Wir schreiben das Jahr 1936, die Nazis sind auf der Suche nach einer okkulten Waffe und ein Abenteurer sucht samt charmanter Begleitung nach einem Weg, die Pläne des Dritten Reichs zu durchkreuzen. Eine Reise auf insgesamt drei Kontinente wartet auch euch. Indiana Jones is back? Hm nein leider nicht. Dennoch kein Grund Trübsal zu blasen. Wir verraten euch, warum Fenton aus Lost Horizon durchaus mit dem betagten Hollywoodabenteurer mithalten kann.In unserem »kommentierten Testvideo zu Lost Horizon könnt ihr euch zudem einen Eindruck von der schicken Präsentation des Adventures machen.
Land der Geheimnisse
Tibet ist ein sagenumwobenes Land, vor allem in Jahre 1936. Karten von der Region sind Mangelware, das Gebiet gilt weitestgehend als unerforscht. Das lässt die Nazis jedoch nicht davon abbringen, genau dort nach einer besonderen, okkulten Geheimwaffe zu suchen. In einem alten tibetanischen Kloster soll ein machtvolles Kriegsinstrument zu finden sein. Lediglich ein Trupp britischer Soldaten, welche im besagten Gebiet patrouilliert, steht dem Ziel der Deutschen noch im Weg. Eine besondere Herausforderung bildet der kleine Spähtrupp freilich nicht, bereits nach einem kurzen Kampf ist nur ein einzelner Soldat übrig, der sich hinter einer Geheimtür zu verschanzen versucht. Der angeschossene Tempelvorsteher bittet ihn in seinen letzten Atemzügen, das Geheimnis dieses Ortes zu beschützen und gibt ihm zu diesem Zwecke ein goldenes Amulett in die Hand. Was jedoch soll der britische Soldat Richard machen, um ein Bataillon fest entschlossener Feinde aufzuhalten? In seiner Not öffnet Richard die Tür in der geheimen Kammer und verschwindet kurz darauf spurlos….
Schmugglerleben
Fenton Peddock, ein ehemaliger britischer Soldat, der vor einigen Jahren unehrenhaft aus der Armee entlassen wurde, führt in
Lost Horizon ein moralisch fragwürdiges Leben. Mit seiner alten Ford - einem altersschwachen Propellerflugzeug - schmuggelt er Waren ins chinesische Kaiserreich. Bedauerlicherweise ist der Schmuggelhandel fest in den Händen der örtlichen Triaden und diese sehen es natürlich gar nicht gern, wenn jemand in ihrem Gebiet wildert. Aus diesem Grund verfrachten sie Fenton direkt zu Beginn des Spiels auf den Grund des Hafenbeckens, passenderweise in einem fest verschlossenen Sarg – die erste Rätselkette beginnt.
Wie öffne ich einen Sarg von innen?
Echte Menschenfreunde diese Triaden. Man hat uns die Wahl gelassen, wir können unsere Todesart wählen: Die Mafiosi haben ein kleines Loch in den Sarg gebohrt und uns dann ins Hafenbecken gestoßen. Halten wir die Hand auf die Öffnung, werden wir langsam aber sicher ersticken, nehmen wir sich weg, ist der Tod durch Ertrinken eine sichere Sache. Unser einziger Vorteil ist ein Sturmfeuerzeug, das für eine spärliche Beleuchtung sorgt. Aufstemmen können wir den Sarg nicht. Die eingehämmerten Nägel geben keinen Millimeter nach. Nun gut, zunächst gilt es das Loch zu stopfen. Glück im Unglück: unser Gefängnis wurde mit Teer abgedichtet. Mit dem Feuerzeug erhitzen wir einen Teerpfropfen und schmieren das nun weiche Abdichtmittel auf ein Stück Tuch. Das Loch macht nun keine Probleme mehr, wir können uns der nächsten Hürde widmen: Ein mit zwei Schrauben fixiertes Scharnier hält den Deckel bombenfest auf dem Sarg. Kein Problem für einen findigen Geist wie Fenton. Mit Hilfe einer Münze, die wir unserer Geldbörse entnehmen können, wird das Scharnier samt Eisenverschlag aus dem Holz gezogen. Die Freiheit jedoch hat uns noch immer nicht zurück. Auch ohne Scharnier halten die eingeschlagenen Nägel. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, auf rohe Gewalt umzusteigen. Mit dem Eisenscharnier als Hebel brechen wir die Kiste entzwei – die erste Kopfnuss von
Lost Horizon ist gelöst.
