Rundestrategie ist ein Genre geworden, für das nur selten Nachschub geliefert wird. Allen voran muss hier wohl die Heroes of Might and Magic-Reihe genannt werden. Seit geraumer Zeit macht nun eine weitere Spieleserie von sich Reden: King's Bounty. Mit Amored Princess steht seit April der dritte Ableger der Reihe in den Läden. Ist der Vergleich mit HOMM gerechtfertigt? In unserer Review findet ihr die Antwort auf diese Frage…
Eine Welt am Abgrund
Das Königreich der Menschen steht in
King's Bounty: Armored Princess kurz vor dem Fall. Übellaunige Untotenhorden und Dämonen lauern vor den Toren der letzten noch verbliebenen Bastion. Die einst prachtvollen Städte der Zwergen- und Elfen-Völker sind zerstört - zermalmt von Baals Schergen. Eine letzte Hoffnung gibt es aber: Den magischen Zeitmesser. Legenden zufolge soll man damit nicht nur die Zeit anhalten, sondern auch Portale in andere Welten öffnen können. König Markus beauftragt seine einzige Tochter, Amelie, mit der Beschwörung eines solchen Portals. Sie muss einen Weg finden, die angreifenden Horden zu besiegen….
Auf zu neuen Welten
Doch wie kann die schlachtenunerfahrene Thronfolgerin Erzdämon Baal in die Schranken weisen. Die Erkenntnis trifft uns wie der Hammerschlag eines Zwergenschmieds: Gar nicht! Just in dem Moment, als wir den Glauben an unsere Mission verlieren wollten, spendiert uns das Schicksal einen Hoffnungsschimmer. Es scheint, als sei Amelie auserwählt, die Steine der Macht zu beherrschen. Die mächtigen Artefakte verleihen dem Träger atemberaubende Kräfte. Möglicherweise so stark, dass man mit ihnen Luzifer selbst besiegen kann? Von neuem Tatendrang erfüllt macht sich Amelie auf die Suche….
Ein königliches Geschenk
Der erste Stein wird Amelie bereits zu Beginn ihrer Reise geschenkt. Doch König Frederick macht uns zugleich ein weiteres, höchst wertvolles Geschenk: Einen Drachen. Ein zahmes Jungtier, um genau zu sein. Auf einer kleinen Farm, unweit von der Burg entfernt, haben wir die Qual der Wahl. Je nach Farbe des Wesens zeigt es unterschiedliche Stärken. So trumpfen rote Drachen vor allem mit ihrer Kraft auf, während sich der Bronzedrache vorzüglich auf die Verteidigung versteht. In den folgenden Kämpfen können wir unser treues Haustier an unsere Seite rufen. Derart gestärkt stürzen wir uns in die neue Welt und in die ersten Scharmützel von
King's Bounty: Armored Princess.
Altbekanntes
Demnach müsst ihr euch mit Libellen, Feen und Bauern zufrieden geben. Bogenschützen oder gar Bergriesen folgen euch erst, nachdem ihr genug Erfahrung gesammelt und einen entsprechenden Ruf erworben habt. Die Einheitenvielfalt von
King's Bounty: Armored Princess kann sich sehen lassen. Drachen, Feen, Wölfe, Piraten, Skelette und Ritter sind nur einige Beispiele. Sie unterscheiden sich nicht nur in der Angriffskraft oder durch die Höhe der Lebensenergie. Einige Truppentypen können auf spezielle Fähigkeiten zurückgreifen. So teleportieren sich Meuchler einmalig hinter den Gegner und richten so verheerenden Schaden an, Kleriker heilen verwundete Kameraden und Inquisitoren können gar gefallen Truppen wiederbeleben. Durch die Vielzahl an Stärken und Schwächen könnt ihr auf eine ebenso große Anzahl an Taktiken zurückgreifen. Eine Armee aus Untoten beispielsweise könnt ihr mittels eines Lichs, der gefallene Skelette kurzerhand wiederbeleben kann, massiv verstärken.
Aufstieg einer Prinzessin
Erfahrung sammelt ihr hauptsächlich – wie könnte es anders sein – im Kampf. Habt ihr genug Erfahrungspunkte zusammengetragen, steigt Amelie eine Stufe auf. Neben der Führungskraft bekommt ihr auch Machtrunen zugewiesen. Diese setzt ihr ein, um Fähigkeiten in einem der drei Talentbäume freizuschalten. Kämpfer werden vor allem auf den Bereich „Macht“ setzen. Hier werden Angriff, Verteidigung und mächtige Heldenattacken freigeschaltet. Im Talentbaum Macht trainiert ihr vorrangig eure offensiven Fähigkeiten. Verstand dient der Verteidigung und Unterstützung eurer Truppen. Mit Hilfe des letzten Talentbaumes Magie schult ihr eure magischen Fähigkeiten. Egal in welche Richtung ihr eure Heldin trainiert, zu jeder Zeit stehen euch verschiedene Taktiken zur Verfügung. So greifen machtbegabte Kriegerinnen in erster Linie zu den Angriffsfähigkeiten des Drachen, können aber auch einfache Unterstützungszauber wirken. Magieanwender hingegen schleudern mächtige Feuerbälle, Giftwolken und Felsbrocken auf ihre Widersacher. Verstand bildet den Mittelweg, hier stehen euch moderate Drachenfähigkeiten und Zauber zur Verfügung.
Wut und Magie
Die Kämpfe in
King's Bounty: Armored Princess laufen rundenbasiert ab. Amelie selbst nimmt nur passiv am Kampf teil. Sie wacht außerhalb über das Kampfgeschehen und unterstützt ihre Truppen mit Zaubern, kommandiert die Einheiten und schickt dann und wann ihren Drachen auf ihre Feinde. Natürlich kann sie nicht permanent mit Zaubern um sich werfen. Pro Kampfrunde steht euch lediglich ein Zauber frei. Zudem benötigt ihr eine ausreichende Menge an Magie. Vor allem starke Flächenangriffe lassen euren Manavorrat rapide schwinden. Gleich verhält es sich mit dem Drachen. Um eine Fähigkeit einsetzen zu können, benötigt ihr Wutpunkte. Diese erhaltet ihr durch den Kampf. Für jeden Treffer, den ihr oder der Feind bei euch landet, steigt die Wut der Heldin. Das Mana hingegen regeneriert ihr auf euren Reisen automatisch. Problem: Die angesammelte Wut sinkt außerhalb des Gefechts. Ihr müsst also einen gesunden Mittelweg zwischen Kampf und Rast finden.
Verschenktes Potential
Leider ist nicht alles Gold was glänzt in der Welt von
King's Bounty: Armored Princess. Die Grafik wirkte schon vor fünf Jahren mehr als angestaubt, wenngleich ihr an jeder Ecke etwas Neues finden könnt. Die Spielwelt selbst ist, wie auch schon im ersten Teil
»King's Bounty: The Legend, sehr detailverliebt. Eben jene Aufmerksamkeit hätten das Team von Katauri Interactive auch der Story und deren Präsentation widmen sollen. Die Geschichte wird in klischeehaften Texteinblendungen erzählt. Rendervideos fehlen genau so wie vertonte Dialoge. Auch die Nebenquests strotzen nur so vor Ideenarmut. Befreie eine Prinzessin hier, töte eine Räuberbande da. Auch in diesem Punkt trumpft
King's Bounty: Armored Princess nicht grade auf.