Was für den Zweirad-Fan die Harley Davidson ist, bleibt für den Auto-Fanatiker der LKW. Denn beide Gefährte haben eines gemeinsam – nämlich den Geruch der grenzenlosen Freiheit. Dass man diese leider im Alltag nicht ausleben kann, liegt nicht zuletzt daran, dass man nicht einfach von heute auf morgen seine Sachen packen kann, um die berühmte Route 66 herunterzudüsen. Virtuell gesehen klappt das schon und weil besagte amerikanische Straße für einen Bildschirm-Ausflug fast schon zu gewöhnlich klingt, wagen wir uns mit 18 Wheels of Steel - Extreme Trucker in gefährlichere Gebiete vor.
Ein LKW auf Abwegen
Gemeint sind damit aber nicht Bergpassagen im Amazonas, wo ihr bei einem Mal falsch Ausscheren schon den Abhang herunterrollt, sondern vielmehr die Anden oder Alaska. Hier kann man zum Beispiel in fiktiven Ortschaften Sondermüll transportieren. Klingt spannend, oder? Also wenn ihr bei dem Gedankengang einen tonnenschweren Stahlkoloss abseits jeglicher Zivilisation durch die Gegend zu manövrieren bereits kein Fernweh bekommt, dann werdet ihr mit diesem Spiel keinen Spaß haben. Denn hier geht es vielmehr darum, diesen Männertraum zumindest auf virtuelle Art und Weise erlebbar zu machen.
Gute Cockpit- trifft schlechte Karten-Ansicht
Dabei gibt man sich Mühe und erlaubt sogar die Unterstützung von Lenkrädern. Mittels Cockpit-Perspektive und wenigen externen Symbolen, die uns über Wetter und Ladung unterrichten, brettern wir in
18 Wheels of Steel - Extreme Trucker also fortan in unserem Führerhäuschen romantisch der Abendsonne entgegen. Dabei gibt sich das Fahrgefühl angenehm träge – genauso wie man es von einem meterlangen LKW erwarten würde. Zwar hat man sich einerseits Mühe gegeben und die Szenarien mit manchem Detail versehen, aber auf der anderen Seite stören einfach umständliche Menüführungen den Trucker-Alltag. Habe ich mich also bereits mental auf die große Freiheit eingestellt, holt mich das Programm wieder in die Realität zurück indem, es mir in seiner eigenen Beschränktheit immer wieder zahlreiche Klicks für die Übersichtskarte abnötigt.
Echte Männer brauchen kein Navi
Der ganze Spielablauf von
18 Wheels of Steel - Extreme Trucker stellt sich gewünscht unaufgeregt dar. Auch beim Kontinentwechsel von der Eiswüste ins warme Australien hat man nur das Gefühl, die Texturtapete zu wechseln. Man gleitet durch die Landschaft, ohne auf irgendwelche Interaktionspunkte zu treffen. So sucht man vergeblich nach Anhaltern oder vergleichbarem, was einem auf einer längeren LKW-Tour so alles passieren kann. Hier erinnert das Spiel eher an eine Zug-Simulation. Und ein LKW ohne CB-Funk ist wie ein Haus ohne Telefon. Da passt es nur ins Bild, dass die Fahrzeuge allesamt mangels Lizenzierung reine Fantasieprodukte sind.
Unverständlich ist aber, dass man an einigen Stellen plötzlich im Wald steht, obwohl man einige Frames zuvor noch auf der normalen Strecke war. Weiter ist das Fehlen eines Navigationssystem zu vermerken, aber echte Männer brauchen sowas eh nicht. Zumal man die wenigen Wegmarkierungen pro Route auch entspannt selbst ansteuern kann. Die gesetzten Zeitvorgaben in
18 Wheels of Steel - Extreme Trucker sind auch mehr als moderat gelungen. Allein bei der abschließenden Punktevergabe unterscheidet sich dann der Bummler vom Sprinter.
Wo Licht ist, ist auch Schatten
Die Rundreise im LKW hinterlässt einen gemischten Eindruck. Die Grafik von
18 Wheels of Steel - Extreme Trucker ist gelungen und vermittelt auch in der Cockpit-Perspektive mit der Zeit echtes Trucker-Feeling. Aber wenn man mit den gelegentlichen Grafik-Fehlern konfrontiert wird und wegen jeder Richtungsbestimmung durch Menüs für die Karte wursteln muss, dann merkt man wieder, dass man nur vor dem PC sitzt. Die verschiedenen Szenarien wurden leider kaum ausgebaut, sondern haben meist nur eine andere Grundfarbe. Missions- oder Karriereelemente fehlen gar komplett. Auch beim Handling der unterschiedlichen LKW hat man sich keine Mühe gegeben, denn alle fahren sich gleich. Unter dem Strich ein Produkt, das man nur den Fans empfehlen kann.