Nach der viel lamentierten Einstellung von Microsofts beliebten Flight Simulator im Jahr 2009 und des zweimaligen Neubeginns und Scheiterns der Entwicklung eines neuen Train Simulator dürfen Simulationsfreunde nun doch wieder in die Hände klatschen. Aerosoft hat vor kurzem den Train Simulator – Railworks 2010 veröffentlicht – eine speziell für den deutschen Markt angepasste Version der bereits einige Zeit erhältlichen englischen Ausgabe. Ziehen wir die Lokpfeife und werfen einen Blick aus dem Fenster, was der Simulator zu bieten hat.
Umfang und erste Eindrücke
In Abgrenzung zur englischen Vorversion zeichnet sich das deutsche Pendant
Train Simulator - Railworks 2010 nun durch eine realistische Signaltechnik der mitgelieferten Ruhr-Sieg-Strecke aus. Daneben hat Aerosoft die Version um zwei neue E-Loks und eine große Tender-Dampflok der Baureihe 52 erweitert. Zwei bis drei Monate verschlinge Bau und Design einer Lokomotive als Vollzeit-Aufgabe, von denen nun sechzehn im Spiel enthalten sind. Die Liebe zum Detail sieht und hört man den Objekten an: die großspurigen Dampfrösser zischen, bullige amerikanische Dieselloks röhren und windschnittige E-Loks summen und rauschen mit InterCitys über die deutsche Fernstrecke. Ergänzt wird diese um englische und amerikanische Diesel-Strecken – insgesamt können wir auf fünf realen Routen und vier den Köpfen der Entwicklern entsprungenen Streckenschöpfungen fahren. Sie alle schlängeln sich durch teils bildhübsche Landschaften mit hoher Objektdichte, durch Städte, Dörfer, über Berge und Brücken, durch Tunnel und Täler - nicht nur Fans der Sendung Eisenbahnromantik dürften hier die Herzen höher schlagen.
Realistischer Fahrbetrieb
Das Hauptaugenmerk von
Train Simulator - Railworks 2010 liegt allerdings auf einem vorbildgerechten Eisenbahnbetrieb, wie er etwa durch echt wirkende Führerstände ermöglicht wird. Jeder Griff, jeder Hebel, jeder Knopf wurde originalgetreu nachempfunden und kann per Mausklick oder Tastatur bedient werden. Verschiedene Realismusstufen erleichtern auch Bahn-Unkundigen den Einstieg. In bereits zehn bis fünfzehn Minuten kann man sich einen Überblick über die grundlegende Steuerung einer Schnellzug-Lokomotive verschaffen und einen InterCity von A nach B fahren. Wer bereits den
Train Simulator von Microsoft kannte, der wird den Dreh umso schneller raushaben.
Die freie Sicht in der Lokomotive und im Personenwaggon offenbart abermals das liebevolle und exakte Design der Modelle. Mit dem vorhandenen Editor können nicht nur eigene Fahrpläne und Szenarios erstellt, sondern auch nach Lust und Laune die Umgebung verändert werden. Vermisst der Eisenbahnverrückte also doch einmal ein Detail an seiner Hausstrecke, etwa die uralte Eiche an der Bahnhofsstraße, kann diese prompt hinzugefügt werden. Etwas Einarbeitungszeit ist hier jedoch nötig. Eine ausführliche Anleitung in Form eines Wikis ist auf der offiziellen Homepage verlinkt.
Update und Zukunftsvisionen
Ein Update vom vierten Juni hat dem Simulator einige Bugs genommen und ein paar erfreuliche Features hinzugefügt. So sind nun mehr deutsche Züge in die Strecken integriert worden und neue Aufgaben dazugekommen. Die fiktive Seebergbahn wurde komplett lokalisiert. Weitere Updates, die die Zugsimulation noch realistischer machen sollen (etwa die Ausweitung spezieller Zugsicherungsysteme und ein besseres Beleuchtungssystem) sollen nach und nach folgen. Eine Überarbeitung des Soundsystems wäre ebenso wünschenswert, denn die Geräusche der Züge wirken teilweise abgehackt, wenig differenziert und unrealistisch.