Nachdem der Handball Manager abseits der unzähligen Manager-Titel rund um Volkssport Fußball nun auch jährlich seine Neuauflage bekommt, dachte sich wohl Astragon gemeinsam mit Entwickler Z-Software, dass es an der Zeit ist, auch einen Teil vom Kuchen abzubekommen. Gelingen sollte das, indem man die erste Handball-Simulation auf den Markt wirft. Warum das Ganze aber ein katastrophales Eigentor geworden ist, haben wir für euch herausgefunden.
Schattenseiten eines Traumjobs
Im Leben eines Spieletesters gilt es, auch die eine oder andere Gurke zu testen. Das sind meist Spiele, die den spielerischen Standard der letzten fünf Jahre nicht erfüllen. Angefangen von einem unausgewogenen Gameplay über altbackene Grafik und Stunden andauernde Ladezeiten muss man sich gegen alles wappnen. Aber auch als hartgesottener Veteran kommt man an seine Grenzen, wenn sich das Software-Gegenstück zum Geräusch von Fingernägeln auf einer Tafel plötzlich zum Test einfindet.
Schlimmer noch, wenn man sich auf einen Titel gefreut hat, da er eine wertvolle Bereicherung für das Sportspiel-Genre sein könnte. Und ja, die Rede ist von
Handball Simulator 2010 European Tournament. Denn im Endeffekt versagt das Spiel so dermaßen darin, dass es weder den Spielestandard von vor fünf Jahre schafft, sondern gleich allen Fortschritt der Videospiele-Entwicklung zum Trotz zehn Jahre verschlafen hat.
Gruselige Software-Zeitreise
Grafisch ist also nicht viel los, was ihr bereits an den Screenshots des Grauens erkennen könnt. Ist man doch in Sachen Präsentation von der breiten EA-Palette schon mit offiziellen Lizenzen und aufwendig produzierten Videos dermaßen verwöhnt und meckert man deshalb an einem
PES 10 herum, weil die Zuschauer immer noch 2D-Tapeten sind, sehen hier auch die Handballspieler aus wie Pappkameraden. Schlimmer noch: Sie bewegen sich auch so! Man kann es fast Galgenhumor nennen, wenn ich positiv anmerken muss, dass der Titel mit seiner altbackenen Darstellung damit auch auf technisch veralteten Büro-Computern im Arbeitszimmer von Oma und Opa flüssig zum Laufen gebracht werden kann.
Seinerzeit hat es da das selige
FIFA 98 RTWC besser gemacht, denn schon bei der damaligen "Wiederbelebung" der EA-Fussballserie waren die Sportler besser animiert. Beim
Handball Simulator 2010 European Tournament sind weder Ball noch Sportler nennenswert animiert, so dass man glauben muss, in Sachen Ballphysik haben die Entwickler den Programmcode von Pong abgeschrieben. Damit machen sie wohl unfreiwillig ihrem Namen alle Ehre und man sieht „Z – Software“ mit ganz anderen Augen, denn Güteklasse A, B oder gar C ist der Titel auf gar keinen Fall. Mich erinnert das Ganze mehr an
Starfox auf dem SNES, wo man Polygone auf Nintendos Modul-Konsole erstmalig zum Laufen brachte.
Versagen auf allen Ebenen
Was bleibt also übrig von einer temporeichen Sportart, die von überraschenden Wechseln der Spielrichtung, schnellen Pässen oder Würfen und blitzschnellen Taktik-Entscheidungen lebt? Nichts, außer ein paar orientierungslos über das Spielfeld wackelnden Figuren, die aus drei Polygonen zu bestehen scheinen, und sich ein rundes Etwas mit der Physik eines Backsteins zuwerfen.
Wer hofft, per Fan-Bonus den WM-Helden von Deutschland im
Handball Simulator 2010 European Tournament den Ball zuwerfen zu können, irrt völlig. Denn auf lizenzierte Spieler werdet ihr lange warten müssen – genauso wie der Charakter-Schnautzer von Trainer Brand. Das ist aber auch besser so, wenn man sieht, wie die KI mit der gegnerischen Mannschaft umgeht. Hier werden stupide Laufwege abgetrampelt und gelegentlich verweilen die Figuren in absoluter Regungslosigkeit. Gilt es also, einen Abpraller schnell aufzusammeln und in das gegnerische Tor zu werfen, überlegt wohl der feindliche Sturm erstmal, wann man die nächste Steuererklärung abzugeben hat. Aber auch die eigene Abwehr bleibt regungslos stehen.
Getreu dem Motto "Stellt euch vor es ist Krieg und keiner geht hin".
Komplett vergessen kann man also einstudierbare Angriffsmuster oder spannende Flügelwechsel im
Handball Simulator 2010 European Tournament, die ich hinter dem Titel vermutet hätte.
Aber auch wenn man einen menschlichen Mitspieler zum „Genuss“ dieses Spiel zwingt, kann man die Figuren nicht schlauer agieren lassen. Denn die Engine kommt schnell an ihre Grenzen, weil Motion Capturing vor zehn Jahren noch nicht Standard war. Und wie schon eingangs besprochen, erfüllt der Titel allerhöchstens den Standard damaliger Sportspiele für das Super Nintendo. Bezieht man sich auf die 3D-Darstellung, fühlt man sich sogar an die ersten Zeiten der
PES-Serie erinnert, wo das Ganze noch
International Superstar Soccer hies und den Zusatz "Pro" bekam.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