Von einem zum andern
Die gerade beschriebene Rätselkette ist bezeichnend für den Ablauf des Adventures. Immer wieder werdet ihr auf Hindernisse stoßen, deren Bewältigung eine Vielzahl anderer Hindernisse aufwirft. Ein weiteres Beispiel: Kaum sind wir unserem nassen Grab entkommen, geht es auch schon weiter. Das
Lost Horizon jagt euch von einem Schauplatz zum anderen. So müssen wir bereits zu Beginn des Spiels von China nach Tibet aufbrechen, um unseren verlorenen Freund Richard zu suchen, der für die britische Armee als Kundschafter ausgesandt wurde. Leider ist Tibet im Jahre 1936 ein weitestgehend unerforschtes Gebiet. Daher benötigen wir dringend Karten, bevor wir uns mit der alten Ford auf den Weg machen können. Zum Glück kennt Fenton jemanden, der ihm weiterhelfen könnte: Ein alter Arbeitskollege von ihm war bereits in Tibet und hat die dortige Region kartographiert.
Weniger glücklich: Nach einem Streit sind die beiden auseinander gegangen. Wie also soll man in einer Großstadt einen alten Freund ausfindig machen? In einer Kneipe bekommen wir Hilfe. Ein betagter Mann in einem Nachtclub soll Gerüchten zufolge nahezu jeden Einheimischen kennen. Leider ist sein Gedächtnis nicht mehr das Beste – ein Bild muss her. In Fentons Büro sollte ein Foto im Safe zu finden sein. Blöderweise steht die Kombination dazu auf einem Zettel in seiner Geldbörse, die er bei dem „Ausflug“ ins Hafenbecken verloren haben muss. Tatsächlich hat ein kleiner Junge, just in dem Moment als wir eintreffen, einen besonderen Fisch aus dem Meer gezogen. Der gerissene kleine Bursche jedoch möchte uns das gute Stück nicht ohne Gegenleistung aushändigen. Wir sollen ihm helfen, seinen Freunde zu imponieren, indem wir eine Fledermaus fangen. Ein schwieriges Unterfangen, bleibt bei Regen doch die Leibspeise der Flugvampire in ihren Verstecken. Also haben wir nun die Aufgabe, Insekten zu suchen. Hmmm, Insekten haben wir doch schon gesehen. Im Hinterhof des Nachtclubs schwirren sie um eine Lampe herum. Leider werden sie von einer übellaunigen Katze bewacht, die einen Höllenlärm veranstaltet als wir uns nähern. Das ruft wiederum die Triaden auf den Plan. Wie also bekommen wir die Mietze ruhig gestellt?....
Augsburger Puppenkiste
Damit ihr in den mitunter sehr langen Rätselketten von
Lost Horizon nicht den Überblick verliert, hat Animation Arts eine umfangreiche Hilfestellung eingebaut. Auf Knopfdruck könnt ihr eure aktuellen Aufgaben von einem gut vertonten Sprecher vorlesen lassen. Auch die Dialoge und Zwischensequenzen, von denen ihr im Spielverlauf einige genießen dürft, sind durchweg gut geraten. Weniger schön anzusehen sind die Gesichter und Animationen während der Videoschnipsel. Die Bewegungen der Protagonisten wirken allesamt etwas abgehakt – selbst die Augsburger Puppenkiste hat da mehr heraus holen können. Gleiches gilt für die Gesichter der Charaktere. Insgesamt wirken diese etwas emotionslos und polygonarm. Im Kontrast dazu stehen die wunderschön gezeichneten Hintergründe. Hier haben die Entwickler viel Liebe zum Detail bewiesen. Alles in Allem fällt die Optik positiv auf.