Publisher Astragon hat sich im Simulationsgenre bereits einen Namen gemacht. Nun soll der Abschleppwagensimulator 2010 einen neuen Spielplatz für Sim-Fans liefern. Ob Astragons neuester Streich einen Kauf lohnt, erfahrt ihr in unserem Review.
Willkommen in der Welt der Abschleppen
Ein herzliches Willkommen erhaltet ihr in
Abschleppwagensimulator 2010 nicht. Nach einer ziemlich langen Ladezeit landet ihr direkt in eurem Abschleppwagen. Zwar könnt ihr bei der Innenausstattung und den Felgen noch aus einigen Farben wählen, doch dann geht der anstrengende Arbeitsalltag auch schon los. In einer übersichtlichen Stadt (und das auch ohne Karte) fahrt ihr umher, bis ihr euren ersten Auftrag erhaltet - Unfallwagen oder Falschparker. Am Ziel angelangt, packt ihr den Übeltäter auf euren Wagen und fahrt ihn zurück zur Zentrale. Dort erhaltet ihr für eure Mühen 300 Euro, den Betrag, den ihr beim Falschparken selbst zahlen müsst. Danach folgt auch schon der nächste Auftrag per Zufallsprinzip. Dieses Prozedere zieht sich durch das ganze Spiel.
Abwechslung bekommt ihr erst nach unzähligen Aufträgen, dann könnt ihr nämlich einen neuen Abschleppwagen kaufen. Dieser ändert das Spielgesehen insofern, dass ihr jetzt nicht nur mit einem Kran abschleppen könnt, sondern auch eine Seilwinde benutzt. Einen großen Unterschied macht dies allerdings auch nicht - das Prinzip bleibt das Gleiche.
Die Stadt gehört euch!
Und das ist zutreffender, als man es sich wünschen würde. Die Stadt ist zwar voller Fastfoodrestaurants, Fahrzeuge, Ampeln, Verkehrsschilder, Spielplätze und vielen anderen Gebäuden, doch Menschen werdet ihr hier nicht antreffen. In
Abschleppwagensimulator 2010 geht es schließlich nicht um eine belebte Stadt, sondern um abzuschleppende Fahrzeuge. Leider wirkt der Schauplatz auf diese Weise wie ausgestorben. Auch könnt ihr problemlos andere Autofahrer rammen, Verkehrsschilder missachten und rote Ampeln überfahren, das stört niemanden. Die anderen Fahrzeuge, die durch die Stadt fahren, sind zwar in Bewegung, reagieren aber keineswegs auf euch und eure Aktionen. Sie sind einfach nur vorhanden und beleben die Straßen in geringem Maße. Selbst bei Unfällen werdet ihr weder Polizei, noch Feuerwehr zu Gesicht bekommen. Die Crash-Wagen sehen aus wie frisch aus der Fabrik, denn ein Schadensmodell sucht ihr hier vergeblich. Zwar soll das Fahrzeug angeblich einen Totalschaden erlitten haben, so dass ihr es jetzt abschleppen müsst, allerdings beschränkt sich der Schaden höchstens auf leich verbeulte Motorhauben.
Es verwundert dann natürlich nicht, dass auch andere Fahrzeuge, die ihr rammt, keinerlei Spuren aufweisen. Die markenlosen Wagen sehen immer makellos poliert aus. Nicht einmal Verkehrsschilder lassen sich von eurem großen Abschleppwagen in
Abschleppwagensimulator 2010 beeindrucken, sie halten euer Fahrzeug sogar auf, wenn ihr dagegen fahrt. Der Schwächere muss schließlich nachgeben und das seid scheinbar nicht ihr, sondern das 30er Zone-Schild an der Ecke.
Das einzig wirklich schöne an der Stadt, ist das Wetter. Weder Regen noch Dunkelheit beeinträchtigen eure Arbeit, schließlich scheint immer die Sonne. Ihr könnt euch also ohne jegliche Ablenkung dem Abschleppen hingeben. Niemand stört euch bei der Arbeit oder kritisiert euren Fahrstil oder eure Methoden. Hauptsache ist, dass die Zielfahrzeuge von A nach B gelangen, für abgelehnte Aufträge müsst ihr lediglich 10 Euro Strafe zahlen. Doch warum solltet ihr einen Auftrag ablehnen? Schließlich unterscheidet sich der nächste kaum vom vorherigen.
Schleppen, Schleppen, Schleppen
Wie schon angedeutet, beschränkt sich das Spiel auf das Abschleppen von Fahrzeugen. Allerdings muss man zugeben, dass die Physik beim Abschleppen und die Umsetzung der Steuerung hier großes Lob verdient. Es fällt zwar leicht, den Zielwagen auf euren Laster zu heben, doch die Physik hierbei stimmt. Dies ermöglicht euch auch, in
Abschleppwagensimulator 2010 ein paar Versuche mit der Seilwinde oder dem Kran auszuführen, was den Spaßfaktor des Spiels geringfügig erhöht.
Allerdings kommt keine richtige Lastwagenatmosphäre auf. Selbst wenn ihr die Cockpitsicht aktiviert, bringen die viel zu leisen Motorengeräusche keine rechte LKW-Atmosphäre zu Stande. Ältere Computer produzieren beim Rechnen mehr Lärm. Auch andere Fahrzeuge bringen sich nicht wirklich in die Lärmkulisse ein. Alles was bleibt, ist das ewigwährende Gedudel im Hintergrund, das bereits nach der ersten langen Ladeszene nervenaufreibend wird.
Die Stadt in
Abschleppwagensimulator 2010 wurde zwar mit großer Detailliebe gestaltet, doch es fehlt einfach an Leben. Was nützen schön angelegte Kinderspielplätze, wenn sich darauf keine Kinder tummeln? Welchen Zweck erfüllen Ampeln und Verkehrsschilder, wenn keine Polizei Verstöße dagegen bestraft?
Extras für Fans
Fans von Abschlepp-Simulationen können das Spiel noch interessanter gestalten. Einerseits werden Modding-Möglichkeiten geboten. Andererseits können Besitzer des
»Fahr-Simulator 2009, den
Abschleppwagensimulator 2010 integrieren. So könnt ihr dann auch in dieser virtuellen Stadt mit eurem Abschleppwagen umherfahren und Missionen erledigen.