.Chr - 323 v.Chr.
• 10. Indien - Mahatma Gandhi, 1869-1948
• 11. Irokesen - Hiawatha
• 12. Japan - Oda Nobunaga, 1534-1582
• 13. Osmanen - Süleyman, um 1495-1566
• 14. Perser - Dareios
• 15. Rom - Julius Caesar, 100 v.Chr-44 v.Chr
• 16. Russland - Katharina, 1729 - 1762
• 17. Siam (Thailand) - Ramkhamhaeng, 13. Jahrhundert
• 18. Songhai - Askia
Wie ihr seht, ist die Auswahl relativ groß. Hinzu kommt, dass jeder Führer eines Volkes vollständig animiert ist und mit der jeweiligen Sprache des Landes synchronisiert wurde. Jedes Volk und jedes Staatsoberhaupt in
Civilization V hat seine Vorteile – wie ihr sie allerdings spielt, bleibt euch überlassen. Ihr werdet auf jeden Fall mit einer oder mehreren dieser Nationen im Spiel interagieren müssen. Ob bei Kooperationspakten, Kriegsverhandlungen, Friedensverhandlungen, Grenzöffnungen oder einem normalen Handel mit Waren und Luxusgütern.
Die Charaktere sind aufwendig gestaltet und reagieren auf euer Handeln. Hinzu kommen noch verschiedene Stadtstaaten, die ebenfalls ihren Anspruch auf Existenz in der Welt stellen. Hier gibt es zwar keine Staatsoberhäupter, aber dennoch verlangen sie eure Unterstützung, eure Hilfe oder wollen von euch erobert werden. Solltet ihr allerdings zu viele schwache Stadtstaaten in euer Reich integrieren – was bedeutet, dass ihr sie gewaltsam unterwerft – kann dies schnell dazu führen, dass sich die anderen großen Nationen in
Civilization V gegen euch stellen. Schließlich will niemand einen gefährlichen Kriegstreiber neben sich haben – vor allem nicht, wenn dieser immer größer und mächtiger wird.
Die KIs verbünden sich auch untereinander – entweder gegen die anderen Computerherrscher, oder aber gegen euch. Ihr müsst selbst entscheiden, wem ihr helfen wollt, gegen wen ihr euch stellt und wessen Forderungen ihr besser erfüllt. Ein friedliches Auskommen mit den anderen Nationen ist oft möglich – aber Freundlichkeit kann auch schnell zu Feindseligkeit werden. Achtet also stets auf eure diplomatischen Beziehungen – ob im Spiel gegen den Computer oder gegen echte Mitstreiter via Netzwerk oder Internet.
Komplex aber simpel
Das Faszinierende an
Civilization V ist einerseits die Anzahl der Möglichkeiten, die ihr erhaltet, um den Spielverlauf zu beeinflussen. Alleine die Option, auf vier verschiedene Weisen das Spiel für sich zu entscheiden, ist eine Herausforderung, die Fans schon seit längerem begeistert. Andrerseits ist es erstaunlich, wie simpel und einsteigerfreundlich das Spiel gehalten wurden. Eure Entscheidungsmöglichkeiten sind enorm, allerdings kann fast alles über wenige Klicks erledigt werden. Darüber hinaus können sich Anfänger von ihren Beratern Tipps geben lassen, welche Vorgehensweise für welchen Bereich im Moment von Vorteil wäre.
Civ-Optik
Grafisch müssen sich viele Strategiefans, die noch keinen Kontakt zur
Civ-Reihe gefasst haben, wohl erst einmal einleben. Die Landschaften sind zwar nett gestaltet und es gibt etliche liebevolle Kleinigkeiten zu bewundern, allerdings bleibt
Civilization V eher praktisch veranlagt. Daher sind Einheiten fast in der selben Größe wie Städte. Dies mag anfangs etwas irritieren, dient aber dem Zurechtfinden auf der Karte und der Organisation der Einheiten. Proportionen sind in der Welt von
Civilization zu Gunsten der Übersichtlichkeit Flöten gegangen. Die Maps sind insgesamt sehr unterschiedlich – sowohl bei der Größe, als auch bei den Landschaften. Von Wüsten über Gebirge bis hin zu Ozeanen und Inseln ist alles vertreten. Dies führt zu strategischen Herausforderungen bei Einheitenbewegungen und erfordert gewisse Technologien, um die eigenen Gebiete effektiv nutzen zu können.
In dieser Einheits-Größen-Welt passt sich allerdings alles schön aneinander an. Einheiten bewegen sich über die Hügel – auch wenn diese kaum größer sind als die Einheit selbst. Ein Schwerttrupp hat kaum eine Chance, eine befestigte Stadt einzunehmen – obwohl diese Stadt größenmäßig keine sichtlichen Vorteile aufzuweisen hat. Tiere laufen über die Felder und Barbaren schlagen ihr Lager neben euren Gebieten auf. Die Welt um euch herum lebt – Runde für Runde. Zwar haut die Grafik von
Civilization V einen nicht vom Hocker, doch sie ist dennoch annehmbar und vor allem praktisch.
Ihr könnt eure Städte mit den von euch errichteten Weltwundern aus nächster Nähe betrachten – oder ihr zoomt weit heraus und überschaut euer Reich von oben – was letztendlich dazu führt, dass ihr nur noch farblich gekennzeichnete Gebiete und viele Städtenamen seht. Dazwischen seht ihr die Symbole der einzelnen Einheiten. Wie gesagt: Schemenhaft, aber unheimlich praktisch.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
