Gas Powered Games holt sich für den zweiten Teil der Supreme Commander-Reihe tatkräftige Unterstützung: Square Enix soll helfen, das Spiel leichter zugänglich zu machen und auch für Nicht-Hardcore-Gamer eine gute Alternative auf dem Strategiespielemarkt zu bieten. Ob ihnen das gelungen ist und inwiefern dies zum Nachteil der Genre-Veteranen geraten ist, erfahrt ihr in unserer Test.
Der Krieg endet nie…
Der Krieg zwischen der United Earth Federation (UEF), der Aeon Illuminate und der Cybrans liegt 25 Jahre zurück und die Zerstörung des Universums konnte gerade noch abgewendet werden. Doch nach dem erfolgreichen Mordanschlag auf den Präsidenten der Allianz beginnt die erbarmungslose Auseinandersetzung erneut und der Krieg scheint die Welt ein weiteres Mal zu bedrohen. Die beteiligten Parteien aus
»Supreme Commander bleiben auch im zweiten Teil erhalten – lediglich die Aeon Illuminaten nennen sich nun Die Erleuchteten. Ihr schlüpft als Commander während der Kampagne in die Rollen aller Parteien und versucht, die endgültige Zerstörung des Universums abzuwenden. Unglaublich viele Einheiten, Technologien und Strategien stehen euch für diese Aufgabe zur Verfügung. Ob euch die Rettung und eine Lösung des Konflikts gelingt, liegt an eurem Geschick.
Einstieg für Einsteiger
Schon zu Beginn des Spiels werdet ihr in einem ausführlichen Tutorial über die Funktionen informiert. Schnell werdet ihr feststellen, dass sich die Komplexität in
Supreme Commander 2 gegenüber dem Vorgänger deutlich reduziert hat. Auch Einsteiger finden sich schnell zurecht und kommen mit den Funktionen problemlos klar. Positiv für all diejenigen, die sich die Zeit mit ein klein wenig Strategie vertreiben wollen – negativ für all diejenigen, die sich der Serie aufgrund ihrer immensen Möglichkeiten und dem hohen Anspruch verschrieben haben.
Der Einstieg in die Story ist allerdings – trotz tatkräftiger Unterstützung von Square Enix – eher schwach. In einem Moment befindet ihr euch noch in einer gescheiterten Übungsstunde, im nächsten sollt ihr euer Geschick auf einem Schlachtfeld irgendwo auf der Welt unter Beweis stellen. Der Sprung erfolgt ohne Kommentar und es stellt sich die Frage, warum man die Überleitung nicht anders gelöst hat. Doch diese Tatsache ignorierend, könnt ihr euch gleich ins Schlachtengetümmel von
Supreme Commander 2 werfen und euer Geschick versuchen.
Technologie, Basen und Einheiten
Im Gegensatz zum Vorgänger legt
Supreme Commander 2 großen Wert auf den Technologiebaum, welchen ihr im Laufe des Spiels ausbauen könnt. Ihr könnt in verschiedene Richtungen entwickeln – Wasser-, Land- und Lufteinheiten, Gebäude oder euer ACU. Durch neue Technologien schaltet ihr einerseits weitere Einheiten frei, oder ihr verbessert die alten. Beispielsweise könnt ihr die Radarreichweite, den Schutzschild oder die Feuerkraft steigern und eure bereits vorhandenen Einheiten robuster und schlagkräftiger gestalten. Auch an den Preisen von Gebäuden, der Effektivität von Energie- und Materialgewinnung und der Geschwindigkeit von Produktionen lässt sich durch die richtige Forschung einiges ändern.
Der Ausgangspunkt in den meisten Missionen von
Supreme Commander 2 ist eure Basis. Durch euren ACU, einem gigantischen Roboter, der euren Commander trägt, und einigen Technikern könnt ihr Gebäude errichten oder Abwehranlagen aufstellen. In eurer Basis produziert ihr Einheiten, baut Forschungsstationen und gewinnt Energie. Wichtig ist natürlich auch, dass dieser Platz sicher vor den gegnerischen Truppen ist, die euch hin und wieder einen Besuch abstatten. Hierfür könnt ihr effektive Verteidigungsanlagen bauen, die entweder den Bodeneinheiten oder den Luftfahrzeugen eurer Gegner das Leben schwer machen. Eine gesicherte Operationsbasis bietet euch den Grundstein für effektive Gegenangriffe und der Vorbereitung einer gewinnbringenden Taktik.
Welche Einheiten ihr einsetzt, bleibt euch später im Spiel selbst überlassen. Wollt ihr den Gegner aus der Luft angreifen, ihn vom Boden aus überrollen oder vom Wasser aus seine Basis zerstören? Oder baut ihr auf eine Taktik, die alle Wege mit einbezieht? Diese Überlegung ist insofern wichtig, da jede Einheit ihre Stärken und Schwächen besitzt – und Luftfahrzeuge gegen eine Basis voller Flaks kaum eine Chance haben. Dagegen können sie problemlos mehrere Abwehreinrichtungen von oben aus platt machen. Ein reiner Overrun mit unzähligen Panzern ist zwar stellenweise möglich, aber ein taktisch durchdachter Angriff ist meist der effektivste Weg, dem Gegner den Garaus zu machen. Allerdings müsst ihr in eurer Forschung mit einplanen, welchen Weg ihr gehen wollt – schließlich sollten die Lufteinheiten, mit denen ihr angreifen wollt, auch technisch möglichst gut ausgestattet sein. Eine Vielzahl an Einheiten steht euch für jede Fraktion in
Supreme Commander 2 zur Verfügung. Natürlich hat jede Partei Spezialgebiete – doch im Großen und Ganzen ähneln sich die Einheiten von ihrer Leistung her. Die effektiven Truppen müssen anfangs zudem erst einaml erforscht werden. Natürlich erhalten eure Einheiten für gewonnene Schlachten auch Erfahrung, welche wiederum ihre Attribute erhöht und sie stärker werden lässt. Darüber hinaus gewinnt ihr Forschungspunkte, die ihr in neue Technologien investieren könnt.
