Mit einem überwältigenden Gameplay und bombastischer Grafik versetzte Assassin's Creed Spieler und Fachpresse gleichermaßen erstaunen. Obgleich die Geschichte um Altair und den Animus recht wenig Tiefgang besaß und die Missionen stets das gleiche forderten, konnte sich Ubisoft inzwischen eine große Fangemeinde aufbauen. Nun kommt der zweite Teil mit etwas Verspätung für PC in die Läden. Große Versprechungen wurden gemacht: Eine mitreißende Story, eine noch stimmigere Spielwelt und vor allem weit mehr Abwechslung soll geboten werden. Wir haben uns das Spiel angesehen und verraten euch, warum Ezio weit mehr auf dem Kasten hat als Altair sich jemals hätte erträumen können…Im »kommentierten Testvideo erfahrt ihr zudem alles Wissenwerte über Story, Kampfsystem, Grafik, Gameplay, Steuerung, Nebenmissionen, Spielwelt und den umstrittenen Kopierschutz der PC-Version von Assassin's Creed 2.
Wach auf!
„Wir müssen uns beeilen“. Lucy, die bereits aus
»Assassin's Creed bekannte Wissenschaftlerin weist mit flehenden Augen auf den Animus. „Es bleibt nicht viel Zeit. Sie werden bald merken, was ich getan habe. Keine Fragen! Ich schwöre dir, dass ich sie beantworten werde, doch nun tu was ich dir sage.“ Noch immer nicht ganz bei Sinnen legen wir uns auf die Maschine. In den folgenden Minuten erleben wir die Geburt von Ezio, dem neuen Helden aus
Assassin's Creed 2. Doch das Vergnügen ist nur von kurzer Dauer. Schon nach den ersten ungelenken Bewegungen müssen wir von unserem neuen Alter Ego Abschied nehmen. Unsanft werden wir aus unseren Erinnerungen gerissen. Die Zeit wird knapp, die ersten Wachen stehen bereits vor der Tür. Mit ein paar schnellen und überraschend geschickten Schlägen machen sie bereits Augenblicke darauf Bekanntschaft mit dem Marmorboden. Desmont scheint in seiner Gefangenschaft einiges dazu gelernt zu haben - Nebenwirkungen des Animus, wie wir später erfahren. Mit Hilfe des Geräts geht das Erlernen der Assassinen-Fähigkeiten weit schneller.
Der Templerorden
Versteckt im Kofferraum eines Autos gelingt uns schließlich die Flucht. In einem kleinen Lagerhaus, außerhalb der Reichweite von Professors Vidic staunen wir nicht schlecht, als wir einen weiteren Animus vorfinden. Scheinbar hat Lucy es geschafft, einen der Gen-Zeitreise-Maschinen nachzubauen. Als die charmante Wissenschaftlerin uns bittet, sich ihrer Gemeinschaft anzuschließen und uns darüber hinaus noch das Angebot macht, uns zum Assassinen auszubilden, bekommen wie den Mund endgültig nicht mehr zu. Abermals bleibt nicht viel Raum für Fragen. Nach einem kurzen Gespräch setzen wir uns erneut bereitwillig auf die Maschine und schlüpfen so in die Rolle von Ezio Auditore da Firenze, dem zweitältesten Sohn eines Bankiers in Florenz.
Frauen, Geld und harte Schläge
Dieser gerät ganz nach seinem Vater. Die Anzahl seiner Prügeleien wird nur von denen seiner Fraueneroberungen übertroffen. Doch wider erwarten beschwört nicht das schöne Geschlecht, sondern eine alte Familienfede weitere Probleme herauf. Die Familie Piazzi schafft es mittels Verrat und gefälschter Beweise Ezios Brüder, sowie seinen Vater an den Galgen zu bringen. Hilflos müssen wir mit anschauen, wie sie unter dem Jubelgeschrei des Pöbels ihr Leben aushauchen. Mit knapper Not entkommt Ezio mit Mutter und Schwester aus der Stadt und findet schlussendlich Zuflucht bei seinem Onkel Mario in einer kleinen Stadt namens Monteriggioni. Dort erfahren wir, dass die Auditore direkte Nachkommen des legendären Assassinen aus der Familie Altairs sind. Gemäß der Tradition möchte Mario nun seinen Neffen weiter ausbilden.
