Mittlerweile hat EA mit seiner eierlegenden Wollmilchsau fast jeden Bereich des virtuellen Lebens abgedeckt. Wir gehen mit unserem Sim in die Ferien, wagen den Schritt in die Selbstständigkeit oder spielen mit unseren Haustieren. Doch um die Arbeitswelt hat man bislang stets einen Bogen gemacht. Wahrscheinlich aus dem Grund, weil man sich beim Spielen von Die Sims 3 genau von dieser entspannen will. Doch mit dem neuesten Addon Traumkarrieren ist jetzt Schluss mit dem virtuellen Rückzugsgebiet. Ob die Sim-Arbeit jetzt im Gegensatz zur realen Plackerei Spaß macht, habe ich als Testarbeiter ganz im Sinne eines Günter Wallraff für euch herausgefunden.
Neue Aufgabenfelder
Wie bereits erwartet, steht natürlich nicht die realitätsgetreue Wiedergabe der uns bestens bekannten Maloche in der Schule oder anderswo in
Die Sims 3: Traumkarrieren im Vordergrund, sondern vielmehr der Spielspaß. So könnt ihr hier auch die exotische Laufbahn eines Geisterjägers einschlagen und damit den renommierten
»Ghostbusters Konkurrenz machen.
Bei den restlichen neu hinzugekommenen Laufbahnen wie Feuerwehrmann, Stylist, Detektiv oder Innenarchitekt gibt man sich zwar bodenständiger, aber gehören diese Karrieren in der Realität immer noch mehr zu den Exoten, verglichen mit der Masse an Bankkaufleuten oder Dachdeckern. Persönlich hätte ich mir allerdings noch ein paar mehr Kategorien wie Videospiel-Entwickler, Spiele-Journalist oder Exzentrisches, beispielsweise in Form von Zirkus-Dompteuren gewünscht. Naja, vielleicht gibt es diesen Content noch kostenpflichtig zum Runterladen? Zumindest hat man an die angestammten Mediziner in der
»Sims 3-Fangemeinde gedacht und auch diesem Beruf neue Aufgaben spendiert.
Heraus aus dem virtuellen Nichts
Interessant ist fortan, dass eure Charaktere nicht mehr von der Fahrgemeinschaft zum nächsten Büro abgeholt werden und damit im virtuellen Nichts verschwinden, sondern jetzt werdet ihr selbst aktiv. So sorgt sich der Feuerwehrmann auf der durchaus hübsch modellierten Feuerwache um seine Einsatzfahrzeuge und der Privat-Schnüffler wühlt auch mal gern in fremden Mülltonnen. Bei den eigentlichen Jobs sinkt dann das Mikromanagement und wird
Sims-typisch auf das Betrachten des grünen Fortschrittsbalkens begrenzt. Gelegentlich gibt es auch mal eine Geschichte in Form von Texteinblendungen zum Durchklicken. Und auch hier bleibt sich die Serie treu, denn ernstzunehmende Enthüllungsgeschichten hat man als Detektiv nicht zu erwarten. Viel mehr kindlicher Klamauk, wo ihr mit dem Nachwuchs vor dem PC lachen könnt.
Gelegentlich kommt aber auch mal etwas Abwechslung in das Treiben von
Die Sims 3: Traumkarrieren, indem mehrere Aktionen miteinander verlinkt werden. So schnüffeln wir natürlich nicht grundlos in irgendeiner Mülltonne nach Beweisen, sondern erhalten erstmal den Auftrag per Handy und beobachten das Zielobjekt bis wir uns schließlich über den heißgeliebten Abfall hermachen können. Auf die Dauer gesehen, wiederholen sich aber auch diese Kombi-Aufgaben und bieten damit wenig Abwechslung in punkto Langzeitmotivation.
Bekanntes neu verwendet
Geht es an die gestalterischen Tätigkeiten eines Innenarchitekten oder Designers, bedient sich
Die Sims 3: Traumkarrieren an den Kernkompetenzen des Hauptprogramms. So verhelfen wir dem Auftraggeber zu seiner neuen Bücherwand, indem wir den Bau-Editor starten und munter drauf los gestalten. Auch beim Stylisten gestalten wir die Leute mit dem bekannten Charakter-Baukasten um, mit dem wir einst unsere eigenen Sims erschaffen haben. Ist das Ergebnis fertig, dann geht es nur noch darum, ob dem Kunden unser Werk auch gefällt. Bei der Endabnahme fällt allerdings auf, dass ihr z.B. bei der Wahl des Outfits einen durch und durch grässlichen Entwurf abgeliefert habt und eurer Kundin gefällt dieser ganz hervorragend. Leider sind die Vorgaben nie richtig präzise und die Wertungskriterien bleiben auch im Dunkeln. Egal, denn Probleme haben wir bei der Aufgabenerfüllung sowieso nicht und jagen vom ersten Erfolgserlebnis zum nächsten.
Neue Items, Fähigkeiten und andere Addon-Extras
Als ob EA auf das Addon gewartet hätte, bekommt der Käufer hier ein paar zusätzliche Funktionen mit auf den Weg. Wer mag, kann nun die Charaktere auch tätowieren und diese dann mit ein paar neuen Frisuren besser zur Geltung bringen. Auch die erwartete neue Fuhre an Möbeln, hat ihren Weg in
Die Sims 3: Traumkarrieren gefunden. Detailverbesserungen und –erweiterungen gibt es genauso wie die hinterlassenen Kleiderhäufchen nach jedem Duschvorgang, sowie zwei neue Fertigkeiten. Als verrückter Daniel Düsentrieb erfindet ihr mit fortschreitenden Kenntnissen immer größere und wirre Maschinen. Und hat man genug vom schnöden Pragmatismus technischer Zeichnungen, versucht man sich als Bildhauer im Entwerfen von Skulpturen. Obendrauf legt EA auch das neue Städtchen Twinbrook, das größer geraten ist und damit perfekt ist für den ersten Probelauf als Feuerwehrmann – getreu dem Motto ein paar fehlende Häuser fallen bei dieser Masse schon nicht auf.
Brauche ich denn als Spieler das Ganze? Nein, nicht wirklich. Denn auch ohne die Verbesserungen ist
Die Sims 3 eine runde Sache. Aber andererseits stören diese nicht, sondern fügen sich perfekt in die Spielwelt ein und erweitern unseren Handlungsspielraum. Allein der Punkt, dass ich muffige Berufskleidung nun in Waschmaschine und Trockner stecken muss, hätte ruhig in der realen Welt bleiben können, aber genau wegen des Mikromanagements spielen wir ja
Die Sims.