Ja, ich gestehe. Neben Videospielen greife ich auch gelegentlich zum altgedienten Rätselheft und löse ein Kreuzworträtsel, knoble mich durch ein Sudoku oder widme mich anderen Logikrätseln. Doch ganz im Gegensatz zu Videospielen werden meine Erfolge dabei nicht in Form von ausufernden Renderfilmchen oder anderen Belohnungen gewürdigt. Mir bleibt am Ende nur die Gewissheit, die Sache gelöst zu haben. Da kommt mir doch der Test zu Cogs, dem ultimativen 3D-Puzzlegame laut Packungsvorderseite, gerade recht. Mal schauen, ob die Rätsel hier so sehr fesseln, dass ich den Kugelschreiber in Zukunft zurück in die Schublade verbannen kann.
Anleihen bei Bioshock
Wer in der letzten Zeit
»BioShock oder
»BioShock 2 gespielt hat, der kann sich sicher noch gut an die Rätsel zur Überbrückung der Kameras erinnern. Hier galt es, von einem Anfang zum richtigen Ende die dazwischen liegenden Elemente so zu verbinden, dass daraus eine funktionierende Einheit entstand. Genau dieses Spielprinzip bietet
Cogs in Reinkultur. Schon am Anfang verbinden wir Zahnräder oder Rohrleitungen, dass diese die Kraft weitergeben können oder kein Dampf mehr entweicht. Dabei wirkt das ganze Setting einem Steam-Punk-Adventure im Stil von
Syberia entlehnt und lädt mit seinem braun-gelben Farbtouch zum Nachdenken ein.
Motivation dank Medium Videospiel
Und hier bekommt man seine Belohnung. Denn während das Rätselbuch einen zwar die Zahnräder richtig verbinden lässt, kann es natürlich nicht die abschließende Siegesanimation darstellen, wenn die Mechanismen in sich greifen und alles schön funktioniert. Dabei muss auch schon mal dreidimensional um das Eck geschoben werden, damit anschließend z.B. eine Maschine stilecht aus dem Bildschirm fahren kann. Richtig knifflig wird es aber bei Rätseln, wo wir nicht nur die Vorder- sondern auch die Rückseite berücksichtigen müssen.
So verschieben wir Rohrleitungen zu einem Ganzen, nur um anschließend zu bemerken, dass die an der Rückwand angebrachten Versatzstücke so gar nicht zusammenpassen können. So schieben wir also minutenlang die Teile durch die Gegend, bis nach reichlicher Knobelei das Ergebnis erreicht ist. Das ist mal ungemein motivierend und ein anderes Mal frustrierend, weil man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Musikalisch wird
Cogs Düdel-Musik unterlegt, die beim bewussten Hören schaurig klingt, aber wenn man sich in das Rätsel eingedacht hat, auch konzentrationsfördernd wirkt. Puristen können den Sound auch komplett abstellen. Die Grafik ist simpel gehalten und unspektakulär. Schließlich soll ja nichts von der Knobelei ablenken. Highlights sind dann die Animationen bei erfolgreichem Abschluss eines Rätsels, die nichts Besonderes sind, aber die Motivation fördern. Ganz im Gegensatz zum Rätselbuch.
Unterdurchschnittliches PC-Spiel
Wer Langzeitmotivation sucht, setzt den persönlichen Schwierigkeitsgrad in den jeweiligen Modi von
Cogs höher, indem er gegen die Stoppuhr rätselt oder sich nur eine bestimmte Zahl an Zügen gönnt. Beim Thema Spieldauier ist das wie bei den Rätselbüchern - beide sind irgendwann mal vollgekritzelt, sprich gelöst. Aber ich gehe davon aus, dass selbst geübte Knobler hier ein paar Stunden mit den 50 Rätseln Spielspass finden werden.
Stellt sich noch die Frage, ob man zugreifen muss. Und hier erwidere ich mit dem berühmten Videospiel-Redakteur-Satz „Fans des Genres greifen zu, andere spielen erstmal Probe“. Schließlich ist es eine Frage des Absatzweges seitens des Publishers, denn im Moment liegt der Titel in einer vollwertigen Spieleverpackung im Wert von rund 10 Euro vor mir. Hier tue ich mir auch angesichts der anderen guten Budget-Spiele mit gelungenen Rätsel-Einlagen, nicht zu vergessen natürlich
Bioshock, dann doch etwas schwer zum Kauf zu raten. Bedenkt man aber, das Ganze über Steam oder in Form der
Cogs-App für das iPad zum Preis von rund 4 Euro, kann ich mir vorstellen, dass der eine oder andere mit Heißhunger auf gute Rätsel an einem verregneten Nachmittag hier getrost zugreifen kann.