Zoom In – Zoom Out
Einen unsicheren Part von
Supreme Commander 2 stellte lange Zeit die Zoomfunktion dar. Bleibt der taktische Bildschirm bestehen, oder fällt er gänzlich weg? Die Antwort ist einfach: Der Zoom bleibt vollständig erhalten. Ihr könnt bis an eine kleine Gruppe Einheiten heranzoomen und diese im Großformat auf eurem Bildschirm bewundern – was allerdings weder optisch noch taktisch sonderlich hilfreich ist. Ihr könnt natürlich auch aus einer mittleren Entfernung das Spielgeschehen verfolgen und steuern und eure Einheiten befehligen. Doch der interessanteste Aspekt des Zooms ist die taktische Karte, die ihr erhaltet, wenn ihr weit genug aus dem Geschehen herausscrollt. Ihr könnt die gesamte Karte überblicken und eure Einheiten werden als taktische Zeichen dargestellt. Gruppen von Fahrzeugen werden zusammengenommen und ihr erhaltet eine exakte Zahl der Einheiten, welche ihr weiterhin befehligen könnt. Auch könnt ihr aus diesem taktischen Blickwinkel heraus Patroullienrouten festlegen oder Angriffe starten. Lediglich beim Bau von Gebäuden und der Planung eurer Basis ist eine Vergrößerung des Geschehens wirklich sinnvoll. Da ihr aber durch Scrollen beliebig zwischen den Ansichten wechseln könnt und dies fließend geschieht, könnt ihr von Situation zu Situation die ansprechendere Ansicht wählen.
Krieg führt man nicht allein
Neben den 18 Hauptmissionen in der Kampagne bietet
Supreme Commander 2 natürlich auch Online-Multiplayer-Schlachten für bis zu acht Spieler. Hier ist nun wirkliche Taktik gefragt. Es gibt keine KI, die den ein oder anderen Fehler macht und sich auf vorprogrammierte Taktiken stützt – hier sitzen eure Gegner vor ihren Rechnern am anderen Ende der Leitung und beobachten jeden Schritt von euch – um eure persönliche Schwachstelle zu finden und diese gnadenlos auszunutzen. Jeder Spieler verfolgt eine andere Taktik – und es wird sich in den Multiplayerschlachten herausstellen, welche die effektivere ist. Der eine wird euch mit einer Armee von Panzern überrollen wollen, ein anderer wird versuchen, eine uneinnehmbare Basis zu errichten und sich vom Spielgeschehen abzukapseln – und wieder andere werden euch das Leben aus der Luft zur Hölle machen. Clans oder Freundeslisten gibt es bei
Supreme Commander 2 nicht. Es wird lediglich zwischen privaten, öffentlichen und Ranking- Schlachten unterschieden. Ihr könnt in den Schlachten auch den Cheat- Modus aktivieren, allerdings sollten alle Spieler damit einverstanden sein. Wer sich in der Kampagne nicht ausreichend gefordert fühlt, findet im Online–Multiplayer sicherlich Gegner, die ebenbürtig sind – oder gar überlegen.
Minimalistisches Prinzip
In zweiten Teil der Serie wurden nicht nur der Spielumfang im Allgemeinen und die Möglichkeiten, die es im ersten Teil noch gab, drastisch beschnitten. Auch an der Detaillefülle wurde ordentlich gespart. Grafisch wirkt
Supreme Commander 2 definitiv etwas überholt, und dies liegt nicht nur an den lieblosen Landschaften, denen es an Individualität fehlt. Die Charaktere, welche einen durch das Spiel begleiten, erhalten zwar eine gewisse Persönlichkeit und eine Hintergrundgeschichte – allerdings wirken die animierten Videosequenzen nicht sehr überzeugend – und der gesprochene Text, der keineswegs mit den Lippen harmoniert, ist meist eher unbedeutend und man fragt sich, wer denn diese Dialoge verbrochen hat. Viele Videosequenzen sind auch nicht wirklich storytragend und die Texte keineswegs informativ. Auf eine musikalische Untermalung wurde gänzlich verzichtet.
Allerdings darf auch kein zu negativer Eindruck vermittelt werden: Die Massenschlachten laufen flüssig ab und im Gefecht werden etliche Effekte erzeugt, die bei einer großen Menge an Einheiten ein überzeugendes Bild liefern: zerspringende Gebäude, fliegende Geschosse und natürlich viel Kampflärm dominieren dann das Spielgeschehen und versetzen euch mitten in die Schlacht.