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15 DAYS
 Test von Thorsten Taplik (07.12.2009) Artikel-Feed (RSS) abonnieren
Genre:Adventure Publisher:dtp
Termin:20. November 2009 Entwickler:House of Tales

House of Tales erzählen Geschichten mit ernsten Themen. Nach der düsteren Zukunftsvision »Moment of Silence und dem interaktiven Psycho-Thriller »Overclocked folgt nun 15 Days, ein Krimi-Adventure über eine Gruppe Kunstdiebe mit guten Absichten und schlechten Aussichten.


Gutmütige Kriminelle

Cathryn, Bernard und Mike teilen nicht nur einen Haushalt, sondern auch Ideale. Eine bessere Welt muss her. Und weil Däumchen drehen dabei wenig hilft, wird das Trio aktiv: In klassischer Robin Hood-Manier nehmen sie von den Reichen und geben den Armen. Die Reichen sind in diesem Fall Eigentümer wertvoller Kunststücke und die Armen wohltätige Organisationen. Die drei landen einen besonders lukrativen Job: Der ominöse Geschäftsmann Odila bietet für ein Bild vom ehemaligen englischen Premierminister Churchill mehrere Millionen. Zur gleichen Zeit stellt International Police Agent Jack Stern Ermittlungen zum plötzlichen Tod des britischen Außenministers Henston an, der scheinbar ohne nachweisbare Ursache den Löffel abgegeben hat. Wie es der Zufall will, kreuzen sich die Wege des verbitterten Ermittlers mit dem ungleichen Diebes-Trio und die Geschichte nimmt ihren Lauf...


Jäger und Gejagte

Ähnlich wie im Ausnahme-Adventure »Fahrenheit übernehmt ihr bei 15 Days nicht nur die Rolle von unterschiedlichen Charakteren, sondern wechselt regelmäßig die Rolle vom Jäger und Gejagten. Im Gegensatz zum ungewöhnlichen Machwerk der Heavy Rain-Entwickler, verzichtet der neuste House of Tales-Streich auf Experimente in puncto Gameplay und Präsentation. Fast schon bieder wird das Adventure-Standard-Programm abgespult: Gespräche führen, Gegenstände kombinieren, Logikrätsel knacken. Doch die Stärke der House of Tales-Produkte liegt seit jeher woanders: glaubwürdige, gebrochene Charaktere. 15 Days bildet keine Ausnahme und hat gleich vier Hauptcharaktere in petto: Die von Selbstzweifeln geplagte Kunststudentin, der Actionfiguren-sammelnde Computer-Freak, der Akademiker mit Hang zum Glücksspiel oder der Vorschriften missachtende Polizist – allesamt interessante Figuren, die einen glaubwürdigen Eindruck hinterlassen.


Adventure Light

15 Days spielt sich für ein Adventure sehr flott. Ihr müsst euch nicht lange Gedanken über Gesprächsoptionen oder Puzzlelösungen machen. Das Spiel serviert sie euch auf einem silbernen Tablett. Die Konversationen klickt ihr einfach durch, nach einer knappen Wartezeit könnt ihr Denkaufgaben mit einem Knopfdruck lösen. Der geringe geistige Anspruch in Kombination mit dem streng linearen Ablauf drängt einen Vergleich mit den interaktiven Filmen der frühen Neunziger auf. Und würde 15 Days nicht mit seinen Charakteren und einigermaßen spannenden Geschichte punkten, wäre ein Sturz in die für besagtes Genre typische Wertungsregion die Folge. Besonders die langweilige Präsentation steht dem Vorhaben im Weg ein „Adventure im Hollywood-Stil“ (Packungstext) abzuliefern. Ich habe beispielsweise noch nie in einem vergleichbaren Film den Dieb seelenruhig durch ein bestens bewachtes Gebäude schlurfen sehen.


Technischer Totalausfall

Aber es mangelt 15 Days nicht nur in den vermeintlich dramatischen Momenten an Dynamik. Das Geschehen auf dem Bildschirm ist durchweg langweilig und alles andere als zeitgemäß. Besonders unangenehm fallen die spärlichen Animationen auf. Derart hölzerne Bewegungsabläufe stammen aus dem letzten Jahrtausend. Die Hintergrundgrafiken gewinnen ebenfalls keinen Schönheitspreis. Ebenso hatte man bei der Wahl der Synchronsprecher kein gutes Händchen. Zwar erledigen die unbekannten Stimmen ihren Job anstandslos, doch leider passen sie nicht so recht zu den Figuren. Die sportive Cathryn zum Beispiel klingt affektierter als sie im Spiel rüberkommt. Der tontechnische Eindruck wird durch die von Szene zu Szene variierende Lautstärke weiter geschmälert. Gelegentliche Abstürze ziehen die Techniknote gefährlich nah in die Region von Normalnull.





Ich weiß nicht so recht, wie House of Tales eine Brücke zum Filmerlebnis schlagen wollen, mit einer derart altmodischen Präsentation. Sorry, das ist kein großes Kino, sondern allenfalls ein Vormittags-Krimi im WDR. Spielmechanisch taugt 15 Days ebenfalls nicht viel. Selbst Anfänger klicken sich mühelos durch das Spiel. Da frage ich mich, wieso die Entwickler nicht gleich einen Low-Budget-CGI-Film daraus gemacht haben. Die Pseudo-Interaktivität steht dem Titel jedenfalls überhaupt nicht. Einzig die wieder mal gut getroffenen Charaktere und die wechselnden Erzählperspektiven verleihen 15 Days noch ein Quäntchen Charme.
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Pro:
ausgearbeitete Charaktere
wechselnde Erzählperspektiven

Contra:
lahme Präsentation
unzeitgemäße Technik
anspruchslose Rätsel
kaum Interaktivität


Offizielle Website:
 15days-game

Weitere Links:
 Trailer



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