Vielschichtigkeit
Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, hat Ubisoft seine Versprechen gehalten. Die Geschichte von
Assassin's Creed 2, mit der selbst erfahrene Spieler um die 20 Stunden beschäftigt sein werden, kommt weit schneller in Fahrt und bietet wesentlich mehr Tiefgang als noch im Vorgänger. Das liegt nicht nur an der Rahmenhandlung, sondern vor allem an den liebevoll ausgearbeiteten Charakteren. Auch wenn Ezio zu Beginn arg arrogant und selbstverliebt wirkt, entpuppt er sich letztendlich doch als anständiger Kerl, der stets einen schlagfertigen Spruch auf den Lippen hat. Mario, sein Onkel, ist hingegen ein eher bärbeißiger Typ. Dennoch scheint er ein gutes Herz zu haben, überlässt er doch bereitwillig sein Domizil den drei Flüchtlingen. Die kleine Schwester Claudia, welche Anfangs einen unschuldigen und naiven Eindruck hinterlässt, beweist in Monteriggioni einen kühlen Kopf bei der Verwaltung der Stadtkasse. Universalgenie Leonardo Da Vinci macht hingegen einen leicht zerstreuten, aber dennoch herzlichen Charakter aus. Er drängt Ezio stets dazu, weitere Artefakte und Schriftrollen zu suchen, um dem Geheimnis des Assassinen Ordens auf die Spur zu kommen. Gleichzeitig hat er kein Problem damit, eine soeben abgestochene Wache als Versuchsobjekt zu missbrauchen – alles für die Wissenschaft natürlich.
Universalgenie, Erfinder und Künstler
Die drei Begriffe passen gleichermaßen zu Leonardo Da Vinci. Schon früh im Spiel macht ihr Bekanntschaft mit der Person, die das Lächeln der berühmten Mona Lisa so trefflich auf Leinwand bannte. Eben dieses Hobby führt die beiden jungen Männer in
Assassin's Creed 2 zusammen, ist doch Maria, Ezios Mutter, ein größer Anhänger seiner Werke. Der angehende Meisterassassine ist jedoch weniger an der schöngeistigen Kunst interessiert, als viel mehr an seinen Kenntnissen in den Bereichen Kriegsführung und Kryptographie. Dass er sein Fach – oder vielmehr seine Fächer – versteht, zeigt er uns an der zerbrochenen Meuchlerklinge, die Ezios Vater seinem Sohn zusammen mit einer verschlüsselten Schriftrolle vermachte. Nach nur wenigen Stunden verkündet Leonardo stolz, dass es sich bei dem Schriftstück um einen Handwerksplan zur Herstellung einer versteckten Klinge handelt. Die alte Waffe des Vaters wurde bereits repariert und angepasst. Im weiteren Spielverlauf werdet ihr euch öfter an das Universalgenie wenden, denn mehr als nur eine interessante Erfindung wartet in seinem staubigen Keller auf ihren Einsatz.
Über den Dächern von Florenz
So weit so gut. Die Versprechen in Sachen Story und Charakterdesign wurden von Ubisoft mehr als erfüllt. Doch wie verhält es sich mit dem zweiten großen Kritikpunkt des ersten Teils: Dem wenig abwechslungsreichen Gameplay? Wie schon im Vorgänger gleitet Ezio in
Assassins Creed 2 nur so über die Dächer von Florenz. Die Steuerung ist denkbar einfach. Wir visieren eine Hauswand an, wechseln in den „Auffällig-Modus“ und ergreifen per Tastendruck die nächstbeste Fuge in der Wand. Alles Weitere geschieht automatisch. Klingt einfach, ist es aber nur auf den ersten Blick. Denn nicht jede Hauswand kann so ohne Weiteres erklommen werden. Fenster, Fugen, Risse im Mauerwerk, Efeu und ähnliches geben Ezio den nötigen Halt an der Hausfassade. In Ermangelung dessen, kann es vorrangig beim erstürmen eines Aussichtsturmes schon mal mehrere Minuten dauern, bis ihr den richtigen Weg gefunden habt. Einmal oben angekommen, könnt ihr neue Läden, Nebenquests und andere interessante Orte entdecken, welche fortan auf der Karte eingezeichnet sind.
Attentat und Schwertkampf
Die Grundsteuerung in
Assassin's Creed 2 hat sich kaum verändert. Der Schwertkampf hingegen wurde komplett überarbeitet. Hatte man im ersten Teil noch keine Probleme, auch größere Feindansammlungen per Konter nieder zu stechen, habt ihr es nun weit schwerer. Das liegt an den unterschiedlichen Gegnertypen, für die jeweils eine andere Taktik von Nöten ist. Die schwer gepanzerten Templer scheren sich recht wenig um Frontalangriffe mit dem Rapier. Mehr noch – sie teilen ihrerseits harte Schläge aus, die Ezio ins Stolpern geraten lassen und er so den einen oder anderen Treffer hinnehmen muss. Hier ist Schnelligkeit gefragt. Um den schwer Gerüsteten niederzustrecken, müsst ihr seinen Axthieben ausweichen und ihm in den Rücken fallen. Leicht gepanzerte Gardisten hingegen, sind im Kampf recht einfach zu besiegen, laufen aber, solltet ihr die Flucht ergreifen, wieselflink hinter euch her und behindern so einen rettenden Aufstieg auf die Dächer.
