Rundenstrategiespiele gab es früher wie Sand am Meer. Heutzutage hingegen findet man dieses Genre eher selten. Umso erfreulicher, wenn endlich mal wieder ein Titel erscheint, noch dazu von einem renommierten Entwicklerteam wie Radon Labs (»Drakensang). Ob mit Future Wars endlich wieder brauchbarer Nachschub für Hobbystrategen geliefert wird, könnt ihr in den folgenden Zeilen nachlesen.
Vom Krieg der Zukunft
In der fernen Zukunft werden Kriege nicht auf dem Schlachtfeld mit Mensch und schwerem Gerät ausgetragen, sondern in einem Simulator. In
Future Wars schlüpft ihr dazu in die Rolle von Max, einem Teenager, der soeben die Grundausbildung absolviert hat und nun auf der Akademie dem Kriegshandwerk frönen möchte. Als schmächtiger Möchtegern-Macho müsst ihr euch natürlich zunächst hämisches Gelächter von anderen Studenten der Einrichtung anhören. Selbst Cpt. Frost, der Leiter der Institution, scheint wenig von euch zu halten und bereitet euch, gemäß seines Namens, einen eisigen Empfang. Lediglich Bud, eine untersetzte, leicht rundliche, dafür aber umso liebenswertere Person, heißt euch willkommen.
Vom Akademiealltag
Mit Bud zusammen besucht ihr fortan die Vorlesungen der Kriegsakademie. Dort geht es aber vor allem praktisch zur Sache. Nach einer kurzen Erklärung der Steuerung dürft ihr euch auch schon direkt selbst am ersten Gefecht versuchen. Das Ziel ist in fast allen Missionen von
Future Wars gleich: Zerstört alle Einheiten oder erobert die feindliche Basis. Klingt einfach? Ist es auch! Denn vor jeder Mission bekommt ihr hilfreiche Tipps und Taktiken vorgeschlagen, die euch, solltet ihr die Ratschläge befolgen, ohne große Probleme zum Sieg verhelfen werden. Insgesamt 16 dieser Simulationsmissionen sind vorgesehen. Sie bilden ein recht langes, aber dennoch ansprechendes Tutorial. Zumindest auf den ersten Blick. Denn nach rund fünf Stunden Spielzeit kommt die bittere Enttäuschung: Das Spielende. Tatsächlich werdet ihr das ganze Spiel über nichts weiter tun als die Taktikvorschläge am Bildschirm befolgen, eingepackt in eine belanglose und lieblos präsentierte Geschichte. Zu einem echten Krieg kommt es ebenfalls nicht. Die Geschichte endet mit den Sommerferien…
Von unfairen Bedingungen und dummen Strategen
Bedauerlicherweise verhält es sich mit der KI in
Future Wars ähnlich schlecht. Schon nach wenigen Minuten habt ihr die stets gleiche Taktik durchschaut. Alle Einheiten nach vorn werfen, neue produzieren und diese wieder unkoordiniert angreifen lassen. Selbst Strategie-Urgestein
Battle Isle hatte 1991 eine bessere KI zu bieten. Diese war zumindest in der Lage, ihre Einheiten zielgerichtet zu steuern. Es ist schon lustig mit anzusehen, wie der Computer eine Einheit von links, nach rechts und wieder zurück steuert. Eigenartig ist auch, dass die KI bevorzugt Flugeinheiten mit Panzern, und Bodeneinheiten mit Flakgeschützen angreift. Trotz der miserablen Gegner-KI kann es in einigen Missionen knapp werden. Das liegt daran, dass die Startbedingungen zum Teil absolut unfair sind. In den letzten Missionen seht ihr euch zu Beginn mit einer Übermacht konfrontiert. Nur wer die Vorteile seiner Einheiten ausspielt, kann auch aus diesen Simulationen als Sieger hervorgehen.
Von Standardeinheiten und weiterem Einheitsbrei
Die Einheiten in
Future Wars bestehen aus den üblichen Verdächtigen: Infanterie, Panzer, schwerer Panzer, Artillerie und Raketenwerfer, sowie unbewaffnete Transporteinheiten. Sprich: Einheiten, die in jedem x-beliebigen Strategiespiel als Grundstock dienen. Sondereinheiten oder Spezialwaffen sucht ihr vergebens. Gerade in diesem Punkt hätte man weit mehr machen können. Denn selbst die Einheiten des Feindes unterscheiden sich nur optisch von den eigenen.
Auch beim Design der Missionskarten in
Future Wars hat Radon Labs wenig Kreativität an den Tag gelegt. Symmetrische Karten werdet ihr in jeder zweiten Mission vorgesetzt bekommen. Zudem wurde lediglich ein Grafikset benutzt. Die Karten bestehen daher allesamt nur aus einer Hand voll Bausteinen: Wasser, Strasse, Gebirge, Wald und Ebene. Optische Abwechslung solltet ihr nicht erwarten. Für jedes Bauelement gibt es kaum mehr als zwei Grafiken. Zumindest taktisch haben Gebirge und Wald eine Bedeutung. Sie reduzieren die Geschwindigkeit der Einheiten und bieten einen gewissen Schutz, sollten sie angegriffen werden. Neben dem Terrain spielen Städte und Fabriken eine wichtige strategische Rolle.
Erstere spülen Geld in die Kriegskasse und sollten aus diesem Grund möglichst lange gehalten werden, zumal die Produktion der wirklich starken Einheiten wie Raketenwerfer und Brute Tank unerhört teuer ist. Die Fabriken in
Future Wars dienen, wie könnte es anders sein, zur Herstellung der Kriegsmaschinerie. Je nachdem auf welcher Karte ihr euch befindet, stellen diese unterschiedliche Fahrzeuge her. Die Schwierigkeit hierbei ist es, zu erkennen, welche Fabriken welche Einheiten produzieren können. Hinweise diesbezüglich gibt es nicht. Wie auch beim Terrain gibt es bei den Städten und Fabriken nur eine Grafik - kein großer Verlust, denn fürs Auge wird ohnehin nicht viel geboten.
Von Customizing und Multiplayer per E-Mail
Kernstück von
Future Wars, so die Entwickler, ist der Editor. Die Kampagne selbst soll als eine Art Tutorial gesehen werden. Durch die leichte Programmierung, sowie die offene Ordner- und Datenstuktur soll es der Community möglich sein, mit wenig Einarbeitungszeit neue Maps, Einheiten und Terrains zu erschaffen. Sogar die KI selbst lässt sich anpassen, das ist aber, wie schon vermutet, ein kompliziertes und zeitaufwändiges Unterfangen. Ähnlich verhält es sich mit dem Mehrspielermodus über Internet. Dieser wird nicht über einen Server stattfinden, sondern per E-Mail. Ja ihr habt richtig gelesen. Eine gute Idee, wäre die Umsetzung nicht so zeitaufwändig:
„Man erstellt ein Spiel und macht seinen Zug. Nach Beendigung der eigenen Runde erstellt das Spiel eine Datei, die man an einen Freund schicken kann. Dieser importiert die Datei einfach per Doppelklick oder Drag-and-Drop in sein Spiel, sieht den gemachten Zug und reagiert entsprechend. Dann schickt er seine Datei zurück“
Neben dem Multiplayer per Mail könnt ihr
Future Wars auch zu zweit an einem PC spielen. Zu guter letzt dürft ihr gar als Zuschauer agieren und den Computer gegen sich selbst spielen lassen. Da aber weder eine ansprechende Grafik, eine ausreichende taktische Tiefe, noch eine akzeptable KI vorhanden ist, wird dieser Modus wahrscheinlich nur wenig Anklang finden.