Wer im vorigen Jahr noch hoffte, 2010 seien keine Simulator-Titel mehr im Trend, der hat sich getäuscht. Gleich im Januar erscheint mit dem German Truck Simulator ein weiteres Spiel, das bereits vor dem Anspielen mit vielen Vorurteilen gemustert werden dürfte. Immerhin zeigten die Jungs von SCS Software mit dem Vorgänger Euro Truck Simulator, dass sie anständige Simulationen produzieren können, die zumindest in ihrer Zielgruppe für viele Stunden Spielspaß sorgen. Ob der German Truck Simulator auch Laune bereitet, erklären wir euch in unserem Test.
Von Rostock über Berlin nach Dresden
Um es schon mal klarzustellen: Der
German Truck Simulator richtet sich an Trucker-Freunde. Warum das so ist? Erstens fängt das Spiel nüchtern an und zweitens bleibt es auch getreu dem Trucker-Alltag so. Zu Beginn bekommt ihr kein langes Introfilmchen präsentiert, sondern erklimmt ohne Umschweife den Sitz eures ersten Trucks. Ihr habt zwar die Wahl, wo ihr eure Karriere starten wollt, das ändert aber nicht viel am Spielprinzip selbst. In einem kurzen Tutorial bekommt ihr innerhalb von fünf Minuten erklärt, wie ihr mit einem Truck umzugehen habt, wie ihr euch anhand der Länderkarte orientiert und wie ihr Aufträge einsehen könnt. Danach schickt man euch direkt zum ersten Zielort. Wir sollen Erz von Rostock nach Dresden bringen. Um innerhalb des Zeitlimits anzukommen, nehmen wir die Autobahn, wobei es auch keine Alternative dazu gibt. Denn sonderlich viel bietet das Spiel abseits der Autobahnen und der größeren Städte nicht, auch wenn ihr fast alle größeren Städte Deutschlands anfahren dürft (insgesamt 18).
Da wir an Berlin vorbei fahren, nehmen wir doch gleich mal einen Umweg und schauen, was in der Hauptstadt Deutschlands so abgeht. Nicht gerade viel, wie wir feststellen. Neben einem großen Funkturm weist nichts auf Berlin hin, zumal die Städte im
German Truck Simulator winzig klein sind und nur ein begrenztes Areal frei befahrbar ist. So verdient Berlin den Namen "Großstadt" in keinster Weise. Da wirkt es dann auch nicht mehr sonderlich komisch, wenn wir bereits nach 15 Minuten angekommen sind. Wobei uns das noch mehr Langeweile erspart, die viele Spieler schon nach 10 Minuten Fahrt heimsuchen dürfte. Grund dafür sind die fehlende Details wie Polizeikontrollen oder einfach alternative Routen fernab der schnöden Autobahnen. Vielmehr motiviert da schon das Rangsystem, das euch fünf Stufen erklimmen lässt. Großartige Verbesserungen gibt es aber keine einzuheimsen. Vielmehr müsst ihr euch selber euren Teil dazu denken und euch selber antreiben, die nächste Stufe zu erreichen.
Tücken im Leben eines Truckfahrers
Grundlegend fahren sich die Trucks recht realistisch. So stellt das normale Fahren kein großen Problem dar, Einpark- und Ablademanöver erfordern jedoch einiges an Übung. Die Kontrolle über seinen aktuellen Truck behält man dank eines guten Fahrgefühls jedoch immer. Mit Tastatur (lenken & Gas geben) und Maus (umsehen) gehen auch die längeren Routen intuitiv von der Hand, jedoch funktionierte das von ums im Test eingesetzte Xbox 360-Gamepad nicht, was entspanntere Fahrten über einen längeren Zeitraum verhinderte. Gelungen ist hingegen die Simulation des Verkehrs auf der Straße: Die KI-gesteuerten Vehikel bremsen bei Kollisionsgefahr ab, hupen und verhalten sich größtenteils authentisch. Weniger authentisch ist die Verhältnismäßigkeit der Bußgelder, die uns verhängt werden. So zieht das Programm nach einer Kollision mit einem anderen Wagen oder bei Überfahren einer roten Ampel Geld von unserem Bankkonto ab, wenig später hingegen passiert rein gar nichts, als wir eine rote Ampel überfahren und gleichzeitig einen Unfall verursachen. Allgemein gestalten sich die Fahrten äußerst unspektakulär und sollten daher nur echte Fans der Serie bei Stange halten. Erst nach einigen Spielstunden habt ihr die Möglichkeit, eine eigene Spedition zu gründen und eigenständig Fahrer zu rekrutieren sowie selbst gewählte Aufträge anzunehmen. So bleibt die Motivation für all diejenigen bestehen, die ob der ruhigen Truck-Aufträge nicht so schnell aufgeben.
Technisch dritte Liga
Von Simulatoren ist man in Sachen Technik weitaus Schlechteres gewohnt als das, was
SCS Software hier entwickelt hat, trotzdem liefert der
German Truck Simulator keine wirklich schöne Grafik ab. Das Wort "zweckmäßig" trifft es hier wohl am besten. Zwar sieht jede Stadt wie eine Stadt aus und jede Autobahn wie eine Autobahn, allerdings mangelt es an Details, die uns vom gemächlichen Trucker-Alltag ablenken. Kenner der Vehikel werden sich über die schwenkbare Cockpitperspektive freuen. Was macht wohl jeder Truckfahrer auf seiner Reise? Musik hören! Doch genau das geht bei diesem Titel nicht. Radiosender fehlen genauso wie die Möglichkeit der Einbindung eigener MP3-Musik. Abseits davon mag der brummige Vehikel-Sound gefallen, Geräusche der Außenwelt hätten aber ruhig in noch mehr Variation auftreten dürfen.