Das Entwickler-Studio Daedalic ist bekannt für seine abgedrehten Adventures, die sich fernab des Mainstreams durch unkonventionelles Spieldesign auszeichnen. Beispiele dafür sind »The Whispered World oder auch »Edna bricht aus. Nach viel Lob seitens der Presse sowie guten Verkaufszahlen wagt es Daedalic nun, noch einen Schritt weiter zu gehen und baut die Experimentierfreudigkeit weiter aus. Wie sich das neue Point and Click-Adventure Full Pipe schlägt, erfahrt ihr im nachfolgenden Test.
Ab unter die Erde!
Dude ist der kauzige Hauptakteur in
Full Pipe, den es in ein Röhrensystem unter Tage verschlägt, nachdem ein Missgeschick Dudes Nachtpantoffel in jene unterirdische Welt verfrachtet. So wie schon der Protagonist gestalten sich die Untergrund-Welt und deren Bewohner alles andere als normal. Keine der Kreaturen beherrscht eine Sprache, sie verständigen sich nur mit eigenartigen Lauten und Gesten. Auch ihr Verhalten wirkt alles andere als menschlich, alle Charaktere sind auf ihre Art durchgeknallt und besitzen Wiedererkennungswert. Eine Sprachausgabe im klassischen Sinne bietet
Full Pipe also nicht, selbst Dude lässt keine Kommentare von sich hören. Das alles mag anfangs irritierend sein, die Verwirrung legt sich aber mit der Zeit.
Mal anders knobeln
Wichtiger als die Tatsache, dass die zwar schön gezeichnete und nett animierte Grafik lediglich die Auflösung von 800 x 600 Pixeln unterstützt, dürfte die Frage sein, wie sich denn die Rätsel im Vergleich zu anderen Point and Click-Adventures schlagen. In dieser Beziehung kommt
Full Pipe sehr eigenständig daher und pfeift auf Genrestandards wie Hotspot-Anzeige oder Rätselhilfe. Vielmehr geht es um komplexes Denken und nicht selten um reines Ausprobieren, um weitere Tunnelgänge freizuspielen. Denn die Knobeleien fallen alles andere als einfach aus. Wer sich nicht jede Gestalt und deren Macke eingeprägt hat, der kommt nicht weit, da es zumeist darum geht, mit anderen Charakteren zu interagieren und die Eigenschaften derer in Anspruch zu nehmen.
So legen wir in einem Raum eine Schublade in unserem Inventar ab, die wir kurz darauf mit einem sichtlich planlosen Geschöpf gegen eine Sonnenbrille eintauschen. Haken dabei: Wir können in diesem Fall fast alle Gegenstände, die wir besitzen tauschen und nicht nur einen. Das macht die Sache noch mal um einiges komplizierter. So ähnlich gestalten sich die meisten Rätselketten: Gegenstände erhalten, mit anderen Charakteren interagieren und teilweise auch mal durch einen fiesen Countdown unter Druck stehen. Leider bleibt
Full Pipe durchgehend knifflig und allzu oft erwischt man sich dabei, allein durch Herumprobieren ein Rätsel gelöst zu haben und weniger mit geschicktem Nachdenken.
Und sonst so?
Mittels Maus lassen sich alle Befehle an Dude weiterleiten, und auch andere Aktionen wie das Aufrufen des Inventars unterscheiden sich in
Full Pipe nicht von anderen Adventures. Manchmal fällt es allerdings schwer, den richtigen Hotspot zu treffen, da die Steuerung nicht immer ganz präzise funktioniert. Richtig atmosphärisch ist der kleine, aber feine Soundtrack, der zum Beispiel durch Jazz-Stücke richtig Flair vermittelt und super zur Stimmung des abgedrehten Untergrund-Szernarios passt.