Als eingefleischter Pen&Paper-Rollenspieler war man vor einigen Jahren über jede Versoftung zu seinem Lieblingshobby noch mehr als dankbar. Nicht anders ist es zu erklären, dass man sich trotz aller Gameplay-Probleme durch die DSA Nordland-Trilogie oder Shadowrun an manchen Stellen einfach freudig lächelnd durchgequält hat. Heute, nach Baldur's Gate und anderen RPG-Krachern, sind wir auf diesem Gebiet mehr als verwöhnt. Daher funkeln meine Augen umso mehr, wenn es mit dem aktuellen Addon zu Drakensang ein Widersehen mit dem Haudegen Asleif Phileasson aus der Drachenhals-Romanreihe gibt. Nur etwas für Fans der Bücher oder lohnenswerter Pflichtkauf für jedermann?
Zurück in die Zukunft
Entgegen der Addon-Politik eines
Gilde 2: Renaissance kann man nicht einfach das Spiel auf der Platte installieren und loslegen, sondern muss vielmehr sichergehen, dass man dort auch noch
»Drakensang: Am Fluss der Zeit herumliegen hat. Wer das Spiel noch nicht besitzt, der kann mittlerweile für rund 30 Euro zuschlagen. Dafür bekommt der Käufer aber auch stundenlangen Spielspaß in Form ausgearbeiteter Charaktere, liebevoll erzählter Geschichten und guter Synchro, gekleidet in einem klassischen Rollenspiel-Gewand. Die Messlatte und die Erwartungshaltung für das AddOn
Phileassons Geheimnis liegt also hoch.
Warum ich das immer so betone? Weil ich euch nun nicht länger auf die Folter spanne und die Katze aus dem Sack lasse. Dieses Addon ist ein Griff in die Tonne. Klar, Neugierige haben sowieso zur Prozentwertung in diesem Artikel durchgescrollt und den Fazit-Kasten gelesen, aber natürlich will so ein Verriss auch begründet werden.
Lowered Expectations
Und damit fange ich an. Anfangs ist die Spielspaß-Welt noch heil und wir nehmen frohen Mutes eine neue Quest in Nadoret an. Da tauchen plötzlich Drachenboote auf und machen die Anwohner nervös. Ohne viel zu spoilern ist klar, dass diese Quest uns zur namensgebenden und mürrischen Gallionsfigur Phileasson führt. Dieser hat nämlich einen Sphärenriss in der Elfenstadt Tie’Shianna entdeckt, wo er ganz wie Super Mario eine Prinzessin erretten will. Aber warum so negativ, schließlich haben wir schon mal gute Zutaten? Einen Bekannten Helden mit detaillierter Vorgeschichte und einen epischen Schauplatz.
Ganz genau deshalb, weil sich der Entwickler Radon Labs keine Mühe gegeben hat, das Szenario mit Leben zu füllen und damit den gestellten Erwartungen Rechnung zu tragen. So fühlt sich die vergessene Stadt zu sehr orientalisch-ägyptisch, denn elfisch angehaucht an. Dazu kommt noch, dass ich mit meiner Gruppe das Gefühl habe von einer Keilerei nur so in die nächste zu stapfen. Ein paar Flugkäfer hier totgeschlagen, ein paar Wachen dort kaputt gehauen. Lieblos verprügele ich die einfallenden Truppen des Namenlosen und muss erkennen, dass manche Aufträge künstlich extrem gestreckt wurden, um auf die bis zu sieben Stunden Spielzeit zu kommen. Wer darauf hofft, in Form von Nebenquests die schwer nachvollziehbare Handlung von
DSA Drakensang - Phileassons Geheimnis auflockern zu können, der kann mir auch ein Konzert auf der Hundepfeife geben. Sprich, keine Chance, weil nichts raus kommt, weil nichts da ist. Zumindest wurde an genügend Händler gedacht, um Vorräte für die Reise aufzustocken. Die haben aber nichts neues, sondern nur Altbekanntes im Sortiment.
Unwürdiges Addon zum gelungenen Hauptspiel
Also wird aus einem geschichtsträchtigen Rollenspiel und Spielspaßgarant ein Dungeon Crawler? Sieht ganz so aus. Wäre dieser Teil jedenfalls im Hauptprogramm bereits dabei, könnte man sagen, dass die Quest Längen aufweist, aber trotzdem spielenswert ist. Aber dafür nochmal 20 Euro zu verlangen, wo der DLC anderer Spiele mit frischen Charakteren und Ausrüstungsgegenständen aufwartet, bleibt frech. Was ist aber mit dem Fan-Bonus?
Ja, die Stadt in
DSA Drakensang - Phileassons Geheimnis ist episch in der Vorstellung, aber im Grunde nur ein müdes Schlauch-Level in der Versoftung. Denn Phileasson selbst gibt sich zwar die Ehre, ist aber kaum ausgearbeitet und wurde als regulärer Charakter einfach in die Riege der namenlosen Questgeber ohne Sinn und Zweck zurückgestuft. Klar, wird er später Teil eurer Gruppe, aber auch da kommt nicht mehr Leben in dieses Spiel.
Und so toll ist die Tatsache, ihn ausrüsten zu dürfen, auch wieder nicht. Wer trotz aller Warnungen zugreifen will, der sollte bereits über eine einigermaßen tapfere Riege an Mitstreitern verfügen, denn nur so könnt ihr euch den plump inszenierten Gegnerwellen des Namenlosen erwehren. Wie ich finde, eine ziemlich happige Entscheidung, denn bereits hoch dotierte Helden haben einige Stunden des Spiels und damit seine Stärken genossen. Reist man dann durch den Zeitriss, wird der Qualitätsbruch umso deutlicher. Desto blöder ist dann noch die Herangehensweise, dass ich diese lieblose Quest stückchenweise absolvieren muss. Nämlich, indem ich jeweilige Fortschritte im Hauptprogramm erreiche, geht es auch dort in der Story weiter. Klar, wer schon komplett durch ist, kann auch hier die Spielzeit runterreisen, aber lieber hätte man diesen
Drakensang-Teil kostenlos in Form einer Collector's Edition ins Programm integriert, anstatt mit der Erwartungshaltung der Fans zu spielen. Erklären kann man sich diesen Fehlgriff nur durch die Insolvenz der Entwickler und der Hoffnung des Publishers, noch einmal Kasse zu machen. Denn
Phileassons Geheimnis wäre sogar als purer DLC bloß Durchschnitt. Also hüllen wir schnell den Mantel des Vergessens über dieses Addon und erinnern uns dessen nur als Dreingabe bei möglichen Complete Editionen von
Drakensang zum Weihnachtsgeschäft.