Der Duke ist tot! Diese Schreckensnachricht kursierte vor wenigen Monaten im Internet. Für all die Trauernden hat Croteam nun ein Trostplaster: Sam „The Serious“ Stone hat überlebt. Mit vielen, teils abgedrehten Waffen, einer Unzahl an markig machohaften Sprüchen und noch mehr Monstern möchte man nun an die Stelle des Verstorbenen treten. Ob Croteam das gelungen ist, könnt ihr in den folgenden Zeilen nachlesen.
Zeitreisender
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts machte die Menschheit eine unglaubliche Entdeckung, die von wissenschaftlicher und historischer Bedeutung war. Schade nur, dass diese Entdeckung die Vernichtung des Planeten zur Folge haben sollte. Denn schon kurz nach dem sensationellen Fund griffen Wesen aus einer anderen Dimension, ohne Vorwarnung und in großer Zahl, die von den Menschen besiedelten Himmelskörper an. Eine Welt nach der anderen fiel den Angreifern zum Opfer. Nun steht die Erde selbst kurz vor dem Fall. Ein Sieg ist ausgeschlossen. Die einzige Möglichkeit, die Menschheit zu retten, ist eine Zeitreise. Sam „The Serious“ Stone, ein tapferer Soldat, der sich in unzähligen Schlachten zu einer lebenden Legende aufgeschwungen hat, soll nun das Schlachtenglück wenden und wird dafür in das antike Ägypten entsendet…
Die Geschichte wird in berühmter
Star Wars-Manier per Texteinblendung erzählt. Was sich zunächst sehr interessant anhört, entpuppt sich schnell als 08/15-Handlung. Auch die Präsentation lässt sehr zu wünschen übrig. In kurzen Texteinblendungen wird euch vor jedem Einsatz ein kleiner Storyhappen hingeworfen. Selbst diese kurzen Texte scheinen mehr als lieblos zusammengeschrieben worden zu sein. Kurzum, Geschichte: Fehlanzeige.
Von prächtigen Bauten und schlechter Umsetzung
Gemäß diesem Vorsatz ballert ihr euch durch das antike Ägypten. Schon in den ersten Levels setzt euch das Spiel gigantische Bauwerke und Vorplätze vor die Waffe. Allesamt sind sehr schön anzuschauen und zeugen von der fortschrittlichen Baukunst der dortigen Gelehrten. Jene hätten aber wohl aufgrund der wenig überzeugenden Umsetzung die Hände über den Köpfen zusammengeschlagen. Denn hier hat man es wie in nahezu allen Bereichen des Spiels an der notwendigen Liebe zum Detail fehlen lassen. Egal, wo ihr euch befindet, alles sieht mehr oder weniger gleich aus. Die wenigen Ausnahmen bilden die Oasen, wo ihr euch zwischen Palmen und Wasserfall – oh Wunder – zu einem riesigen Tempel vorkämpfen müsst. Aufgrund dieser Tatsache kann man den Zusatz „HD“ im Titel des Spiels getrost anzweifeln. Zwar lässt sich die Auflösung frei skalieren, mangelnde Details und fehlende Grafikeffekte lassen das Spiel trotzdem altbacken aussehen. Im Großen und Ganzen sind die optischen Verbesserungen seit Veröffentlichung des ersten Spiels im Jahre 2001 kaum der Rede wert.
Von eigenartigen Waffen und markigen Sprüchen
Sam Stone kann auf eine Vielzahl von Waffen zurückgreifen. Neben den – im Actiongerne üblichen – Schießeisen wie Pistole, Schrotflinte, Maschinengewehr und Raketenwerfer könnt ihr im Spielverlauf auch einige sehr eigenartige Pusten finden. Zunächst einmal wäre da das 4-läufige Lasergewehr. Dank der hohen Feuerrate und Durchschlagskraft ist es sowohl im Nahkampf als auch auf Entfernung sehr effektiv. Leider ist die Munition sehr begrenzt, den Einsatz dieser Waffe sollte man also gut planen. Weit interessanter und abgedrehter ist die Kanone. Sie sieht aus wie ein Bordgeschütz eines antiken Piratenschiffes. Mit den riesigen Kanonenkugeln durchschlägt die Waffe gleich mehrere Gegner hintereinander. Das ist vor allem bei großen Feindhorden extrem nützlich. Das Waffenarsenal kann sich also sehen lassen. Zudem ergänzen sich die Pusten sehr gut. Bis auf das Messer haben alle ihre Daseinsberechtigung. Eine weitere Stärke des Spiels ist der Humor. Sam lässt nach außergewöhnlichen Situationen und harten Kämpfen gerne den Macho raushängen. Die Sprüche sind allesamt gelungen und runden die Ballerorgie gut ab. Anspielungen auf Film, Fernsehen und andere Videospiele verleihen
Serious Sam einen besonderen Charm.
Von Monsterhorden und noch mehr Gegnern
Die Redewendung „Hinter jeder Ecke lauert eine Gefahr“ trifft bei
Serious Sam nur bedingt zu. Denn alle 10 Meter trefft ihr auf eine weitere Hundertschaft an Feinden. Man möchte fast glauben, dass Entwickler Croteam bewusst das alte Ägypten als Szenario gewählt hat, da in dessen gigantischen Bauten mehr Platz für Gegner zur Verfügung steht. Aber nicht nur die Masse an Monstern ist beeindruckend, sondern auch die Größe. Die Endbosse sind allesamt gigantisch und überragen teils noch die Tempelanlagen selbst. Besonders schwierig sind diese Kämpfe allerdings nicht. Stures Draufhalten mit der Waffe reicht aus, um den Riesen zu Fall zu bringen. Auch in den Gefechten innerhalb der Level ist Dauerfeuer die beste Taktik. Gelegentlich auftretende - und durchweg sehr einfach gehaltene – Schalterrästel bringen etwas Abwechslung in das sonstige Einerlei.
Mehr Spaß mit Freunden
Das volle Potenzial entwickelt
Serious Sam jedoch im Mehrspielermodus. Neben dem Standard-Deathmatch wird auch ein Koop-Modus angeboten. In diesem könnt ihr die gesamte Geschichte des Spiels mit euren Freunden bestreiten. Die Stärke und Anzahl der Monster passt sich automatisch der Spieleanzahl an. Das führt dazu, dass es in den Levels nur so von Monstern wimmelt. Da die Gruppe gewohnheitsgemäß eher schlecht eingespielt ist, führt das zu einer erheblichen Steigerung des Schwierigkeitsgrades. Trotzdem macht es eine Mordslaune mit Freunden durch die überfüllten Levels zu laufen. Der bereits angesprochene Deathmatch-Modus hingegen ist nicht sehr gelungen.