Darüber hinaus verhalten sich die Wachen in
Assassin's Creed 2 sehr viel hartnäckiger bei der Suche nach dem Assassinen. In kleinen Gruppen schwärmen sie aus, durchsuchen gar Heuhaufen und Blätterberge und verfolgen euch eine gewisse Zeit lang über die Dächer. Wirklich schwieriger ist das Spiel dadurch zwar nicht geworden, dennoch wirkt es in sich geschlossener und glaubwürdiger. Eine weitere Neuerung: Das Fahndungssystem. Ähnlich wie bei
GTA steigt dieser an, wenn ihr Unfug treibt. Durch das Bestechen von Herolden, Erdolchen von Beamten und das Abreißen von Steckbriefen, könnt ihr eure Beliebtheit bei den Wache verringern. Eigenartig dabei: In der Wache scheint es einen Scherzbold zu geben, der Steckbriefe an den Hausdächern befestigt.
Diebe, Söldner und leichte Mädchen
Habt ihr euren Fahndungsgrad an die Spitze getrieben, sind wahre Horden von Gardisten an eurem Kopf interessiert. Alleine werdet ihr es schwer haben, gegen sie anzukommen. Ratsam ist es dann Verbündete anzuheuern. Im Kampf leisten die schlachtenerprobten Söldner wertvolle Dienste, während Kurtisanen vorrangig dazu eingesetzt werden, um Wachen abzulenken. Nicht wirklich angeheuert, aber trotzdem sehr folgsam sind die Bänkelsänger. Penetrant folgen sie euch über mehrere Minuten hinweg und versuchen euch mit ihrem Gesang zu beeindrucken. Eigentlich eine nette Geste, würde das Geträller nicht so viel Aufmerksamkeit erregen. Erst wenn ihr ihnen einen Obolus in die Hand drückt, ziehen sie von dannen. Das liebe Gold verscheucht in
Assassin's Creed 2 jedoch nicht nur ungewünschte Barden. Eine Hand voll Münzen auf einer gut belebten Strasse verteilt, führt sehr schnell zu allgemeinem Chaos. Ideal, um in der Menge zu verschwinden.
Waffenarsenal und Städteplanung
Ebenfalls neu ist das umfangreiche Waffenarsenal. Neben dem bereits bekannten Rapier und Assassinenklingen könnt ihr nun auch auf Wurfdolche, Lanzen, Streitkolben und Dolche zurückgreifen. Darüber hinaus liefern euch verschiedenartige Rüstungen einen weiteren Vorteil im Kampf. Diese sind jedoch nicht billig. Schnell werdet ihr bemerken, dass zwischen Angebot und Geldbörse ein unschönes Ungleichgewicht besteht, zumal ihr noch weiteres Gold für sonstige Utensilien, wie Taschen und Heiltränke einplanen müsst. Um das Defizit auszugleichen, bietet
Assassins Creed 2 eine weitere Neuerung, die Stadtplanung. Bei eurer Ankunft ist die Stadt Monteriggioni ein heruntergekommenes Nest. Mit Hilfe eines begabten Architekten und einer Menge Gold natürlich, könnt ihr das Städtchen in ein Touristenparadies verwandeln. Das spült ordentlich Gold in die klammen Kassen. Alternativ warten auch Schmiede und andere Läden auf eure dringend benötigte Unterstützung. Als Dank dafür erweitern diese ihr Sortiment und räumen saftige Rabatte ein.
Mit viel Liebe zum Detail...
...hat Ubisoft Montreal die altertümliche Stadt Florenz und die angrenzenden Schauplätze auf den Bildschirm gebannt. Die Stadt wirkt wie das blühende Leben. Dutzende von Menschen laufen - mal allein, mal in kleinen Gruppen - durch die engen Gassen. Händler preisen lauthals ihre Waren an, Ärzte winken verletzte Männer und Frauen zu sich heran, Herolde verkünden die neusten Nachrichten und Erlasse. Die staubigen Strassen in
Assassin's Creed 2 sind vollgestellt mit Kisten, Marktständen, Plakaten und Ochsenkarren. Ein weiteres Highlight sind die flüssigen Animationen. Treffen zwei Personengruppen in einer engen Strasse aufeinander, quetschen sie sich geschickt aneinander vorbei. Besonders Ezio bewegt sich duchgehend geschmeidig durch das mittelalterliche Italien. Auch in den Kämpfen zeigt Ubisoft, dass sie es verstehen unserem digitalen "Ich" Leben einzuhauchen. Vor allem Konterangriffe sehen beeindruckend aus. Ezio wehrt mit einer einzigen flüssigen Bewegung einen Schwerthieb ab und sticht dem unglücklichen Opfer seinen Dolch in den Rücken. Solch eine Eleganz sieht man selten!
Unerfreuliches
Assassins Creed 2 ist ein großartiges Spiel. Dennoch ist nicht alles Gold was glänzt. Man merkt dem Programm seine Konsolenherkunft an. Die Steuerung ist nicht für Maus und Tastatur, sondern für das Gamepad optimiert worden. Auch die konsolentypischen Zeilenverschiebungen fallen in den Zwischensequenzen negativ auf. Weiteres Manko sind die sich stets wiederholenden Gespräche der Bürger auf den Straßen. Zugegeben, das ist Kritik auf hohem Niveau. Wirklich störend hingegen ist der Kopierschutz. Zum Spielen ist eine permanente Internetverbindung nötig. Reißt diese ab, fliegt ihr zurück auf den Desktop.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
